Biofeedback: Den Körper kennen

Die Schulmedizin hilft nicht immer weiter. Wie wär's mit einer alternativen Heilmethode? Drei gute Gründe für Biofeedback - und einer dagegen.

Die Wirkung: bewiesen

Dieses Heilverfahren schafft die Quadratur des Kreises. Es ist wirksam, wissenschaftlich anerkannt und hat keine Nebenwirkungen. Zu schön, um wahr zu sein? Nö. "Hinter Biofeedback steckt die Erkenntnis, dass wir Menschen unsere körperlichen Funktionen willentlich beeinflussen können, wenn wir sie wahrnehmen", erklärt der Münchner Psychologe Lothar Niepoth.

Im Prinzip kennt das jeder: Wer merkt, dass er zu schnell atmet, kann das normalerweise problemlos regulieren. Auch bei Verspannungen gelingt das vielen. Was aber ist bei Schweißausbrüchen, Asthma, Tinnitus oder Bluthochdruck? Einfach so lässt sich da kaum etwas machen - aber nur deshalb nicht, weil wir nicht wissen, was gerade im Körper abläuft.

Das aber zeigt uns beim Biofeedback ein kleines Gerät: Sensoren, die an den Händen, der Stirn, im Nacken, der Brust oder am Rücken angebracht werden, messen Hautwiderstand, Blutdruck, Atem- und Herzfrequenz, Körpertemperatur oder Muskelspannung. Die Signale werden umgewandelt und auf einer Leinwand oder einem Bildschirm grafisch oder akustisch dargestellt.

Der Lerneffekt: groß

Bei Rückenschmerzen funktioniert das zum Beispiel so: Elektroden messen entlang der Rückenmuskulatur deren Spannung. Der Patient sieht das Ergebnis als Kurve auf einem Bildschirm. Dann setzt ihn der Therapeut unter Stress, indem er ihn etwa schwierige Rechenaufgaben lösen lässt. Die Muskeln reagieren auf den Stress, und die Form der Kurve verändert sich, die Zacken werden steiler.

Nun geht es darum, die Verspannungen wieder zu lösen. Wie? Ausprobieren: "Jeder muss seine ganz persönliche Strategie finden und einüben", so Niepoth. Eine Migräne-Patientin stellt sich zum Beispiel einen eiskalten Gebirgsbach vor, der durch ihre Schläfenarterien fließt, und hat so ihre Attacken in den Griff bekommen, bei verspannten Muskeln kann es helfen, sich gedanklich an einen Traumstrand mit leise schwappenden Wellen zu versetzen. In jedem Fall lernt man, die Signale und Reaktionen des eigenen Körpers besser wahrzunehmen - und ihnen nicht mehr machtlos ausgeliefert zu sein.

Die Methode: schenkt Freiheit

Weil man auf dem Monitor sofort Erfolge sieht, lernt man das Verfahren ziemlich rasch. Und irgendwann benötigt man das ganze Drumherum nicht mehr, sondern kann die Methode zu Hause oder unterwegs problemlos anwenden.

Das spricht dagegen

Für Ungeduldige oder Menschen mit wenig Zeit eignet sich Biofeedback eher nicht, ein bisschen Ausdauer muss man mitbringen. Leider funktioniert die Methode auch nicht bei jedem: Manche Menschen lernen es nicht, bisher ist unklar, warum. Die Krankenkassen zahlen die Behandlung (rund 100 Euro pro Sitzung) in der Regel nicht, bei Schmerzpatienten kann die Behandlung in eine Verhaltenstherapie eingebunden werden, dann gibt's Geld von der Kasse.

Biofeedback hilft bei Bluthochdruck, Kopfschmerzen, Schlafstörungen, Flugangst, Asthma, Angstzuständen und Tinnitus.

Dauer der Therapie Je nach Krankheitsbild sind acht bis zwanzig Behandlungen erforderlich.

Literaturtipp Winfried Rief, Niels Birbaumer (Hrsg.): "Biofeedback-Therapie. Grundlagen, Indikation und praktisches Vorgehen". Schattauer, 49,95 Euro.

Internet Deutsche Gesellschaft für Biofeedback: www.dgbfb.de Deutsche Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft: www.dmkg.de

BRIGITTE Balance 03/08 Text: Inge Pröll Foto: Getty Images
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