Vipassana Meditation: 10 Tage Schweigen!

Erst lange belächelt – heute vielfach geschätzt! Wir stellen dir die wohl bekannteste Meditationspraxis, die Vipassana Meditation, vor.

Vipassana Meditation: Was steckt dahinter?

Vipassana gilt als eine der ältesten Meditationsformen Indiens und vertritt folgendes Motto: Die Dinge zu sehen, wie sie wirklich sind!

Vipassana steht für Einsicht und wird daher alternativ auch als Einsichtsmeditation bezeichnet. Einsicht gliedert sich im Buddhismus in die drei Daseinsmerkmale Unbeständigkeit, Leidhaftigkeit und Nicht-Selbst. Die Vipassana-Meditation beschreibt den Weg, um diese Einsicht zu erlangen.

Vipassana ist allgemein betrachtet jedoch an keine bestimmte Religion gebunden. Achtsamkeit, ein wichtiger Teil von Vipassana, kann genauso für Nicht-Buddhisten ein anzustrebendes Ziel im Leben darstellen.

Kurz gesagt geht es im Vipassana darum, durch Selbstbeobachtung eine innere Veränderung herbeizuführen. Der Austausch von Körper und Geist steht dabei im Zentrum der Lehre.

Grundidee:

  • Leid wird durch Fokus auf Ablehnung oder Gier erzeugt
  • Sowohl unser Geist als auch der Körper führen uns kontinuierlich Leid und Schmerzen zu.
  • Die Reise zum Ursprung beider Quellen soll eine reinigende, befreiende Wirkung entfachen
  • Förderung von Liebe und Mitgefühl durch Achtsamkeit

Vipassana Meditation: Wie entstand diese Meditationspraxis?

Die Vipassana-Meditation hat den Ruf als älteste buddhistische Meditationspraxis und wird direkt auf Buddha zurückgeführt.

Vipassana besitzt seinen Ursprung im Theravada-Buddhismus. Theravada tituliert eine alte Schultradition und gehörte zu den ersten Anhängern des Buddha.

Schriftstücke von Buddha belegen, dass im alten Indien die Schulung von Achtsamkeit schon vielerorts gelehrt wurde.

Anfang des 18. Jahrhunderts erfuhr die frühbuddhistische Bewegung eine Wiederbelebung durch gezielte Achtsamkeitsschulungen. Theravada und das Königshaus von Burma befürworteten die Bewegung.

Diese schwappte dann auf Thailand und Sri Lanka über, bis sie in den letzten Jahrzehnten auch unsere westliche Welt erfasst hat und bereits viele Anhänger gewann.

Meditationslehrende, wie der bekannte Mönch Ajahn Brahm, haben bei uns im Westen die Vipassana-Lehren weitergegeben.

Vipassana Meditation: Welche Richtungen gibt es?

Sayagyi U Ba Khin gilt als der bekannteste Meditationslehrer für Vipassana in der Tradition des Theravada-Buddhismus. Heutzutage gibt es viele Meditationskurse, die sich auf seine Praktiken beziehen.

Insbesondere die Methode des Body Sweeping brachte Khin vermehrte Aufmerksamkeit. Dabei betrachten wir vor der eigentlichen Vipassana-Meditation die Empfindungen unserer Nasenlöcher bei der Atmung. Diese Methode wird sogar in einigen Gefängnissen in Indien bei Insassen angewandt und soll zu friedlicherem Verhalten geführt haben.

  • Technische Methoden: Khin und sein wichtigster Schüler Goenka sind Vertreter der technischen Methoden. Dabei geht es vor allem um ein starkes Körperempfinden und das Verstehen der Vergänglichkeit.
  • Natur-Methoden: Insbesondere Ajahn Chah und Ajahn Buddhahasa propagieren natürliche Ansätze der Vipassana Meditation. Diese setzen im Unterschied zu technischen Methoden auf Intuition und weniger strenge Abläufe.

Vipassana Meditation: Die 4 Stufen der Achtsamkeit

Im Zentrum von Vipassana steht die Herbeiführung von Achtsamkeit. Dabei werden vier verschiedene Stufen unterschieden:

  • Vergegenwärtigung des Körperlichen
  • Vergegenwärtigung der Empfindungen
  • Vergegenwärtigung des Geistes und dessen Unbeständigkeit
  • Vergegenwärtigung der natürlichen Wahrheiten (Dhamma)

Mit der Satipatthāna-Sutta (Rede von den Vergegenwärtigungen der Achtsamkeit) definierte Buddha die verschiedenen Formen von Achtsamkeit. Sutta steht übersetzt für Faden und meint damit den roten Faden, den die Rede verfolgt.

Das Ānāpānasati-Sutta beschreibt dagegen die Rede vom bewussten Ein- und Ausatmen und ergänzt somit die vier Stufen der Achtsamkeit.

Vipassana Meditation: Wie läuft so ein Kurs ab und bin ich dafür geeignet?

Meditationskurse für Vipassana sorgen für einen klaren Geist und mehr Selbsterkenntnis. Ein Kurs ist daher grundsätzlich für jeden geeignet, der etwas an seinen Denkmustern ändern will oder allgemein mehr Gelassenheit im Leben anstrebt.

Für einen Vipassana Meditationskurs benötigst du in erster Linie Zeit und einen starken Willen. Die Kurse gehen meistens mindestens 10 Tage am Stück, teilweise sogar bis zu 50 oder 60 Tage!

Da sich die Meditationszentren oft durch Spenden und ehrenamtliche Mitarbeiter finanzieren, brauchst du für einen Kurs inklusive Unterkunft und Verpflegung meist nicht viel bezahlen.

Bereite dich darauf vor, dass du jeden Tag ca. 11 Stunden meditierst und in absoluter Stille lebst. Eine Vipassana Einsichtsmeditation kannst du als extremes Trainingslager für deinen Geist betrachten.

Du solltest in jedem Fall vorab schon mal ein paar Minuten meditiert oder einen anderen Meditationskurs besucht haben, damit du in etwa weißt, was auf dich zukommt.

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Tiko

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