Kraft tanken: 10 x mehr Energie für alles, was du liebst

Schlapp, lustlos, ausgelaugt: Diesen Zustand kennen wir vermutlich alle, bei der Ursache dafür liegen wir aber oft falsch. Denn Energie hat nicht nur mit objektiven Kraftreserven tun - sie ist vor allem eine Frage der Einstellung. 
Plus: Zehn Experten verraten ihre persönlichen Auftank-Tipps.

Es ist wie verhext: Eigentlich müsste man erholt sein, hat gut geschlafen, war vielleicht erst vor wenigen Wochen im Urlaub - und doch fühlt man sich müde, lustlos, erschöpft. Die Energie, die man mal hatte, scheint aufgebraucht zu sein wie das Taschengeld in der Kindheit, das schon mittwochs nicht mehr für die begehrten Bonbons reichte, obwohl man doch bis Sonntag damit auskommen wollte.

20% der Deutschen fühlen sich "fast immer" ausgelaugt!

Ausgelaugt sein als eine Art Normalzustand ist ein neues und vor allem weitverbreitetes Phänomen: Über 20 Prozent der Deutschen fühlen sich “fast immer” angespannt und erschöpft, fast die Hälfte “häufig”, zeigen die Umfragen der Krankenkassen.

Was ist da los? Sollten wir in unserem doch recht komfortablen Leben nicht eigentlich genug Energie haben, um zu machen, was wir möchten oder müssen, statt tagsüber unkonzentriert und abends fix und alle zu sein? Oder anders gefragt: Was können wir tun, damit wir uns kraftvoll und lebendig fühlen?

Als erstes: Die Einstellung ändern!

Sofort schwirren mögliche Antworten im Kopf herum: bessere Zeiteinteilung, mehr Sport, gesünder essen...! Alles richtig, bringt sicher auch was. Aber einen entscheidenden Faktor sollten wir nicht vergessen: Wer sich mehr Energie wünscht, sollte vor allem Druck aus dem Leben nehmen. Zugegeben, das ist leicht gesagt, wenn du etwa als berufstätige Frau Job, Kind, Partnerschaft und all die anderen Pflichten und Wünsche unter einen Hut bringen musst. Und doch kommt es darauf an, mit welcher Einstellung wir an die Sache(n) gehen, wie gut wir im Gefühlsmanagement sind.

Negative Gefühle kosten Kraft, positive Gefühle machen uns tatkräftig

Die US-amerikanische Psychologin Barbara Fredrickson von der University of North Carolina sagt:

"Wenn wir uns anstrengen, gehetzt fühlen oder unter Druck stehen, empfinden wir Ärger, Ängstlichkeit oder Ungeduld. Diese negativen Gefühle treiben uns an, Probleme oder drängende Aufgaben zu meistern. Aber genau sie sind es auch, die Kraft und Energie kosten. Im Umkehrschluss gilt also: Positive Gefühle wie Freude, Zuneigung oder Neugier geben uns neue Power - unabhängig davon, wie viel wir gerade wirklich zu tun haben."

In vielen Studien konnte Fredrickson nachweisen, dass positive Gefühle Menschen kreativer, tatkräftiger und offen für Neues machen. “3 zu 1” lautet die von der Psychologin ermittelte Faustformel: Wer am Tag dreimal mehr positive als negative Gefühle bewusst erlebt, fühlt sich dauerhaft lebendig und kraftvoll.

Die wirksamste Kraftquelle bleibt ungenutzt

Vielleicht denkst du jetzt: Wie soll das gehen? Bei mir passiert nichts Erfreuliches, deswegen bin ich ja so fertig... Das Problem ist meist allerdings nicht, dass uns im Alltag nichts Gutes widerfährt - sondern dass wir diese Kraftquelle nicht aktiv nutzen.

Schließlich ist unser Warnsystem im Gehirn auf Katastrophen und Gefahren gepolt, deshalb nehmen wir negative Situationen und Gefühle viel stärker wahr als das Positive. Und so verpuffen viele besondere Momente völlig unbeachtet: die nette Begegnung beim Bäcker, der Abschiedskuss deines Partners, die witzige WhatsApp eines Freundes.

Klingelt da was? Vielleicht lächelst du, wenn du daran denkst. Leichtigkeit macht sich in dir breit. Energie fließt. Der Schalter im Kopf lässt sich nicht von heute auf morgen umlegen. Aber genau hier geht es lang.

