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Lohnt sich der Hype? Wir haben CBD getestet

CBD-Test: Frau riecht an Pflanze
© Pau Novell Aran / Shutterstock
CBD ist in aller Munde. Buchstäblich, denn das Cannabidiol gibt es mittlerweile nicht nur als Creme oder Diffuser, sondern auch als Öl oder Mundspray zu kaufen. Zeit, sich den Hype mal genauer anzuschauen.

CBD, CBD, überall CBD. Freunde rauchen es, die Instagram-Bubble cremt sich damit ein, hippe Cafés kreieren sogar entsprechende Hanfriegel. Und unsere Eltern? Rümpfen immer noch etwas skeptisch oder verschmitzt grinsend die Nase, als hätten sie den Gras-Geruch schon darin. Macht das nicht high? Ist eine der gängigen Fragen, die rund um CBD immer wieder aufploppen und das ganz zu Anfang: Nein, der Hype kommt ohne High aus. 

Wer sich aber mit Themen rund ums Wohlfühlen beschäftigt, kommt an den CBD-Produkten kaum noch vorbei. Es war also für mich an der Zeit, sich den drei Buchstaben mal genauer zu widmen. Und tada, während ich die Erfahrungsberichte so durchscrolle, ertappe ich mich dabei, dass ich das auch dringend sollte: Verspannungen? Check. Stress-Symptome? Check. Migräne? Check. Und zu viele Gedanken mache ich mir auch gerne mal. Bestenfalls könnte in dem kleinen Zaubermittel für mich also tatsächlich ein Wunder stecken.

Vorher aber eine kleine Faktenkunde für alle, denen es genauso geht wie mir – und die immer alles über einen Wirkstoff wissen wollen, bevor sie ihn in die Nähe ihres Körpers lassen.

Was ist CBD eigentlich genau?

CBD ist die Abkürzung für Cannabidiol. Es gehört zu den Cannabinoiden, die in einigen Pflanzen vorkommen. Auch der Mensch hat übrigens auch ein sogenanntes Endocannabinoid-System mit Rezeptoren, an denen die Substanz andocken kann. Allerdings ist es im Gegensatz zu Tetrahydrocannabiol (THC) nicht psychoaktiv, sprich, es erzeugt keinen Rausch und macht auch nicht süchtig.

Wogegen soll CBD helfen?

Jetzt wissen wir schonmal: High macht CBD nicht. Der Substanz werden allerdings zahlreiche andere Wirkungen der Hanfpflanze zugesprochen: Cannabidiol soll entzündungshemmend, krampflösend, schmerzlindernd und beruhigend wirken. Vollständig wissenschaftlich erforscht ist die Wirkweise aber derzeit nicht. Man weiß also noch nicht, wie genau CBD im Körper wirkt.

Aktuell wird CBD bei zahlreichen Krankheiten, aber auch Alltagsbeschwerden oder auch zur allgemeinen Verbesserung des Wohlbefindens angepriesen. Die Grundlage dafür sind vor allem positive Erfahrungen, an Studien mangelt es noch. Eine Ausnahme ist die Epilepsie: Hier gilt die Wirkung von CBD als gesichert, es ist in Europa als Antiepileptikum zugelassen. Auch bei Krämpfen bei Multipler Sklerose soll die Substanz bereits angewendet werden.

Einer Untersuchung der CBD-Marke "VAAY" nach sollen 47,6 Prozent der deutschen Konsument:innen CBD zur Schmerzlinderung, 42,1 Prozent zur Entspannung, 39,7 Prozent zum Wohlbefinden, 31,3 Prozent als Schlafhilfe, 22,6 Prozent gegen Entzündungen und 8,5 Prozent zur Muskelentspannung in Kombination mit Sport verwenden. 

In der Praxis darf CBD nur als Nahrungsergänzungsmittel verkauft werden, wenn es einen THC-Gehalt von unter 0,2 Prozent aufweist. Sonst gilt es als verschreibungspflichtig. Dieser Art gibt es mittlerweile aber zahlreiche Produkte auf dem Markt. Ich habe mir ein paar davon mal angeschaut. Vorab sei aber gesagt: Bevor man selbst anfängt, an sich herumzudoktern und vor allem bei ernsthaften Erkrankungen sollte immer eine ärztliche Beratung im Vordergrund stehen.

CBD im Test: Und, wirkt das wirklich?

Zugegeben, ich bin nach meiner Anfangsrecherche skeptisch. Es gibt zwar bereits Studien, in denen die entspannende und schmerzstillende Wirkung untersucht wurde – allerdings an Tieren. Ganz wissenschaftlich erwiesen ist es also derzeit meines Wissens nach nicht, dass die Substanz überhaupt gegen Beschwerden hilft. Dieser Hintergrund erklärt mir auch, wieso die gängigen Hersteller der CBD-Produkte nicht mit einer speziellen Wirkung werben.

