Reizblase: Ursachen und Behandlung

Viele Frauen kennen das: Es brennt, schmerzt, und ständig muss man zur Toilette. Aber nicht immer steckt eine Infektion dahinter. Die häufigsten Beschwerden und wie sie behandelt werden.

Wenn die Blase schwächelt

Belastungsinkontinenz ist die häufigste Form der sogenannten Blasenschwäche, unter der in Deutschland schätzungsweise etwa fünf Millionen Menschen leiden. Dabei geht, wann immer der Druck im Bauchraum steigt, Urin ab. Das kann bei körperlicher Belastung wie Sport oder schwerem Heben passieren, oft reichen aber schon Niesen, Husten oder Lachen.

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Die Ursache hierfür liegt darin, dass der Beckenboden aus Bindegewebe und Muskulatur geschwächt ist oder sogar eine Lücke aufweist - als Folge einer angeborenen Bindegewebsschwäche, von Schwangerschaft oder Übergewicht. Die Gebärmutter und die Harnblase sinken dann ab, der auf der Blase lastende Zug begünstigt den Urinabgang noch.

Was hilft?

Da gibt es verschiedene Möglichkeiten, die auch kombiniert werden können. Beispielsweise Pessare, also Silikoneinlagen in Würfel- oder Ringform, die eine abgesunkene Gebärmutter stützen, Hormonsalben oder eine Behandlung mit Elektrostimulation bzw. einem hochenergetischen Magnetfeld. Auch eine Veränderung des Lebensstils kann helfen: "Bei einer Gewichtsabnahme von nur fünf Prozent verbessert sich die Belastungsinkontinenz bei übergewichtigen Frauen bereits um die Hälfte", sagt die Gynäkologin Prof. Christl Reisenauer, Leiterin des Südwestdeutschen Beckenbodenzentrums Tübingen.

Der Münchner Gynäkologe und Urogynäkologie-Experte Prof. Christian Dannecker rät grundsätzlich allen betroffenen Frauen zu einem Beckenbodentraining für zumindest drei Monate unter Anleitung einer erfahrenen Physiotherapeutin. Danach ist es wichtig, das Training in den Alltag zu integrieren. Sieben von zehn Frauen haben so deutlich weniger Beschwerden. Bleibt der Erfolg dennoch aus, gibt es noch operative Möglichkeiten: zum Beispiel eine Straffung des Beckenbodens, Bänder oder Schlingen, um die Harnröhre zu stabilisieren, oder stützende Netze, die unter dem Beckenboden aufgespannt werden.

Reichlich aktiv: die Reizblase

Diese zweite Form der Blasenschwäche kann für sich allein oder zusammen mit einer Belastungsinkontinenz auftreten. Etwa 17 Prozent der Frauen in jüngeren bis mittleren Jahren und über 30 Prozent der über 70-Jährigen sind von der Reizblase  betroffen. Typischerweise tritt häufig und plötzlich Harndrang auf und dies ganz unabhängig vom Füllstand der Blase. Wer zusätzlich Urin verliert, hat eine sogenannte Dranginkontinenz.

"Die überaktive Blase wird durch mehrere Faktoren verursacht", sagt Professor Dannecker. Vor allem chronischer Stress ist zu nennen, der über das vegetative Nervensystem auch die Blase reizt. Eine wichtige Rolle spielen zudem eine veränderte Blasenwand, chronische Entzündungen und eine gestörte Reizübertragung auf die Blasenmuskulatur. Eine schlecht eingestellte Diabetes-Erkrankung wirkt ebenfalls langfristig nervenschädigend; Östrogenmangel und eine Gebärmutterabsenkung begünstigen den ungewollten Urinabgang.

Was hilft?

Helfen können lokale Hormonsalben und Pessare. Darüber hinaus gibt es eine Reihe von Therapien, die, am besten kombiniert eingesetzt, in 70 bis 80 Prozent der Fälle die Symptome deutlich lindern. Dazu zählen beispielsweise Beckenbodentraining und Medikamente wie Anticholinergika und "Betmiga", die den Blasenmuskel ber
uhigen.

Eine Option ist auch, 
diesen durch Botox-Injektionen zu entspannen; 
selbst die Implantation 
eines Blasenschrittmachers, der die Reizübertragung zwischen Blase und Gehirn moduliert, ist möglich. Einfluss auf eine Reizblase nimmt außerdem das eigene Verhalten: Nikotin und Koffein zum Beispiel lösen vorzeitigen Harndrang aus. Wer mehr als einen halben Liter Kaffee am Tag trinkt, erhöht das Risiko für eine Dranginkontinenz um ganze 25 Prozent. Ebenfalls meiden sollten Betroffene scharfe Gewürze und Zitrusfrüchte, denn auch diese reizen das Blaseninnere.

Warum immer ich? Einige Frauen trifft es dauernd, andere nie

Leider ist es so: Jede Zweite hat mindestens einmal im Leben eine Blasenentzündung, und die Hälfte aller Frauen, die akut erkrankt sind, bekommt innerhalb eines Jahres (wiederum mindestens) eine weitere. Dann steigen Erreger erneut in die Blase auf. Allerdings können die sich in der Blasenwand auch regelrecht einnisten, unerreichbar für Antibiotika und Immunsystem.

Freigesetzt werden sie dann, wenn ein zweites Bakterium aus der Vaginalflora ebenfalls in die Blase vordringt und deren Wand schädigt. Dieses Zusammenspiel der Keime wies letztes Jahr eine Studie nach; eventuell entstehen aus der Erkenntnis neue Behandlungsmöglichkeiten. Frauen mit einer sehr gesunden Scheidenflora mit vielen Laktobazillen haben übrigens nur sehr selten eine Blasenentzündung; leider sind sie dafür aber anfälliger für vaginale Pilzinfektionen.

Brigitte 21/2018

Wer hier schreibt:

Gerlinde Felix
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