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Tastsinn Unterschätzt, aber lebensnotwendig

Tastsinn: Hände beim Gitarrespielen
© Viachaslau Kraskouski / Shutterstock
Im Vergleich mit den anderen fünf Sinnen steht der Tastsinn eher selten im Zentrum der Aufmerksamkeit. Dabei ist er für den Menschen überlebenswichtig.

Was ist der Tastsinn?

Der Tastsinn macht es dem Menschen möglich, Berührungen, die man auch als taktile Reize bezeichnet, wahrzunehmen. Es ist der erste Sinn, der sich bei einem Embryo entwickelt – nämlich bereits ab dem zweiten Schwangerschaftsmonat. Durch die Berührungsinformationen, die dank unserem Tastsinn an das Gehirn weitergeleitet werden, kann dieses entscheiden, wie es auf bestimmte Reize reagiert.

Wie funktioniert der Tastsinn?

Die Haut ist nicht nur das größte Organ des Menschen, sie ist auch eines der wichtigsten Sinnesorgane. Denn in den Hautschichten sitzen unterschiedliche Sinneszellen und Nervenenden, die auf verschiedene Reize reagieren: Einige zum Beispiel auf winzigste Berührungen, andere auf großen Druck, Wärme und Kälte oder Schmerz. Und auch die Körperhaare spielen eine Rolle bei den Berührungsinformationen des Tastsinns: An ihren Wurzeln sitzen Nervenenden, die auf jede noch so kleine Erschütterung reagieren.

Alle Rezeptoren können über bestimmte Nervenzellen die Reize des Tastsinns über das Rückenmark ans Gehirn melden. Erst dort werden die Informationen verarbeitet und neben der Beurteilung des reinen Fühlens auch das Umfeld hinzugezogen. Das daraus resultierende Ergebnis lässt uns auf die Wahrnehmung reagieren: Haben wir beispielsweise versehentlich auf eine heiße Herdplatte gefasst, ziehen wir die Hand zurück. Nehmen wir den Windhauch als zu kalt wahr, fangen wir an, zu frösteln.

Reize werden unterschiedlich behandelt

Unsere Rezeptoren unterscheiden sich auch durch ihre sogenannte Adaptionszeit. Ein Rezeptor, der einen Reiz schnell adaptiert, meldet diesen Reiz nur bei dessen Beginn, wenn er sich ändert oder aufhört. Ist der Reiz konstant, melden die Rezeptoren ihn nicht weiter. Zu diesem Typ zählen beispielsweise die Sinneszellen für Berührungen und Vibrationen. Das ermöglicht es uns zum Beispiel, beim Tasten schnell geringe Unterschiede wahrzunehmen.

Im Gegensatz dazu gibt es aber auch langsam adaptierende Rezeptoren, die den Reiz penetrant immer weiter melden, auch, wenn er gleich bleibt. Dazu zählen beispielsweise die Druck- und Schmerzrezeptoren. Das ist für uns zwar eine lästige bis schmerzhafte Eigenheit des Tastsinns, unterstützt unser Gehirn aber dabei, nicht von Reizen überflutet zu werden. Nur durch das Zusammenspiel der Rezeptoren gelingt es dem Gehirn, unwichtige Reize auszublenden und sich auf die Wahrnehmungen zu konzentrieren, die in diesem Moment wirklich wichtig sind.

Unser Tastsinn ist überlebensnotwendig

Im Vergleich mit unseren anderen Sinnen wird dem Tastsinn oft nur eine geringe Beachtung geschenkt – dabei sind Berührungen existenziell für unser Wohlbefinden. Das belegen auch verschiedene Studien mit Neugeborenen: Werden Frühgeborene möglichst häufig für längere Zeit mit direktem Hautkontakt auf die Brust der Eltern gelegt, verbesserten sich dadurch ihre Überlebenschancen. Die Methode wird als sogenanntes Känguruhen bezeichnet.

Außerdem fördern Reize auf der Haut die Gehirnentwicklung bei Babys und die Ausschüttung von Wachstumshormonen. Fehlen dem Kind liebevolle und sanfte Berührungen, kann das nicht nur seelische Schäden verursachen, sondern auch die Entwicklung verzögern. Und die Kinder benötigen ihren Tastsinn, um ihre Umwelt richtig erkunden zu können: Alles muss angefasst, begutachtet und – je nach Gegenstand zum Entsetzen der Eltern – in den Mund gesteckt werden. Durch den Tastsinn lernen die Kleinen, sich in ihrer Umgebung besser zurechtzufinden und auch, wovon sie wortwörtlich die Finger lassen sollten.

Kuscheln macht glücklich

Aber nicht nur für kleine Kinder und Babys ist der Tastsinn somit unverzichtbar. Das Fühlen von Berührungen und sanftes Streicheln des Körpers sorgen auch bei Erwachsenen für die Ausschüttung verschiedener Hormone, die nicht nur das Wohlbefinden steigern, sondern auch den Blutdruck senken können. Dazu zählt beispielsweise das als Kuschelhormon bekannte Oxytocin, das Vertrauen und unsere Bindungsfähigkeit fördert.

Tastsinn als Augenersatz

Blinde Menschen berichten oft, dass ihre anderen Sinne aufgrund ihres fehlenden Augenlichts sensibler geworden sind. Besonders der Tastsinn spielt für sie eine wichtige Rolle und wird durch die Blindheit oft geschärft: Durch das Ertasten und Befühlen von Gegenständen können sich die Betroffenen ein erstaunlich genaues Bild ihrer Umwelt machen. Auch das Prinzip der Blindenschrift ist erst durch den Tastsinn für blinde Menschen hilfreich.

Lesetipps: Warum Baldrian bei Schlafstörungen helfen kann, erklären wir hier. Außerdem erklären wir, was es mit den unterschiedlichen Chronotypen auf sich hat und wieso der Geruchssinn so wichtig ist.

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