1. Los, raus hier!

Dr. Daniela Haluza, Fachärztin am Zentrum für Public Health der Medizinischen Universität Wien, schickt Menschen in die Natur.  

BRIGITTE: Warum tut uns der berühmte Waldspaziergang so gut?

DANIELA HALUZA: Schon allein die Tatsache, dass man in der Natur weg von allem ist, womit man sich sonst im Alltag umgibt - Computer, die Arbeit, die Kollegen -, führt zu einer Entspannungsreaktion. Es muss gar nicht der Waldspaziergang sein: Der stressreduzierende Effekt ist schon nachweisbar, wenn man nur fünf Minuten auf einer Parkbank gesessen hat; die Herzfrequenz sinkt, es werden weniger Stresshormone wie Cortisol und Adrenalin ausgeschüttet, die Anzahl der Immunzellen im Blut steigt.

Selbst der Anblick von Grünpflanzen kann Stress abbauen. Es gibt eine berühmte Studie aus den 80er-Jahren, die gezeigt hat, dass Menschen im Krankenhaus schneller genesen, wenn sie vom Fenster aus Grün sehen können statt nur auf eine Backsteinmauer.

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Das heißt: statt in der Mittagspause
in die Kantine lieber auf die nächste Wiese?

Auf jeden Fall! Sie kommen buchstäblich mal kurz aus allem raus - was Ihnen neue Energie gibt, um weiterzuarbeiten. Und selbst an einem trüben Novembertag haben Sie im Freien mehr Lichtintensität als im Büro oder in der Wohnung. Wenn Sie sich dem Tageslicht aussetzen, fördert das einen guten Schlaf und mindert das Risiko für depressive Verstimmungen. Aber am allerbesten ist natürlich Bewegung im Wald oder Park.

Warum?
Sie profitieren auf ganzer Linie, physisch und psychisch, wenn Sie Sport machen oder spazieren gehen: Sie können vollends abschalten, Ihr Körper wird besser durchblutet, Aufmerksamkeit und Gedächtnisleistung steigen, Sie sehen besser und erholter aus.

Sind Sie selbst viel draußen?
Ich bin ein richtiger Naturmensch, ich muss mich nicht dazu zwingen. Und ich versuche oft, meinen Freundeskreis auch dazu zu bringen. Wir machen am Wochenende zum Beispiel eine Wandertour. Der Erholungseffekt eines solchen Ausflugs kann noch über Wochen nachwirken. Auch das ist wissenschaftlich erwiesen.

Was könnte mich abhalten? Wenig. Einen Mini-Park hat fast jeder in der Nähe.
Energiebooster: Frischluft tut bei jeder Jahreszeit gut und macht Lust auf mehr.

2. Zuckerfrei

BRIGITTE-Redakteurin Daniela Stohn ist Fachfrau für Fitness- und Ernährungsthemen und verzichtet auf Süßes - einmal im Jahr, vier Wochen lang.

DANIELA STOHN: "Am härtesten sind immer der dritte und der vierte Tag. Dann ist die erste Euphorie verflogen und der Heißhunger da: auf Schoki, Käsekuchen, Gummibärchen ... Es ist wie ein Entzug - ich bin gereizt, unkonzentriert und übellaunig.

Seit drei Jahren ernähre ich mich jeden Januar zuckerfrei. Und weiß zum Glück inzwischen, dass die Gieranfälle nach wenigen Tagen vorbeigehen und stattdessen die Energie zurückkehrt.

Wenn man viele schnell verdauliche Kohlenhydrate aus Naschkram, Gebäck und Weißbrot in sich hineinstopft, passiert nämlich Folgendes: Der Blutzuckerspiegel steigt blitzartig an und fällt nach kurzer Zeit wieder ab. Die Folge ist ein erneuter Jieper auf Süßes. Diesem Teufelskreis versuche ich zu entkommen und mein Zuckerbedürfnis auf Normalmaß runterzuregeln. Wie ein Reset-Knopf, den ich einmal im Jahr drücke. Mit Erfolg: Ist der Entzug erst mal vorbei, fühle ich mich energiegeladen und fit. Ich schmecke intensiver und bin mittags nicht so müde.

Warum ich dann nicht immer so lebe? Weil ich gern nasche - und
 auf Dauer zuckerfrei nicht nur den Verzicht auf Süßigkeiten, sondern 
auch auf Fruchtjoghurts, Säfte, Müsli, Nudeln, Weißmehlprodukte und etliches mehr bedeutet. Und das würde ich nicht hinkriegen."

