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Positiver Stress Was ist das eigentlich?

Positiver Stress: Smileys
© Mizkit / Shutterstock
Stress hat einen negativen Ruf. Dabei wirkt positiver Stress sogar leistungssteigernd! Wie er sich vom negativen Stress unterscheidet, erklären wir hier.

Positiver Stress: Was ist das?

Das Wort Stress ist negativ behaftet. Zu Unrecht! In der richtigen Dosis ist er nicht nur belebend, sondern auch gesund und nahezu überlebenswichtig. Sogenannter positiver Stress, auch als Eustress bekannt, kann unsere Leistungsfähigkeit und unsere Konzentration stärken und sogar Glücksgefühle auslösen.

Stress: Erfolgsmodell der Evolution

Wissenschaftler sind sich einig darüber, dass Stress bei Jägern und Sammlern durchaus sinnvoll war. Wenn der Säbelzahntiger unseren Vorfahren im Nacken saß, flohen diese oder kämpften. Beide Stressreaktionen waren überlebenswichtig. Heute läuft in unseren Körpern noch immer die gleiche Reaktion wie bei den Jägern und Sammlern ab: Wir "fliehen" vor bestimmten Situationen oder "kämpfen", indem wir uns rechtfertigen oder laut werden. Unter Stress schüttet der Körper Adrenalin aus, das sich durchaus positiv auf unseren Körper auswirken kann.

Positiver Stress macht glücklich

Bei einem Fallschirmsprung springen wir beispielsweise Tausende Meter über dem Boden aus einem Flugzeug in die Tiefe. Warum tun wir uns diesen Stress an? Weil wir nach der Belastung mit Glücksgefühlen durchflutet werden. Positiver Stress löst Hormonausschüttungen aus, die Euphorie bewirken, die Leistungsfähigkeit steigern und Freude bescheren. Dabei gilt aber: Die Dosis macht das Gift. Hält der Stress zu lange an, kann er negative Auswirkungen auf uns haben.  

Chronischer Stress macht krank 

Neben dem positiven Kurzzeitstress, der das Immunsystem antreibt und dem Gehirn auf die Sprünge hilft, gibt es auch den chronischen Stress, als Disstress bekannt. Wenn der Stress zum Dauerzustand wird, kommt es zu gesundheitlichen Problemen. Denn stressbedingte Hormone, vor allem Cortisol, zerstören bei Dauergestressten nicht nur das Immunsystem, sondern auch die kognitiven Leistungen. Im schlimmsten Fall kann die ständige Alarmbereitschaft zu ernsthaften organischen Erkrankungen oder zum Burnout führen. 

Häufige Symptome bei Dauerstress

Folgende Symptome deuten daraufhin, dass der dauerhafte Stress negativ ist:

  • Häufige Infekte: Stress sorgt dafür, dass das Immunsystem ständig in Alarmbereitschaft ist. Das sorgt aber nicht für eine bessere Abwehr – im Gegenteil! Dem Immunsystem unterlaufen durch das Dauerfeuer häufiger Fehler. Dadurch entstehen leichter Infektionen, außerdem wird die Wundheilung schlechter.
  • Gereiztheit: Stress wirkt sich nicht nur auf unsere körperliche Gesundheit aus, sondern auch auf unsere Stimmung. Hält der Stress an, sind wir schnell gereizt und regen uns auch schneller über Dinge auf, die wir sonst gelassen abtun können.
  • Stille Resignation: Irgendwann haben Betroffene den Punkt des ständigen Gereiztseins überschritten und driften in die sogenannte Stille Resignation ab. Darunter versteht man totale Lustlosigkeit am sozialen Leben, Hobbys und dem Job. Auf Dauer kann das zu Depressionen führen.
  • Schlafstörungen: Chronischer Stress hält den Körper dauerhaft in Alarmbereitschaft und macht es ihm fast unmöglich, zur Ruhe zu finden. Deshalb liegen Betroffene nachts oft wach und wälzen sich und ihre Probleme wortwörtlich hin und her.
  • Albträume: Apropos Schlaf! Selbst wenn man bei chronischem Stress schlafen kann, verarbeitet das Gehirn dabei bekanntlich die Eindrücke und Erfahrungen des Tages. Auch der Stress kann sich hier bemerkbar machen, indem er für Albträume sorgt.
  • Magen-Darm-Probleme: Unser Magen-Darm-Trakt ist sehr sensibel und reagiert auf Stress empfindlich. Die dadurch entstehenden Probleme können von einem Geschwür bis hin zum Reizdarm reichen. Da die Beschwerden oft unspezifisch sind, wird der Stress als Ursache oft nicht direkt erkannt.
  • Bluthochdruck: Chronischer Stress belastet das Herz-Kreislauf-System stark. Dadurch steigt zum einen der Blutdruck, zum anderen erhöht sich das Risiko für Entzündungsprozesse in den Blutgefäßen. Experten vermuten, dass dadurch auch Arteriosklerose, also Arterienverkalkung, begünstigt wird.

Neben dem Konsum von Zigaretten und erhöhten Blutfettwerten ist Dauerstress außerdem einer der Hauptrisikofaktoren für einen Herzinfarkt.

Umgang mit Stress lässt sich erlernen

Ob wir eine Situation als negativ oder positiv stressig empfinden, hängt viel davon ab, ob wir gelernt haben, wie man richtig mit solchen Situationen umgeht. Tatsächlich kann man den Umgang mit Stress lernen, sodass die möglichen negativen Folgen an uns leichter abprallen. Dabei hilft neben gesunder Ernährung beispielsweise das Modell des amerikanischen Psychologen Richard Lazarus. Generell erleben wir Stress zunächst als eine Abfolge von Reizen, den sogenannten Stressfaktoren (auch: Stressoren). Diese registrieren und bewerten wir in der Regel unbewusst. Aufgrund unserer bisherigen Erfahrungen empfinden wir den Reiz dann entweder als positiv oder negativ. Erst daraus resultiert unsere Reaktion auf den Reiz.

Eustress oder Disstress?

Wie wir reagieren, hängt in engster Linie davon ab, ob unser Gehirn bereits Handlungsmöglichkeiten und Entscheidungsspielräume zu dem jeweiligen Reiz verankert hat. Hier hilft es, sich selbst kleine Herausforderungen zu suchen, die man im Alltag bewältigen kann. Wer beispielsweise häufiger vor großen Gruppen Präsentation halten muss, aber eigentlich nicht gern im Rampenlicht steht, sollte beispielsweise auf eine Weiterbildung in diesem Bereich setzen. Das gibt uns Sicherheit – und erhöht die Stressresistenz.

Aber was sollen wir machen, wenn wir eine Stresssituation auch bei größtmöglicher Kompetenz nicht zufriedenstellend bewältigen können? Hier empfiehlt Lazarus die sogenannte emotionsorientierte Stressbewältigung. Das bedeutet konkret, sich eine Situation, die man nicht ändern kann, nicht zu sehr zu Herzen zu nehmen. Ein solcher Eigenschutz bewahrt uns ebenfalls vor negativem Stress.

Lesetipps: Auch Techniken für Entspannung können bei Stress helfen. Alles über Mentales Training und Progressive Muskelentspannung erfährst du hier. Meditation für Anfänger und wie du deinen Urlaub genießen kannst, erklären wir hier.

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jg

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