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Kinesiologie Was ist das?

Kinesiologie: Frau mit Nackenschmerzen
© Photoroyalty / Shutterstock
Kinesiologie vereint Erkenntnisse aus der Meridianlehre, Chiropraktik, Ernährungs- und Bewegungslehre. Sie spürt Energieblockaden auf und beseitigt sie.

Inhaltsverzeichnis

Kinesiologie kurz erklärt

Die Angewandte Kinesiologie (AK) (griechisch: "Lehre der Bewegung") ist eine ganzheitliche Methode. Sie wurde Anfang der 1960er Jahre vom amerikanischen Chiropraktiker Dr. George Goodheart entwickelt und vereint Erkenntnisse aus der Meridianlehre, Chiropraktik, Ernährungs- und Bewegungslehre. Der Mensch wird in der Kinesiologie als "Triade" (Dreiheit) aus Struktur (Muskeln, Bänder, Sehnen, Knochen, Gelenke), Stoffwechsel und Psyche betrachtet. Sind alle drei Elemente harmonisch ausgeglichen, ist der Mensch gesund. Lebensenergie fließt frei durch den Körper. Wissenschaftlich belegt ist das Verfahren nicht.

Körperlicher und geistiger Stress verursachen laut Kinesiologie-Lehre Energieblockaden in den Meridianen und können so auch zu Krankheiten führen. Ablesen lässt sich das an den Funktionen einzelner Muskeln, die über die Meridiane mit Organen in Verbindung stehen. Die Kinesiologie spürt solche Blockaden auf und beseitigt sie.

Richtungen der Kinesiologie

Es gibt verschiedene Richtungen in der Kinesiologie. Die wichtigsten sind:

  • "Touch for Health": Gesundheitsvorsorge und Selbsthilfe 
  • "Edu-Kinestetik" und "Brain Gym": Beseitigung von Lernblockaden
  • Psycho-Kinesiologie für Therapeut:innen: Aufspüren verdrängter Konflikte als Ursache für Krankheiten
  • "Three-in-One-Concepts": Auffinden seelischer Blockaden

Der Muskeltest: Mit welchen Methoden arbeitet man in der Kinesiologie? 

Sogenannte Muskeltests dienen dem Aufspüren energetischer Blockaden – sie sind in der Kinesiologie die am häufigsten verwendete Methode für die Diagnose. Dabei sucht die/der Kinesiolog:in nach möglichen Belastungen oder Blockaden im Körper und kann so auch ergründen, wie man diese lösen kann.

Zwar kommt theoretisch jeder Muskel für das Verfahren infrage, oft wird aber der sogenannte Delta-Muskel bei der Kinesiologie in den Fokus gestellt. Dieser erlaubt es uns, den Arm waagerecht nach vorn zu heben. Für das Testen dieses Muskels wird der Arm im rechten Winkel nach vorn ausgestreckt. Die/der Therapeut:in führt dann Druck auf das Handgelenk aus und versucht so, den Arm nach unten zu bewegen.

In der Regel sollte der Arm diesem Druck standhalten, da er im Schultergelenk quasi eingerastet ist. Funktioniert das nicht und der Arm lässt sich nach unten drücken, deutet das laut der Lehre der Kinesiologie darauf hin, dass irgendetwas die Energie, die durch den Körper fließt, behindert. Dadurch werden die Muskeln geschwächt. Ziel der Behandlung ist es nun, diese Blockade sowie die dahinter steckenden möglichen Krankheiten zu finden und zu beheben.

Kritik am Muskeltest

Gerade der Muskeltest wird bei der Kinesiologie aufgrund vieler möglicher Fehler- und Fälschungsmöglichkeiten häufig kritisiert. Zum einen prüft die/der Therapeut:in die Muskelspannung der/des Patiet:in mit seiner eigenen. Dabei kann der Druck, der ausgeübt wird, willentlich oder versehentlich angepasst werden. Ebenso kann die/der Patient:in die eigene Muskelkraft gewollt oder ungewollt verändern. Hinzu kommt, dass die Kraft des Testmuskels nach mehreren Testläufen nachlässt – und er nachgibt, was laut Kinesiologie für eine behandlungsrelevante Blockade sprechen würde.

Welche Faktoren können zu Blockaden führen?