Was könnte mich abhalten? Man muss schon sehr genau planen, was man kochen will, denn viele verarbeitete Lebensmittel fallen weg.
Energiebooster: Das gute Körpergefühl danach ist unschlagbar!

3. Das Portfolio der guten Gefühle

Barbara Fredrickson, Professorin für Psychologie an der
 University of North Carolina, plädiert für eine Innenschau mit Langzeitwirkung. 

BARBARA FREDRICKSON: "Denke über dein Leben nach und rufe dir jedes einzelne der positiven Gefühle ins Gedächtnis: Freude, Stolz, Dankbarkeit, Heiterkeit, Interesse, Hoffnung, Vergnügen, Inspiration, Ehrfurcht und - last but not least - Liebe.

Stelle dann Objekte zusammen, die du aus ganzem Herzen mit jeder der positiven Gefühlsvariationen verbindest. Nehme eine Schachtel, ein Album oder erstelle einen elektronischen Folder, den du am Smartphone immer wieder anschauen kannst.

Investiere Zeit! Dieses Portfolio ist eine Sammlung, ein Schrein für jede Nuance der positiven Befindlichkeit.

In meinem ersten Portfolio ging es um das Gefühl der Liebe. Man findet darin Bilder meiner beiden kleinen Söhne und meines Ehemanns, ein Zitat des französischen Schriftstellers Marcel Proust: “Lasst uns den Menschen gegenüber dankbar sein, die uns glücklich machen. Sie sind die bezaubernden Gärtner, die unsere Seele zum Erblühen bringen.”

Außerdem fügte ich einen Schnappschuss von einem üppig gepolsterten, überbreiten Sessel in unserem Wohnzimmer hinzu, in dem wir als Familie still miteinander kuscheln und gemeinsam Zeit verbringen. Und schließlich enthält mein Liebesportfolio ein Bild, das vielleicht demonstriert, wie tief im Inneren ich doch Wissenschaftlerin bin: zwei Schimpansen, die sich gegenseitig lausen. Es erinnert mich daran, dass der Liebestrieb alt, universell und unaufhaltsam ist.

Wenn ich mein Portfolio ansehe, dann denke ich daran, häufiger eine Pause einzulegen, zu Hause anzurufen, wenn ich unterwegs bin. Die Liebe, die ich mit meinen Söhnen und meinem Mann teile, öffnet unweigerlich mein Herz und erfüllt mich mit neuer Energie - und sie zeigt mir, wie man intensiver lebt."

Was könnte mich abhalten? Du brauchst etwas Zeit und Ruhe - zumindest einen Tag, vielleicht auch länger -, um das Album anzulegen
Energiebooster: In der Ruhe und Besinnlichkeit liegt die Kraft.

4. Den Trott durchbrechen

Der Sportwissenschaftler, Motivationstrainer und Autor Christo Foerster schwört auf Mikroabenteuer.

CHRISTO FOERSTER: "Am glücklichsten bin ich, wenn ich einfach losziehe, egal, wie das Wetter ist. Denn draußen warten lauter kleine Abenteuer - der britische Autor und Abenteurer Alastair Humphreys nennt sie Mikroaben­teuer. Man kann sie nicht buchen, sondern einfach nur machen.

Besonders intensiv werden sie, wenn ich komplett querdenke und mich neu herausfordere. Warum nicht einfach über Nacht mit dem Fahrrad ans Meer fahren, zwei Tage lang nur geradeaus laufen oder ein Floß für meinen Rucksack bauen und ihn damit über einen See transportieren?

Aber es geht auch weniger ambi­tioniert. Draußentage sind für mich immer gute Tage - die Natur ist kein Ort, den wir besuchen, sie ist unser Zuhause, deswegen gibt sie uns so viel Energie.
Viel Kraft schöpfe ich auch aus der Erkenntnis, dass immer das möglich ist, was ich selbst möglich mache. Dass ich etwa zwischen zwei ganz normalen Bürotagen losziehen und die Nacht draußen im Biwak verbrin­gen kann. Wir sehnen uns ja meis­tens nach Dingen, die weit weg sind. Aber da sind 1.000 Sterne direkt über uns. Auf die müssen wir nicht war­ten, die warten auf uns."

Was könnte mich abhalten? Der größte Aufwand ist das Umlegen des Schalters im Kopf - Abenteuer ist vor allem Einstellungssache. Draußen übernachten geht auch mit der Matratze im Garten.
Energiebooster: Macht zu zweit doppelt Spaß.

