Alternative Heilmittel: "Ich schwör drauf!"

Alternative Heilmittel können uns helfen, auch wenn die Wissenschaft ihre Wirkung nicht beweisen kann. Sechs Frauen über ihre Geheimwaffen für mehr Gesundheit und Wohlbefinden.

Reiki

Julia Bouwman, 36, Coach aus Hamburg

"Schon als Kind hatte ich oft Magenschmerzen. Meine Mutter ging mit mir zum Arzt, doch der konnte nichts feststellen. Die Beschwerden begleiteten mich bis ins Erwachsenenalter. Eines Tages empfahl mir eine Freundin dann Reiki.

Neben meinem Magendrücken gab es für mich noch einen weiteren Grund: Ich hatte viel überschießende Energie, war immer sehr aktiv. Und so merkte ich schon in der ersten Behandlung, dass ich neben meinem physischen Körper auch einen Energiekörper besitze. Ich spürte, wie viel Kraft ich habe, die Energie durchfloss mich. Bei den Sitzungen fühlte ich mich immer schwerelos, wie in Trance.

Nach sechs Monaten waren meine Magenschmerzen weg. Sie sind nie mehr wiedergekommen. Das hat mich so begeistert, dass ich mich seitdem viel mit Energiearbeit beschäftige."

Info: Die Körpertherapie Reiki stammt aus Japan und bedeutet übersetzt: Lebensenergie. Diese soll jeder Mensch haben und kann sie auf andere und sich selbst übertragen. Beim Reiki legt der Behandelnde die Hände auf den Körper des Klienten. So soll Energie strömen, die die Selbstheilungskräfte aktiviert und innere Blockaden löst. Viele empfinden bei der Behandlung Wärme, Ruhe und Entspannung.

Die Methode hat keinerlei Nebenwirkungen, sollte allerdings bei schweren Krankheiten nicht ausschließlich angewandt werden. Eine Stunde Reiki kostet zwischen 30 und 70 Euro.

Rittersporn

Katharina Maria Kagel, 36, Opernsängerin aus Großensee

"Zwei Tage, bevor mein Vater starb, träumte ich von einem Garten voller Rittersporn. Meine Heilpraktikerin schlug in ihren Büchern nach und fand heraus, dass der Rittersporn die Pflanze der verletzten Ehre sei. Während meines Studiums litt ich oft darunter, nur "die Tochter von" zu sein, da mein Vater ein bekannter Gesangsprofessor war. Das hat mich sehr gekränkt. Und tatsächlich hatte ich das Gefühl, dass ich durch die Gespräche und eine Ur-Tinktur aus Rittersporn sozusagen meine Ehre zurückbekam.

Eigentlich hatte ich mich der Pflanzenheilkunde zugewandt, weil meine Stimmbänder verspannt waren. Aber auch sonst war ich häufig angespannt. Doch erst als ich dann die Tropfen bekam, ging die Anspannung endlich weg."

Info: Die Pflanzenheilkunde gehört zu den ältesten medizinischen Therapien und ist Bestandteil aller Kulturen. Manche Heilpflanzen-Wirkungen sind inzwischen wissenschaftlich belegt, viele aber nicht.

Der Rittersporn zählte früher zu den klassischen Mitteln der Pflanzenmedizin, ist aber giftig und eignet sich daher nicht zur Selbstbehandlung. Heilpraktiker setzen allerdings nur einen homöopathischen Extrakt (große Verdünnung) der Pflanze ein. Ein Fläschchen dieser Ur-Tinktur kostet zwischen acht und zehn Euro.

Schüßler-Salze

Anne-Bärbel Köhle, 48, Autorin aus München

"Stressiger Job, dazu eine trubelige Familie: Ich konnte monatelang nicht richtig schlafen, bin immer wieder aufgewacht. Meine Gynäkologin empfahl mir daraufhin, es mit Schüßler-Salzen zu probieren. Erst dachte ich: So ein Quatsch. Aber es funktionierte sofort.

Man muss dazu sieben Tabletten des Schüßler-Salzes Nr. 7 (Magnesium phoshoricum in der Potenz D6) in einer Tasse heißem Wasser auflösen. Wichtig ist, mit einem Plastik- und nicht mit einem Metalllöffel umzurühren. Anschließend sollte man es möglichst heiß in kleinen Schlucken trinken.

Die ersten Wochen nahm ich die Salze jeden Abend - und schlief endlich wieder richtig tief. Dann merkte ich: Es geht auch ohne. Inzwischen greife ich nur noch zu dem Mittel, wenn meine Nächte wieder unruhiger werden."

Info: Mineralstoffe im Körper regulieren und so Krankheiten behandeln: Das ist das Prinzip der Schüßler-Salze. Zwölf verschiedene Funktionsmittel hat Wilhelm Heinrich Schüßler vor etwa 150 Jahren entwickelt, 15 Ergänzungsmittel stammen von seinen Schülern. Es handelt sich um Mineralsalze in homöopathischer Dosierung, die es als Tabletten, Globuli, Tropfen oder Salben gibt.

Man kann sie gefahrlos ausprobieren, sie haben keine Nebenwirkungen. Schüßler-Salze sollen Seele und Organismus stärken. Infos zu Auswahl und Dosierung geben Heilpraktikerinnen oder Apotheken. Preis pro 100 Tabletten: ab 3,50 Euro.