Ich suche mir also meine eigenen Baustellen aus, an denen ich testen will, ob CBD mir helfen kann. Bei mir sind das wie gesagt vor allem Verspannungen und daraus resultierende Kopfschmerzen. Dazu kommen Migräne-Attacken. Und weil mir bei allem schon allzu oft Entspannung empfohlen wurde, nehme ich sämtliche Hoffnungsträger gerne an. Ein paar Wochen habe ich also fleißig gecremt und eingerieben. Auch ein Mundspray habe ich getestet. 

Am Anfang ertappe ich mich beim gleichen elterlichen Naserümpfen und schüttle über mich selbst den Kopf. Obwohl CBD eindeutig nicht high machen soll, beobachte ich mich und meine Reaktionen nach dem ersten Pump eines CBD-Mundsprays und taste mich lieber langsam heran. Das wird übrigens auch empfohlen: Immer an die Dosierung halten und lieber ganz leicht anfangen, um die persönliche Wirkung herauszufinden. 

Erster Versuch und ich merke: nichts.

Ich merke: nichts. So schnell gebe ich aber auch nicht auf. Ich versuche, das Mundspray in meinen Alltag zu integrieren. Habe ich einen stressigen Arbeitstag, halte ich kurz inne, greife danach und denke mir – hey, genau jetzt könnte das doch helfen. Tatsächlich werde ich daraufhin etwas ruhiger. Ob das am CBD oder am Placebo-Effekt liegt, weiß ich nicht, ist mir aber egal, solange es wirkt. 

Mit besonders großer Hoffnung, aber auch Skepsis, wage ich mich an die CBD-Gele heran. Ich habe dafür die Produkte zweier Hersteller im Vergleich, ein "Cannabis Cooling Gel" von "Adrex" und ein "CBD Aktiv Gel" von "VAAY". Zuerst schreckt mich das kühlende Versprechen ab – bislang bin ich meinen Verspannungen immer mit Wärme bewaffnet entgegengetreten. An einem warmen Tag probiere ich es dann aus. 

Meine Muskeln mögen CBD

Das Gel von Adrex wirkt eher wie eine Creme – mag ich, denn es riecht schön kräuterig und zieht vor allem sehr schnell ein. Allerdings habe ich danach einen leichten Film auf der Haut, als würde sie sich pellen. Die kühlende Wirkung merkt man sofort, sehr angenehm, nicht zu stark. Die Entspannung spüre ich also wirklich gleich, der Schmerz im Nacken und Kopf bleibt jedoch. Dann gebe ich die Creme meiner Tante zum Testen, die seit Wochen Schmerzen im unteren Rücken hat. Am nächsten Tag bekomme ich einen beschwingten Anruf: Sie sei überrascht von der Wirkung. Tatsächlich habe das fiese Stechen einige Minuten nach dem Auftragen endlich nachgelassen. Am nächsten Tag sei es zwar wieder da gewesen – aber die Creme kann ihr so endlich ein paar entspannte Stunden verschaffen. Schön!

Ich versuche mich derweil weiter am CBD-Gel von VAAY. Es ist deutlich flüssiger und geliger, es riecht intensiv nach den Terpenen. Daran muss ich mich erst gewöhnen, nach zweimaligem Auftragen fällt es mir aber schon nicht mehr auf. Hier spüre ich die Wirkung sofort: Das Gel kühlt so stark, dass es etwas kribbelt und brennt, aber auf eine angenehme Art. Ich kenne das Gefühl von anderen Muskelcremes, man merkt: Da passiert was. Die Hände sollte man sich danach direkt waschen, weil das Gel schärfer wirkt. Fünf Minuten später die Erleichterung: Der fiese Verspannungspunkt an meinem Nacken ist plötzlich weg. Ich bin völlig überrascht. 

Leider lässt die Wirkung bei mir bei allen CBD-Produkten auch recht schnell wieder nach. Einen aufkommenden Spannungskopfschmerz konnte ich bislang nicht stoppen – aber durchaus deutlich nach hinten verzögern. Zukünftig werde ich versuchen, die Gele noch früher anzuwenden, bevor der Schmerzkreislauf bereits begonnen hat. 

Mein Fazit: Ich werde die CBD-Produkte weiter benutzen. Sie sind für mich kein Wundermittel. Auch bei einer Migräne-Attacke können sie den Schmerz nicht nehmen, wenn sie bereits im Gange ist – aber sie tun mir gut. Vor allem schaffen sie mir eine Pause-Taste im Alltag. Und das reicht, um sie weiter auszuprobieren. 


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