5. Absolute Hingabe

Marion Molter, Datenbankmanagerin und Schriftkünstlerin, schöpft Kraft aus dem Versinken in einer Tätigkeitdem sogenannten Flow.

MARION MOLTER: "Morgens arbeite ich als Datenbankmanagerin, nachmittags bin ich in meinem Atelier - ich habe mich autodidaktisch und mit vielen Kursen zur Kalligrafie-Künstlerin weitergebildet. Die meisten verbinden mit Kalligrafie asiatische oder arabische Schriftbilder, ich arbeite jedoch mit unserer abendländischen Schrift, die auch sehr viel zu bieten hat für Schriftkünstler. Und: Sie hat direkt mit mir zu tun. Wer schreibt, verbindet sich mit sich selbst. Und das gibt Energie.

In meinen Kursen zögern die Teilnehmer natürlich oft und sagen: Ich habe aber keine schöne Handschrift. Doch darum geht es nicht. Wer statt des üblichen Stiftes eine Feder, einen Pinsel oder Holz und Tusche verwendet, löst sich von alten Gewohnheiten oder auch Ängsten und kann genießen, wie kraftvoll das Schreiben ist.
Man ist dabei ganz bei sich selbst. Das Schreibwerkzeug gleitet über das Papier, man ist fokussiert, aber nicht angespannt. Man ist ganz im Moment, denn Schreiben ist komplex - und wer in Gedanken abschweift, verschreibt sich. 
Ein Gefühl von Flow setzt ein, in den Kursen breitet sich immer stille Freude aus.
Man sagt, dass Schrift und Sprache im Gehirn sehr eng mit Emotionen und Bildern verknüpft sind. Ich kann das nachvollziehen. Denn beim Schreiben entwickelt sich sofort ein Gefühl, das einem sagt, dieser Buchstabe muss größer werden oder jener kleiner. Und
 am Ende ist man immer wieder erstaunt, dass das Ergebnis ein künstlerisches ist.

Ich persönlich schreibe als 365-Tage-Projekt täglich jeweils ein Wort, das für eine wichtige Nuance dieses Tages steht. Ich wähle das Schreibwerkzeug und die Farbe, die intuitiv für mich passt. In diesem Jahr notiere ich immer etwas, was ich getan oder gefühlt habe. Wütend, fröhlich, feiern, schön machen, aktiv, unruhig sind Wörter, die ich dieses Jahr bereits kalligrafiert habe. Es ist wie eine kleine Würdigung des Tages."

Was könnte mich abhalten? Man braucht 15 bis 60 Minuten pro Tag, eventuell auch einen Kursbesuch, um reinzukommen.
Energiebooster: Einfach mal ganz woanders - am besten bei sich selbst - sein."

6. Ganz schön lustig

Dr. René Proyer, Psychologe an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg, setzt auf Humor.

BRIGITTE: Herr Proyer, Sie haben in Studien herausgefunden, dass Humor eine wichtige Quelle für Zufriedenheit und Energie im Leben ist. In meinem Alltag passiert aber, ehrlich gesagt, gerade gar nicht so viel Lustiges ... 
RENÉ PROYER: "Das ist eine Frage
des Blickwinkels. Wir haben unseren Studienteilnehmern ganz einfache Anregungen gegeben - und alle konnten die Humorübungen machen und davon profitieren."

“Humorübungen” klingt eher unwitzig. Was darf man sich darunter vorstellen? 
"Zum Beispiel die Aufgabe, etwas Lustiges zu lesen oder einen lustigen Film anzuschauen. Oder man sammelt die skurrilsten Begebenheiten, die man im Lauf des Tages erlebt hat. Das ist übrigens die einfachste Übung mit dem größten Effekt. Wenn man sich abends ein paar Minuten Zeit nimmt und sich die drei witzigsten Begebenheiten des Tages notiert, ist man erstaunt, dass einem garantiert immer etwas dazu einfällt. Und man muss dabei meistens auch noch mal lachen, wenn man sich daran erinnert."

Aber werde ich dadurch auch nachhaltig zufriedener?

"Unsere Studienteilnehmer waren noch sechs Monate nach der Übungswoche zufriedener mit ihrem Leben. Ganz offensichtlich ist der Lerneffekt groß. Wer sich in Humor übt, hat einfach mehr Spaß, und vieles im Alltag wird leichter. Und weil man das sofort merkt, schaut man ab nun humorvoller auf die Welt. Lustiges findet man überall. Man muss nur hingucken."

