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Anthroposophische Medizin Die Grundlagen im Überblick

Anthroposophische Medizin: Naturheilmittel
© Chamille White / Shutterstock
Die Anthroposophische Medizin ist eine Behandlungsart für verschiedene Erkrankungen. Wie sie funktioniert und ob sie wirklich hilft, erfährst du hier.

Anthroposophische Medizin: Was ist das eigentlich? 

Die Anthroposophische Medizin (Anthroposophie – griechisch: "Menschenweisheit") betrachtet sich als spirituelle Erweiterung der naturwissenschaftlich begründeten Medizin, als Ganzheitsmedizin (auch: integrative Medizin), die Naturheilkunde und Psychosomatik einbezieht. Dazu ergänzt sie schulmedizinische Diagnose und Therapieverfahren mit eigenen Methoden. Diese basieren auf der Lehre von Rudolf Steiner (1861-1925) und Ita Wegman (1876-1943). Wissenschaftlich belegt ist die Anthroposophische Medizin nicht.

Im Mittelpunkt steht der Mensch als Ganzes mit seinen vier "Wesensgliedern" Leib, Lebenskräfte, Gefühle, Persönlichkeit. Sind alle vier im Gleichgewicht, ist der Mensch gesund. Ein Ungleichgewicht (auch: "Disharmonie der Wesensglieder"), das der Körper nicht regulieren kann, führt zu Krankheiten. Die Anthroposophische Medizin hilft ihm, zu einem neuen Gleichgewicht zu finden. Daran soll der Patient aktiv mitarbeiten.

Der menschliche Organismus in einer Dreigliederung

Steiner definierte als Grundlage der anthroposophischen Krankheitslehre in den 1920ern zusätzlich zu den vier Wesensgliedern die sogenannte Dreigliederung, die sich auf drei Organsysteme bezieht:

  • Nerven-Sinnesorganisation (primär im Kopf)
  • Stoffwechsel-Gliedmaßenorganisation (primär im Verdauungs- und Bewegungsapparat), Träger von sogenannten Willenserscheinungen
  • Rhythmische Organisation (primär Atmung und Blutkreislauf), korrespondiert mit dem Gefühlsleben

Laut der Lehre der Anthroposophischen Medizin lassen sich "systembedingte" Krankheiten durch die Kombination der Viergliederung und der Dreigliederung behandeln.

Mit welchen Methoden arbeitet man in der Anthroposophischen Medizin? 

Die Diagnose geschieht mit Laboruntersuchungen und apparativen Techniken sowie ausführlichen Gesprächen. Anthroposophische Arzneimittel zur integrativen Behandlung bestehen nicht aus medizinischen, sondern aus pflanzlichen, tierischen und mineralischen Stoffen – teils sind sie homöopathisch potenziert, teils mit speziellen Verfahren hergestellt, z. B. durch rhythmische Prozesse oder die Aufschließung von Metallen durch Pflanzen ("vegetabilisierte Metalle"). Die wohl bekanntesten anthroposophischen Mittel sind Mistelpräparate.

Weitere Methoden der Anthroposophischen Medizin

Angewendet werden außerdem folgende integrative Methoden:

  • Heileurythmie (spezielle Bewegungstherapie)
  • Kunsttherapien (etwa plastisch-therapeutisches Gestalten, Mal- und Musiktherapie)
  • Gesprächstherapie
  • Biografie-Arbeit

Bei welchen Beschwerden soll die Anthroposophische Medizin helfen können?

Anthroposophische Medizin wird bei allen akuten und chronischen Erkrankungen angewendet, insbesondere aber bei folgenden Bereichen und Beschwerden:

  • in der Kinderheilkunde
  • bei rheumatischen Beschwerden
  • bei psychischen Erkrankungen
  • bei Hautleiden
  • bei Erkrankungen der Verdauungsorgane
  • als Begleitbehandlung in der Krebstherapie

Wie gut ist Anthroposophische Medizin wissenschaftlich abgesichert? 

Wissenschaftliche Studien liegen nicht vor, da viele anthroposophische Ärzte meinen, deren Vorgehensweise sei nicht mit ihrer Arbeit vereinbar. Nur zur Verbesserung der Lebensqualität und zur Verlängerung der Überlebenszeit von Krebspatienten durch Mistelextrakte wurden Studien durchgeführt; deren Qualität zweifelt die Schulmedizin jedoch an. Außerdem wird die enge Verknüpfung mit einem weltanschaulichen System kritisiert.

Welche Einschränkungen gibt es bei der Anthroposophischen Medizin?

Aufgrund der großen Bandbreite der Therapieformen können keine spezifischen Nebenwirkungen für die Gesundheit genannt werden. Es gibt keine Kontraindikationen. Anthroposophische Ärzte behandeln auch weiter, wenn wenig Aussicht auf Heilung besteht, der Patient aber Hilfe und Zuwendung braucht. Eine Kombination mit schulmedizinischen und anderen Verfahren ist möglich. Kritiker der Anthroposophischen Medizin sind aber der Meinung, dass sich diese manchmal zu zurückhaltend gegenüber schulmedizinischen Maßnahmen wie Operationen oder Strahlentherapie verhält und damit Therapiechancen gefährdet.

Für wen ist die Anthroposophische Medizin geeignet?

Anthroposophische Medizin ist geeignet für alle, die bereit sind, sich auf die Weltanschauung der Anthroposophie einzulassen, selbst aktiv im Rahmen der Therapie mitzuarbeiten und Eigenverantwortung zu übernehmen. Wichtig ist hier, keine Scheu zu haben, auch über Gefühle und eventuell unangenehme Themen der eigenen Biografie mit dem Arzt zu sprechen.

Wer übernimmt die Kosten der Behandlung? 

Anthroposophische Arzneimittel gelten als nicht verschreibungspflichtige Arzneimittel und dürfen nicht von den Kassen übernommen werden. Ausnahmen sind Verordnungen für Kinder bis zum zwölften Lebensjahr sowie Arzneimittel, die als Standard zur Behandlung schwerer Krankheiten gelten. In diesem Fall entscheidet der Arzt, ob eine Verordnung im Rahmen der kassenärztlichen Versorgung möglich ist.

Die Kosten für Heileurythmie und Kunsttherapien tragen nur wenige gesetzliche Kassen. Private Versicherungen übernehmen die Kosten je nach Tarif. Heileurythmie und Kunsttherapie kosten pro Stunde je ca. 40 Euro. Die Ärzte haben neben der anthroposophischen auch eine schulmedizinische Ausbildung.

Lesetipps: Alles über die Fußreflexzonenmassage und die Kinesiologie kannst du hier erfahren.

Quellen

Steiner R. & Wegman I.: Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst nach geisteswissenschaftlichen Erkenntnissen, Rudolf Steiner Verlag, 8. Auflage, 2014

Girke M.: Innere Medizin. Grundlagen und therapeutische Konzepte der Anhtroposophischen Medizin, Salumed Verlag, 2. Auflage, 2012

Berufsverband Deutscher Internisten e.V.: Internisten im Netz: Anthroposophische Medizin

sp Brigitte

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