Ganzheitliche Medizin: Zähne lügen nicht

Was haben die Schneidezähne mit der Niere zu tun oder die Weisheitszähne mit dem Herzen? Oft eine ganze Menge. Davon ist die ganzheitliche Zahnmedizin überzeugt.

Klar: Dass kaputte Zähne letztlich den ganzen Körper schädigen können, wissen wir inzwischen alle. Aber ein Zahnarzt, der danach fragt, ob wir häufig unter unerklärlicher Müdigkeit oder Erkältungskrankheiten leiden? Das ist eher die Ausnahme als die Regel. Nur 1500 der rund 80.000 deutschen Zahnärzte nennen sich "ganzheitliche Zahnmediziner", und 1200 von ihnen haben sich inzwischen in einem eigenen Verband organisiert.

Einer von ihnen ist Erich Wühr, Zahnarzt und Spezialist für Traditionelle Chinesische Medizin in Kötzting. Ihm geht es vor allem um das sensible Gleichgewicht zwischen allen Organen des Körpers - und den Zähnen. Ganzheitliche Zahnmediziner wie Wühr interessieren sich deshalb zum Beispiel auch für die Körperhaltung ihrer Patientinnen und Patienten, fragen nach Lebensgewohnheiten und chronischen Beschwerden.

Anhänger der Traditionellen Chinesischen Medizin beziehen sich dabei vor allem auf die Vorstellung von Energiebahnen (Meridianen), die den gesamten Körper durchziehen. Danach hat auch jeder Zahn ein Organ-Pendant im Körper: Die Schneidezähne sind eng mit Blase und Niere verbunden, Weisheitszähne mit dem Herzen. Beschwerden an dem entsprechenden Zahn können sich deshalb negativ auf das Organ auswirken - und umgekehrt: "Wenn bei einer Patientin das Zahnfleisch an einem einzigen Schneidezahn entzündet ist, lasse ich abklären, ob nicht vielleicht eine chronische Blasenentzündung dahintersteckt", erklärt Peter Bornhofen, ganzheitlicher Zahnarzt in Gernsheim.

Ob letztlich zuerst der Zahn oder das Organ kuriert werden muss, finden die Zahnärzte oft in Kooperation mit Kollegen aus anderen Disziplinen heraus. Dazu gehören Orthopäden, Immunologen und Psychologen genauso wie Heilpraktiker und Homöopathen. Schritt für Schritt versuchen sie, Körper, Immunsystem und Seele wieder in ein gesundes Gleichgewicht zu bringen. Im Idealfall bessern sich dadurch auch chronische Beschwerden merklich. Dabei kommen Methoden wie Osteopathie, Akupunktur, Kinesiologie, Cranio-Sakral-Therapie oder die Bioresonanz-Therapie zum Einsatz.

Die Zahnmedizin steht vielen dieser Methoden, deren Wirkung wissenschaftlich nicht in jedem Fall belegt ist, und auch den ganzheitlich denkenden Kollegen bisher noch eher skeptisch gegenüber. So bleibt uns Patientinnen nicht viel anderes übrig, als auf eigene Verantwortung - und oft auf eigene Kosten - herauszufinden, welche Methode uns wirklich hilft. Wo Wunder versprochen werden, ist allerdings Vorsicht geboten. Wichtig ist außerdem, darauf zu achten, dass der ganzheitlich orientierte Zahnheilkundler auch eine solide schulmedizinische Ausbildung und Praxis vorzuweisen hat.

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Die Organ-Uhr

Tut ein Zahn akut weh, dann hat er meistens ein Loch. Aber wenn bestimmte Bereiche im Kiefer immer wieder schmerzen, Entzündungen am Zahnfleisch einfach nicht abklingen wollen - dann kann es Sinn machen, mithilfe eines ganzheitlich arbeitenden Zahnarztes nach anderen Ursachen zu suchen. Unsere Organuhr orientiert sich an der Traditionellen Chinesischen Medizin:

Schneidezähne Organe: Niere, Blase Beschwerden: chronische unspezifische Blasenentzündung, Unfruchtbarkeit

Eckzähne Organe: Leber, Galle Beschwerden: Probleme mit der Fettverdauung, Gallensteine

1. und 2. Backenzahn (oben) Organe: Dickdarm, Lunge Beschwerden: Störung im Verdauungstrakt mit Entzündungen im Mundraum, Asthma und andere Atemwegsbeschwerden (Lunge)

3. und 4. Backenzahn (oben) Organe: Pankreas, Magen Beschwerden: Diabetes (Pankreas), Parodontitis (Magen)

Weisheitszähne (links) Organe: Herz, Dünndarm Beschwerden: Herzrhythmus-Störungen und Ess-Störungen

www.gzm.org: Hier finden Sie eine Liste der Zahnärzte der Gesellschaft für Ganzheitliche Zahn-Medizin e.V.

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