Grünlippmuschel-Extrakt

Ina Rinke, 44, Zahnärztin aus Dillenburg

"Jeden Tag Zähne bohren und gebückt über dem Patienten sitzen: Das ist eine ganz schöne Belastung für die Gelenke. Speziell im rechten Handgelenk habe ich es gespürt, es hat mir irgendwann so weh getan, dass ich nicht mehr voll arbeiten konnte. Ich war richtig bewegungseingeschränkt. Der Arzt behandelte mich zunächst mit Cortison. Damit wurde es zwar besser - aber nur vorübergehend.

Eine Patientin brachte mich dann auf die Idee, es mit Grünlippmuschel-Extrakt zu probieren. Seit einem dreiviertel Jahr nehme ich jeden Tag drei Kapseln davon ein - und keine weiteren Medikamente. Nach einem Vierteljahr haben sich die Schmerzen deutlich abgemildert.

Inzwischen habe ich überhaupt keine Probleme mehr. Mein Plan ist jetzt, das Präparat in ein paar Monaten auszuschleichen und zu sehen, was passiert. Wenn die Schmerzen wiederkommen, nehme ich es halt wieder ein."

Info: Das Muschelfleisch reichert sich im Meerwasser mit Mineralstoffen und Spurenelementen an, unter anderem mit Omega- 3-Fettsäuren, die entzündungshemmend wirken können. Das Fleisch wird gekühlt, gefriergetrocknet und in Kapseln abgefüllt. Als Nahrungsergänzungsmittel soll es für gesunde Haut und gute Gelenkfunktionen sorgen.

Nebenwirkungen sind bei genauer Dosierung keine zu erwarten. In der Apotheke erhältlich oder direkt über den Hersteller: 100 Kapseln ab etwa 9 Euro.

Ohrkerzen

Birgit Müller, 43, Projektassistentin aus Mönchengladbach

"Abends entspannen: Bei mir funktioniert das am besten mit Ohrkerzen. Mein Partner oder einer meiner Söhne zünden ein Wachsröllchen an, steckt es mir ins Ohr, während ich auf der Seite liege.

Die Kombination aus dem leisen Knistern der Kerze und dem Duft wirkt auf mich sofort. Oft höre ich noch Musik dazu. Nach zehn Minuten ist die Kerze abgebrannt, dann wechsle ich die Seite. Danach bleibe ich noch ein bisschen liegen, spüre der Ruhe nach.

Ich verwende seit sechs Jahren Ohrkerzen - immer wenn ich spüre, der Tag hat mich ganz schön aufgewühlt. Meine Söhne, 15 und 19 Jahre, sind auch ganz scharf darauf, zum Beispiel nach Flügen: Beim jüngeren hält der Druck oft an. Nach einer Kerzenbehandlung ist das vorbei."

Info: Ursprünglich stammen Ohrkerzen - meist ein Mix aus Bienenwachs, Baumwolle, Duftstoffen - von den Hopi-Indianern. Die Wärme regt die Durchblutung an, das Geräusch der Flammen entspannt. Durch den Unterdruck, der im Ohr entsteht, werden angeblich auch Ohren und Nebenhöhlen gereinigt.

Wie man die Kerzen richtig verwendet, sollte man sich am besten zeigen lassen, etwa von einer Kosmetikerin, die sie als Wellnessbehandlung anbietet. Preis für 10 Stück ca. 40 Euro, erhältlich beim Hersteller oder der Kosmetikerin.

Rescue-Tropfen

Cathrin Lührs, 29, Reise-Redakteurin aus Hamburg

"Beruflich muss ich oft mit der Seilbahn fahren oder Berge und Wolkenkratzer besteigen. Ich habe aber Höhenangst. Als wir dann zur Hochzeit auch noch eine Ballonfahrt geschenkt bekamen, drückte mir meine Schwiegermutter Rescue-Tropfen in die Hand. Sie sagte, sie nehme sie auch und dass man dann in so eine "Nichts kann mir was anhaben"-Stimmung komme. Ich nahm vier Tropfen, bevor der Ballon abhob, und hatte nur für etwa zehn Sekunden Angst. Danach konnte ich die Aussicht genießen und Fotos machen: herrlich!

Seitdem habe ich die Tropfen immer bei mir, und das ist ein gutes Gefühl. Als ich neulich in New York aufs Rockefeller Center musste, hab ich mich vorher "gedopt" und war dann ruhig. Nur auf die allerhöchste Aussichtsplattform habe ich mich nicht getraut. Aber wenigstens konnte ich ein Stück hochfahren und runtergucken."

Info: Rescue-Tropfen stammen aus der Bachblüten-Therapie. Nach der Lehre von Dr. Edward Bach gibt es 38 negative Seelenzustände, die zu Verhaltensmustern führen, mit denen man sich oder anderen schadet. Jedem Muster entspricht eine Blüte mit spezieller Energie, die den Seelenzustand beeinflussen soll.

Die Blüten werden in Wasser gelegt, damit ihre Wirkstoffe in die Flüssigkeit übergehen. Diese Ur-Tinktur wird mit Alkohol versetzt und verdünnt. Je nach Beschwerden werden mehrere Blüten gemischt - wie bei den Rescue-Tropfen. Preis pro Flasche: 7 bis 12 Euro.

Text und Protokoll: Hannah Gollier und Heide Fuhljahn Ein Artikel BRIGITTE, 14/2011
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