Heilkräuter: Körperpflege von innen

Urwüchsige Heilkräfte für Körper und Seele haben sie, die Pflanzen der traditionellen Kräutermedizin. Heilpflanzen-Expertin Susanne Fischer-Rizzi erklärt, welche Wirkung die verschiedene Heilkräuter haben, und gibt Tipps für Anwendungen und Rezepte.

Kornblume (Centaurea cyanus)

Als Demeters Tochter in die Unterwelt entführt wurde, riss die Fruchtbarkeitsgöttin vor Kummer ihren blauen Umhang in Stücke. So kam die Kornblume in die Welt. Ein Symbol der Sehnsucht. Und der Vergänglichkeit - sagen die Anthroposophen. Allzu schnell verblassen ihre leuchtenden Blüten, wenn sie gepflückt werden.

Heute steht das anspruchslose frühere Ackerunkraut aus der Familie der Korbblüter unter Naturschutz. Ziersorten, die oft sommerliche Gärten schmücken, haben jedoch keine Heilwirkung. Die Blüten der echten "Kornnelke" sind dagegen reich an Bitterstoffen und gesunden bioaktiven Substanzen, Flavonoiden. In der Naturheilkunde gelten sie traditionell, am besten als Tee vor den Mahlzeiten getrunken, als Mittel gegen Magen- und Darmbeschwerden, Appetitlosigkeit und Verdauungsstörungen jeder Art.

Tee-Kompressen oder Bäder können aber auch Hautprobleme lindern. Ein Aufguss aus den getrockneten oder frischen Blüten ist ein beruhigendes Tonikum gegen entzündete, gereizte Haut. Es wirkt außerdem entzündungshemmend und desinfizierend - ideal bei Akne. Eine Augenkompresse hilft bei geschwollenen, überanspruchten Augen und bei Bindehautentzündung.

Rezept: Kornblumen-Gesichtswasser Sie brauchen: 1 EL Kornblumenblüten (Kräuterhaus, Apotheke)

So geht's: Die Blüten mit 1 Tasse kochendem Wasser übergießen. 5 Minuten ziehen lassen und abseihen. Abkühlen lassen und als Gesichtswasser verwenden. Das Gesichtswasser kann auch in eine Sprühflasche gefüllt werden. Auf ca 50 ml Kornblumentee gibt man 1 Tropfen ätherisches Lavendelöl. Gut schütteln und als Gesichtsspray verwenden. Oder eine Kompresse für die Augen mit dem kühlen Kornblumentee tränken und auf die Augen auflegen und ca 5 Minuten einwirken lassen.

Nicht verwenden bei Allergie auf Korbblütler.

Heilkräuter: Körperpflege von innen

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Brennessel (Urtica dioica)

Ihre Samen pries schon der griechische Dichter Ovid als Aphrodisiakum an. In mittelalterlichen Klöstern waren Brennesseln deshalb verboten, reizten sie doch, in Wein eingelegt, bekanntermaßen zu Unkeuschheit. Als Gespinnstpflanze zur Herstellung von Nesselstoffen war das "Teufelskraut", das stickstoffhaltige Böden liebt, jedoch gern gesehen.

Angriffslustig, fast feindselig tritt sie uns entgegen mit ihren kreuzförmig am Stängel angeordneten, scharf gezackten und mit Brennhaaren überzogenen Blättern. Wer ihr zu nahe kommt, bricht die kugelförmige Haarspitze ab und setzt so einen beißenden Saft frei. Pfarrer Sebastian Kneipp wusste diesen wärmenden Brennreiz zu nutzen: Bei Rheumaschmerzen und Hexenschuss empfahl er die "Urtication", das Peitschen der betroffenen Körperstellen mit frischen Brennnesseln.

Inzwischen werden Anwendungen mit weniger "Biss" bevorzugt. Saft, als Kur getrunken, aus frischen und Tee aus getrockneten Blättern, reich an Chlorophyll, Vitaminen und Mineralien wie Kalium, Kalzium und Kieselsäure, reinigen das Blut, wirken harntreibend, schwemmen, auch bei Rheuma und Gicht, Gifte aus dem Körper und hemmen Entzündungen, speziell der Harnwege. Frische Brennnesseltriebe gehörten deshalb im Frühjahr, durchs Kochen entschärft, ebenfalls in jede "Neunkräutersuppe".

Heute muss sich niemand mehr beim Sammeln die Finger verbrennen, sondern kann fertige Säfte kaufen. Wer empfindlich ist, sollte das Kraut mit seinem hohen Gehalt an Histamin, einem Stoff, der eine wichtige Rolle bei allergischen Reaktionen spielt, jedoch besser meiden.

