Singen macht glücklich!

Jodeln oder Karaoke? Im Chor oder in der Badewanne? Das spielt überhaupt keine Rolle. Hauptsache, Sie singen. Denn die Schwingungen, die dabei entstehen, machen uns gesund, glücklich und klug.

Seit drei Jahren ist Albert R. Mitglied in einem traditionellen Jodelklub. Er singt im zweiten Tenor und besucht, wenn immer möglich, donnerstags die Proben. Er ist Anwalt und Singen ist für ihn Ablenkung und Erholung von der konzentrierten Kopfarbeit: "Beim Singen fühle ich mich wie in einer Oase." Ähnlich geht es Susanne B. Sie singt in einem Gospelchor und reist der Proben wegen nicht selten von ihrem Zweitwohnsitz in Frankreich nach Zürich. "Ich wollte schon oft aufgeben, weil die Reiserei sehr aufwendig ist, aber es tut mir einfach gut. Ich kann alles um mich herum vergessen und bin danach wieder voller Energie." Anja P., die Abiturientin, kann sich in der wöchentlichen Chorprobe vom Druck erholen, dem sie die ganze Woche ausgesetzt ist. Inzwischen hat sie sich auch angewöhnt, zu Hause zu singen, bevor sie sich an die Aufgaben macht. Danach fühlt sie sich freier und aufnahmefähiger.

Singen macht stark

Stimmt das, haben Töne wirklich so viel Macht? Können sie unser Wohlbefinden derart positiv beeinflussen? Der deutsche Musikpsychologe Dr. Karl Adamek geht noch weiter. Er sagte in einem Interview, dass Singen glücklich mache, denn es kurble die Produktion von Glückshormonen wie Serotonin an, das gegen Depression und Angst helfe. Beta-Endorphin erzeuge Glücksgefühle und Noradrenalin erhöhe die Lebensmotivation. Gleichzeitig würden sich beim Singen jene Hormone zurückbilden, die uns aggressiv und stressanfällig machen: Testosteron, Adrenalin und Kortisol. Dazu genügen übrigens ein paar Liedstrophen. Wer singt, ist gesünder, lebensfroher, zuversichtlicher und tatkräftiger, das hat Adamek bei mehr als 500 Probanden empirisch nachweisen können. Und das gilt auch für Laiensänger.

Singen erleichtert die Arbeit

Wenn man singt, hat Adamek ebenfalls herausgefunden, fällt auch körperliche Arbeit leichter. Seine Testpersonen mussten zum Beispiel mit ausgestreckten Armen 500-Gramm-Gewichte so lange wie möglich halten. Singend konnten sie die Leistung um 132 Prozent steigern. Ein eher bedrückendes Beispiel für diesen Effekt sind die ehemaligen Sklaven auf den amerikanischen Baumwollfeldern. Ihre schleppend gesungenen Lieder halfen ihnen, die körperliche Arbeit besser zu ertragen. Noch vielmehr allerdings dürfte ihnen der Gesang wohl dabei geholfen haben, ihr Elend auszuhalten. Dass nämlich Gesang bei extremen Gefühlen wie Trauer hilft, zeigen auch die Klagelieder, wie sie in Südeuropa und auf dem Balkan noch heute gesungen werden, wenn jemand gestorben ist.

Singen fördert die Verdauung

Um diese Phänomene zu verstehen, muss man wissen, was beim Singen im Körper passiert. Etwas Grundlegendes ist das Atmen. Tiefes Atmen regt Herz und Kreislauf an, steigert das Lungenvolumen, dehnt und kräftigt die Rumpfmuskulatur. Das wirkt entspannend, fördert die Verdauung und kann sogar seelische Spannungen lösen. Im Zentrum aber steht der Kehlkopf, dort entsteht der Ton. Die beiden Stimmbänder schließen und öffnen sich immer wieder mit hoher Frequenz und erzeugen dadurch hörbare Schwingungen. Höher oder tiefer werden die Töne, wenn sich die Stimmbänder mithilfe bestimmter Knorpel und Muskeln dehnen oder verkürzen.

Das allerdings ist ohne Fachperson schwierig, zu trainieren. Zur Stimme kommt meistens noch ein Text hinzu, den man so artikulieren sollte, dass ihn die Zuhörer verstehen, und der von den großen Gefühlen, von Liebe, Glück, Trauer oder Wut handelt, etwas, das wir im Alltag nur kontrolliert zu äußern wagen. Beim Singen jedoch drücken wir Gefühle aus. Die Leistung beim Singen besteht also darin, Atmung, Kehlkopfarbeit, Sprache und Gefühle zu koordinieren.

Singen macht klug

Dank wissenschaftlicher Forschung weiß man inzwischen, dass Singen auch klug macht. Denn die Synapsen im Gehirn vernetzen sich bei regelmäßigem Gesang neu und differenzierter. Wenn man sich nun überlegt, welches Potenzial in all unseren Kehlköpfen schlummert - das führen uns schreiende Babys schließlich immer wieder vor Augen respektive Ohren - dann haben wir doch alle Chancen, Genies zu werden. Nun denn! Ob "Pokerface" von Lady Gaga, "Massachusetts" von den Bee Gees oder "Im Frühtau zu Berge wir gehn": Singen wir doch einfach mal drauflos.

Credit: istockphoto
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