Folgende Beschwerden und Krankheiten können laut Kinesiologie die Funktion der Muskeln blockieren:

  • unpassende Medikamente
  • psychische Reize
  • ungesunde Nahrungsmittel
  • schädliche Substanzen

Kinesiologische Behandlungsmethoden im Überblick

Zum Ausgleich energetischer Ungleichgewichte werden in der Kinesiologie verschiedene Verfahren eingesetzt. Dazu zählen:

  • Strukturkorrekturen: Die Arbeit an Muskeln, Korrekturen von beispielsweise Beckenfehlstellungen, Kiefergelenkstörungen oder Wirbelkörperverlagerungen
  • emotionale Korrektur: Akupressur von Stresspunkten, Schläfenklopfen, Augenbewegungen, Altersregression
  • Körperfunktionskorrekturen: Allergie-Behandlung durch Klopfen und Meridianharmonisierung, Korrektur von Blutbestandteilen, der Hormonstruktur und der Nebennierenfunktion
  • Energiekorrekturen: Chakra-Balance, Zentrierung, Stimulation von Akupunkturpunkten, Muskelbalance-Arbeit, Luo-Punkte, Element-Punkte

Zusätzlich werden Reflexzonenmassage, Körperübungen, Visualisierungstechniken und Übungen zur Integration der beiden Gehirnhälften eingesetzt.

Bei welchen Beschwerden ist die Kinesiologie sinnvoll? 

Kinesiologie eignet sich als ergänzende Methode zur Behandlung folgender Beschwerden:

  • Rückenbeschwerden
  • Verspannungen in Nacken und Schultern
  • Spannungskopfschmerz
  • Verdauungsstörungen
  • Allergien
  • Nahrungsmittelunverträglichkeiten
  • Schlafstörungen
  • Müdigkeit/Mangel an Lebensenergie
  • Lern- und Wahrnehmungsstörungen
  • psychosomatischen Beschwerden, beispielsweise durch Stress oder Ängste
  • als Begleittherapie einer Zahnbehandlung

Wie gut ist Kinesiologie wissenschaftlich abgesichert? 

Die Wirksamkeit der Methode konnte bisher nicht durch wissenschaftliche Studien nachgewiesen werden. Im Jahr 2015 gab das australische Gesundheitsministerium eine Studie in Auftrag, die die Wirkung verschiedener alternativmedizinischer Verfahren testen sollte. Bei der Kinesiologie konnten keinerlei Beweise für eine Wirksamkeit gefunden werden. Daher ordnet man die alternative Heilmethode den Pseudowissenschaften zu.

Welche Einschränkungen gibt es bei der Kinesiologie? 

Die Berufsbezeichnung Kinesiologe ist nicht geschützt. Ein Berufsverband für "Begleitende Kinesiologen" ist die Deutsche Gesellschaft für Angewandte Kinesiologie (DGAK). Mitglieder müssen mindestens 150 Ausbildungsstunden nachweisen.

Bei länger anhaltenden, chronischen und schweren akuten Beschwerden und Erkrankungen sollte man Kinesiologie nie ohne ärztliche Rücksprache anwenden. Muskeltests ersetzen nicht die medizinische Diagnose! Als eine komplementäre Methode kann Kinesiologie ergänzend zu jeder anderen Therapie eingesetzt werden. Neben- und Wechselwirkungen durch das Verfahren selbst sind nicht bekannt.

Allerdings besteht das Risiko, dass laut der Lehre der Kinesiologie irgendwelche angeblichen energetischen Blockaden gefunden werden, obwohl die/der Patien:in eigentlich vollkommen gesund ist. Das setzt zusätzlich unter psychischen Druck – und kann letztendlich dafür sorgen, dass die/der Patien:in tatsächlich krank wird. Man sollte sich daher bewusst sein, dass das Verfahren auf der subjektiven Annahme des jeweiligen Anwenders beruht.

Für wen ist die Kinesiologie geeignet? 

Kinesiologie ist geeignet für alle, die keine Scheu haben, sich auf eine ungewöhnliche Methode einzulassen, und neugierig darauf sind, mehr über sich selbst zu erfahren. Wer Kinesiologie zur Selbsthilfe einsetzen möchte, braucht Geduld, um die Methode sorgfältig zu erlernen und sie richtig anzuwenden.

Was kostet die Behandlung? 

Eine Sitzung von 60 Minuten Dauer kostet je nach beruflichem Hintergrund der/des Therapeut:in 50 bis 100 Euro. Die Kosten für kinesiologische Behandlungen werden von gesetzlichen Krankenkassen nicht übernommen.

Lesetipp: Alles zur Fußreflexzonenmassage, über Qigong, die Traditionelle Chinesische Medizin, über Jin Shin Jyutsu und über die Kneipp-Kur erfährst du hier.

Quellen

  • Lesch, M, Förder, G.: Kinsesiologie. Aus dem Stress in die Balance, 5. Auflage, München, 1998
  • la Tourelle, M.: Was ist Angewandte Kinesiologie?, 7. Auflage, VAK, 2006
  • Dobler, G.: Kinesiologie für die Naturheilpraxis, Urban & Fischer Verlag, 3. Auflage, 2012
sp Brigitte

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