Rezept: Entschlackungstee für eine Frühjahrskur Sie brauchen: 40 g Brennesselblätter 20 g Wiesengeißbart 20 g Zitronenverbene, Blätter 20 g Birkenblätter

So geht's: Einen gehäuften Teelöffel der Mischung mit 1 Tasse kochendem Wasser übergießen. 4 Minuten ziehen lassen, abseihen. Am besten trinken Sie 2 Wochen lang 1 - 2 Tassen täglich.

Besonders entschlackend und sehr stark vitalisierend wirkt eine Frischsaftkur mit Brennesseln. Diese Kur ist in Susanne Fischer-Rizzis Buch Medizin der Erde beschrieben.

Salbei (Salvia officinalis)

Lange galt Salbei als Lebenselixier, als Garant für ewiges Leben. Hatte sich doch der Legende nach die Jungfrau Maria auf ihrer Flucht nach Ägypten vor ihren Verfolgern erfolgreich unter einem Salbeistrauch versteckt. Stets gehörte das ursprünglich im Mittelmeerraum beheimatete "Geschmacksblatt" zu den "Augustkräutern", den Heilpflanzen, die am Mariahimmelfahrtstag die Kirche schmückten und vor Feuer, Hagel und Zauberei schützen sollten. Magische Kräfte wurden den an verholzten Stängeln wachsenden schmalen Blättern mit ihrem grünlich-grauen Samtflor nachgesagt, Türen und sogar Herzen sollten sie öffnen, schrieb man den Namen von Angebeteten darauf.

Die Ähren blauvioletter Blüten sind dagegen schmückendes Beiwerk. Nur die herb, kampferartig duftenden Blätter sind reich an ätherischem Öl und wertvollen Pflanzenstoffen. Schon Hildegard von Bingen nutzte ihre desinfizierende Wirkung bei Halsschmerzen, Mandel-, Mund-, Rachen- und Zahnfleischentzündungen. Auch gegen Husten und Erkältungen hilft Salbeitee. Und er schwächt, dank östrogenartiger Inhaltsstoffe, Hitzewallungen und Nachtschweiß während der Wechseljahre ab. Allerdings sollte er nur in Maßen benutzt werden. Denn das ätherische Öl ist reich an Thujon, einem Pflanzenalkohol, der in höherer Dosis unangenehme Nebenwirkungen wie Herzrasen, Schwindel und Krämpfen hervorrufen kann.

Rezept: Salbei zum Knabbern Ein köstlicher Knabbersnack zu Bier und Wein sind die so genannten "Salbeimäuse". Dafür die Salbeiblätter mit etwas Blattstiel in einen Bierteig tauchen und in heißem Fett goldbraun frittieren. Eignen sich auch wunderbar zum Servieren von Suppen.

Gundermann (Glechoma hederacea)

Kleinwüchsig, fast zwergenhaft, und unscheinbar schlängelt er sich am Boden entlang. Erst wenn die blauvioletten Lippenblüten erscheinen, stellen sich einzelne Stängel auf. Gute Geister, Heinzelmännchen, so hieß es früher, sollen unter seinen herz- bis nierenförmigen, am Rand eingekerbten Blättern wohnen. Schon bei den Germanen galt der Gundermann, auch Gundelrebe genannt, deshalb als hilfreiche Kraftpflanze, als Spender von Gesundheit und Lebensenergie. Noch im Mittelalter würzte er traditionell jede Gründonnerstagsuppe, als Schutzkraut mit antidämonischer Wirkung. Wer in der Walpurgisnacht die Triebe zum Kranz gebunden auf dem Kopf trug, hoffte auf Hellsichtigkeit, auf die "Andersweltsicht".

Die Heilkraft steckt in dem ätherischen Öl, das beim Zerreiben der weiß behaarten Blätter austritt. Es wirkt entzündungshemmend, löst Schleim und regt den Stoffwechsel an. Ein Tee aus frischen Blättern lindert langwierige Erkältungen, Husten, Blasen- und Nierenleiden, stärkt und kräftigt bei langer Krankheit. Mehrmals täglich äußerlich aufgetragen unterstützt das Öl die Heilung selbst hartnäckiger Wunden.

Rezept: Wildkräuter-Guacamole Sie brauchen: 2 weiche Avocados 1 Handvoll fein gewiegte Frischkäuter: Gundermann, Kerbel, Brunnenkresse oder Portulak 1 Knoblauchzehe, fein zerdrückt Pfeffer Chilipulver, 2 Messerspitzen Paprikapulver, 2 Messerspitzen Salz Saft einer halben Zitrone

Das Avocadofleisch mit einem Löffel aus den Avocadohälften schaben und mit der Gabel zerdrücken. Kräuter, Gewürze und den Zitronensaft gut untermischen. Mit frischen Kräutern oder Salatblättern angerichtet servieren. Passt als Beilage zu Sandwiches, Salat und als Füllung von Crepes und Pfannkuchen.