Was könnte mich abhalten? Um im stressigen Alltag empfänglich dafür zu sein, wie viel Witziges eigentlich passiert, braucht man Neugier und Offenheit.
Energiebooster: Es stellt sich automatisch mehr Leichtigkeit ein.

7. Die Stretch-Pose

Für Angela Schöneck, BRIGITTE-Beauty-Redakteurin und zertifizierte Kundalini-Yoga-Lehrerin, ist Yoga die ultimative Energiequelle.

ANGELA SCHÖNECK: "Ja, ich weiß. Yoga. Mal wieder. Yoga für Faule, Yoga für Kühe, Nacktyoga ... Herrgott. Aber als ich eine Zeit lang keine Energie für das Geringste mehr aufbringen konnte, führte mich die Beschäftigung mit dem Körper nach wenigen Wochen wieder zu mir selbst zurück. “Mein” Yoga ist Kundalini-Yoga nach Yogi Bhajan, ein ziemlich dynamischer Stil. Jede der Übungsreihen hat festgelegte Asanas, also Haltungen, durch die Energieleitbahnen, die Meridiane, oder Organe positiv beeinflusst werden.

Eine meiner Lieblingshaltungen, die mir sofort Energie gibt, ist die Stretch- Pose. Die Vorbereitung: auf den Rücken legen, Beine und Arme ausstrecken, die Füße sind dicht beieinander, die Arme liegen am Körper an, die Handflächen zeigen zu den Oberschenkeln. Dann 
den unteren Rücken Richtung Boden drücken, Kopf leicht heben, den Nacken lang machen - das Kinn rutscht leicht Richtung Brustbein - und den Kopf wieder ablegen.

Und so geht die Übung: Beckenboden anspannen und dann gleichzeitig Beine (Füße sind gestreckt), Arme und Kopf/Hals in vollständiger Anspannung ca. 15 Zentimeter vom Boden lösen und tief durch die Nase ein- und ausatmen. Die Augen fixieren die Füße. Um den unteren Rücken
 zu entlasten, ruhig die Knie etwas anwinkeln. Es ist anstrengend, aber schon eine Minute bringt's!

Was könnte mich abhalten? Absolut keine Lust auf Yoga.
Energiebooster: Yoga ist klasse. Punkt. Die Stretch-Pose selber ist wie gesagt anstrengend und deshalb mittelspaßig, aber wirklich effektvoll.

Extra: Wir zeigen euch die besten Yoga-Übungen.

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8. Sich freispielen

Volker Hirschfeld ist Coach und überzeugt von der Idee des Improvisierens.

VOLKER HIRSCHFELD: "Im Improvisationstheater bekommen Erwachsene die Erlaubnis zu spielen. Und vor allem: miteinander zu spielen. Das hat man ja sonst nicht. Spielt man konventionelles Theater, lernt man erst die Rolle, beim Improtheater schlüpft man direkt in eine Rolle, ist Diva oder Einbrecher, Kind, Musicalstar. Man ist verführerisch oder böse, spielt, was man in sich spürt. Alles, was man sonst nie sein darf. Viele der Teilnehmer erleben das nach der ersten Aufregung geradezu als eine Explosion von Energie.

Beim Improtheater gibt es nur wenige Regeln, aber die sind wichtig: etwa dass man Angebote annimmt. Begegnet mir also jemand als Diva, reagiere ich auf die Diva und wische die Rolle nicht einfach weg. Das erfordert große Konzentration, denn man muss sich auf den anderen einlassen und zugleich in sich selbst spüren. Der Kopf schaltet sich aus, Intuition und Körper übernehmen - man fühlt die Rolle mehr, als dass man überlegt, wer man ist und was man dann sagt. Man ist im Moment und voll da.

Ist man so mit seinem Körper verbunden, passiert etwas, das man Glück nennen könnte. Man spürt eine unfassbare Kraft. Diese Erfahrung können viele in den Alltag mitnehmen. Man wird unbefangener im Umgang mit anderen. Weiß, dass das Spielerische in der Begegnung einem Energie gibt, wenn man sich darauf einlässt. Und man traut sich auch, sich selbst mehr zu zeigen.”

Was könnte mich abhalten? Man muss spielen wollen und Zeit haben - etwa zwei Stunden pro Woche oder für einen Wochenendkurs.
Energiebooster: Sich selbst neu zu entdecken.