Lavendel (Lavendula officinalis)

Was immer es Schlechtes in dieser Welt gibt - die intensiv duftende ursprüngliche Mittelmeerpflanze Lavendel gilt seit jeher als wirksames Schutzmittel dagegen. Sogar den bösen Blick könnte sie abwehren, hieß es lange in der Toskana, Dämonen in die Flucht schlagen. So wurden die blauvioletten, lange Scheinähren schmückenden Blüten schon im Altertum als reinigendes Räucherwerk benutzt. Und noch heute parfümieren Lavendelsäckchen dezent frische Wäsche und vertreiben Motten aus Kleiderschränken.

Dass allein der Anblick dieses Lippenblütlers mit den schmalen, wie kleine Lanzen aussehenden Blättern Anspannung und trübe Gedanken verscheuchen kann, weiß jeder, der jemals zur Lavendelblüte die Provence bereist hat. Trösten, motivieren, kräftigen kann das Wärme liebende, an Halbsträuchern wachsende "Nervenkräutel". Deshalb wurde es früher Frauen bei Geburten in die Hand gegeben, zum Durchhalten.

Inzwischen weiß man, dass die Blüten ätherisches Öl enthalten, das das zentrale Nervensystem beruhigt, entkrampft und ausgleicht. Als Tee und Badezusatz lindern sie Nervosität und Erschöpfung, entspannen und schenken angenehme Nachtruhe.

Rezept: entspannendes Lavendelbad Sie brauchen: 10 Tropfen ätherisches Lavendelöl 5 Tropfen ätherisches Rosengeranienöl

So geht's: Die Öle in 3 bis 4 Esslöffeln flüssigem Honig verrühren und dem Badewasser zufügen.

Hagebutte (Rosa canina)

Hoffnung und Lebensfreude stecken in der Hagebutte und die Kraft, ein Geheimnis zu bewahren, wenn man sie bei sich trägt. Auch eine Liebe, sagt der Volksmund, kann die "Rosenbeere", die angeblich schon üppig den Garten der germanischen Liebes- und Fruchtbarkeitsgöttin Freya zierte, festhalten.

Natürlich erhält die leuchtend rote Scheinfrucht, die sich im Herbst aus den zartrosa Blüten von Wild- oder Heckenrosen entwickelt, auch die Gesundheit: Ihr außergewöhnlich hoher Gehalt an Vitamin C - 400 bis 500 Milligramm pro 100 Gramm -, dem Ballaststoff Pektin und weiteren Biostoffen brachte schon früher die Menschen wohlbehalten durch harte Winter.

Die traditionelle Heilkunde verwendet frische Hagebutten, von ihren harten Kernen befreit und zu Mus verarbeitet, ebenso wie Tee aus getrockneten Schalen. Beides soll das Immunsystem stärken, Infekten vorbeugen und helfen, Erkältungen auszukurieren. Wirkungen, die für die Schulmedizin als nicht ausreichend belegt gelten. Doch dank ihres frischen, leicht süß-säuerlichen Geschmacks können Hagebutten häufig in Tee-Mischungen ihre gesunden Kräfte entfalten.

Rezept: Hagebuttenparfait Sie brauchen für 4 bis 6 Portionen:

6 Eigelb 1 EL Waldhonig 200 g Hagebuttenmark, mit Honig gesüßt aus dem Reformhaus oder Naturkostladen 3 EL süße flüssige Sahne

So gehts: Eigelbe und Honig schaumig rühren, Hagebuttenmark und Sahne dazugeben und im warmen Wasserbad schaumig-dick aufschlagen. In der Eismaschine gefrieren lassen.

Für die Zubereitung ohne Eismaschine die doppelte Menge Sahne steif schlagen und vorsichtig unter die Masse heben. In Pastetenförmchen füllen und im Tiefkühlfach gefrieren. 10 Minuten vor dem Gefrieren aus dem Fach nehmen, kurz in heißes Wasser stellen damit sich das Eis von der Form löst. Auf Dessertteller stürzen und mit Hagebuttenmark oder Haselnüssen dekorieren.

Rezept aus Susanne Fischer-Rizzi: "Blätter von Bäumen". AT-Verlag.

Infos zur Autorin

Susanne Fischer-Rizzi, von Beruf Heilpraktikerin, beschäftigt sich seit ihrem 12. Lebensjahr mit Heilpflanzen. Damals bekam sie von ihrem Großvater ihr erstes Buch über Heilkräuter geschenkt. Seit etwa 30 Jahren gibt sie ihr Wissen in Seminaren, Vorträge und Büchern weiter.

Noch mehr Informationen zu Heilpflanzen und tolle Rezepte finden Sie in Susanne Fischer-Rizzis Büchern "Medizin der Erde" und "Blätter von Bäumen", AT Verlag, www.fischer-rizzi.de

Fotos: fotolia.com, JvF/photocase.com
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