9. Ein XXL-Paket Nähe

Anik Debrot, wissenschaftliche Mitarbeiterin
am Institut für Psychologie der Universität Lausanne, erforscht die Kraft von Sex und Zärtlichkeit.

BRIGITTE: Frau Debrot, Sie untersuchen, warum Sex ein echter Energiekick für Paare ist. Ist das nicht klar?


ANIK DEBROT: "Ehrlich gesagt, wusste die Wissenschaft dazu lange Zeit nicht wirklich viel zu sagen. Zuerst denkt man vielleicht, dass der größte Energiekick beim Sex der Orgasmus ist. Aber unsere Studien zeigen, dass das vielleicht nicht ganz stimmt."

Was ist es denn dann?
"Die meiste Energie entsteht vermutlich, weil man so viele Berührungen und Zärtlichkeit erlebt, wenn man Sex hat. Die Berührungen sind wohl die wahre Kraftquelle, die wir beim Sex anzapfen. Fassen wir einen anderen Menschen an, zeigen wir ganz unmissverständlich: Ich bin für dich da, und du bist mir wichtig. Und dieses Gefühl ist wesentlich für unser Wohlbefinden.

In einer ersten Studie konnte ich zeigen, dass sich Paare, die öfter am Tag kleine Zärtlichkeiten austauschen, sich miteinander glücklicher und vom anderen besser verstanden fühlen. Wer Streicheleinheiten erhält, verkraftet auch Kummer oder Stress besser. Beim Sex bekommt man sozusagen das XXL-Paket Berührungen."

Geben auch “harmlose” Berührungen Energie? Zum Beispiel eine Umarmung unter Freunden?

"Wenn wir berührt werden oder eine andere Person berühren, spüren wir tatsächlich körperlich, dass wir nicht allein sind. Das ist viel weniger missverständlich als verbaler Austausch. Wenn eine Freundin traurig ist oder sich nicht wohlfühlt, sollten Sie nie den Impuls zurückhalten, sie zu berühren. Das kann nur guttun! Natürlich sollte man keine gesellschaftlichen Normen brechen aber generell kann man sagen: Berührungen sind eine große Kraftquelle."

Was könnte mich abhalten? Zärtlichkeit oder Berührungen kann man nicht einfordern. Weder vom Partner noch von Freunden.
Energiebooster: Auch bewusst gegebene Berührungen geben Kraft.

10. Ich bin dann mal bei mir

BRIGITTE-Mitarbeiter Markus Brügge meditiert täglich.

MARKUS BRÜGGE: "Das Ticken der Küchenuhr. Meine Atemzüge, ein-aus, ein-aus. Ich kann spüren, wie ich tiefer in mich einsinke, wie mein Atem in meinen Brustkorb und meinen Bauch geht. Es hat eine Weile gedauert, bis ich das hinbekommen habe: Die Geräusche um mich herum bewusst wahrzunehmen und trotzdem ganz bei mir zu sein.

Den Einstieg erleichtert haben mir ein mehrtägiger Kurs im European Institute of applied Buddhism (EIAB) im Bergischen Land und später dann noch ein etwas längerer Aufenthalt in einem buddhistischen Kloster in Kalifornien.

Meditation war für mich vor allem eine Übung in Geduld.
Früher wollten meine Gedanken immer weg, sie waren entweder in der Zukunft oder der Vergangenheit. Irgendwann hat es mich genervt, dass ich mich oft so hektisch gefühlt habe. Inzwischen meditiere ich gern mit
 einer App, “Headspace” heißt sie. Mit der nehme ich mir täglich zehn Minuten Zeit für Andy, der mich mit seiner freundlichen Stimme anleitet.

Forscher haben das Gehirn von Meditierenden gescannt - und nach acht Wochen hatten sie mehr Hirnsubstanz in den Bereichen, die für Mitgefühl und Wahrnehmung zuständig sind; und weniger in denen für Stress und Angst. Das beobachte ich auch an mir. Ich gehe viel bewusster mit mir um. Nehme stärker wahr, wenn ich gestresst bin und einfach mal tief durchatmen sollte."

Was könnte mich abhalten? Man sollte sich schon zehn Minuten täglich Zeit nehmen, besser wären 20.
Energiebooster: Mehr Gelassenheit und ein besserer Umgang mit Stresssituationen. 

Meditation

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Carola Kleinschmidt, BRIGITTE 21 / 2017

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