Vitamin D: Mehr Licht für das Sonnenhormon!

Was macht das "Sonnenhormon" Vitamin D in unserem Körper? Darüber wüssten wir gern mehr!

Vitamin D muss sein, das wissen alle Mütter, die ihren Babys im ersten Jahr regelmäßig "Vigantoletten" zur Vorbeugung von Rachitis verpassen. Vitamin D kann aber offenbar noch mehr: Jetzt hat eine große amerikanische Studie gezeigt, dass Vitamin-D-Mangel das Risiko von Herzattacken, Schlaganfällen und Gefäßverengungen erhöht.

Es geht, wissenschaftlich gesehen, eigentlich nicht um ein Vitamin, sondern um eine Hormonvorstufe, die über die Haut gebildet wird - wenn diese ausreichend UV-Licht abbekommt. Was in unseren Breitengraden und bei unserer Lebensweise leider nicht immer der Fall ist. Jetzt, im Winter, kann das schon schwierig werden.

Frau mit Anti-Baby-Pille in  der Hand

BRIGITTE-Autorin Irene Stratenwerth

An Vitamin-D-Mangel leiden besonders oft Frauen. Jenseits der Menopause soll fast jede Zweite betroffen sein. Offenbar spielt das "Sonnenhormon" für die weibliche Gesundheit zudem eine besonders wichtige Rolle: Eine Studie aus dem Jahr 2006 legt den Schluss nahe, dass Vitamin-D-Mangel das Brustkrebs-Risiko erhöht. Und ganz sicher ist Vitamin D ein wichtiger Faktor bei der Vorbeugung von Osteoporose, dem schmerzhaften Abbau von Knochensubstanz, der viele Frauen jenseits der Menopause bedroht.

Sollten wir also anfangen, vorsichtshalber regelmäßig Vitamin-D-Präparate zu schlucken? Oder uns ungehemmt und ungeschützt stundenlang in die Sonne zu legen? Sicher nicht. Denn zu viele Sonnenstrahlen schaden der Haut, und die Einnahme von zu viel Vitamin-D-Pillen kann gefährliche Nebenwirkungen haben - dazu gehören Nierensteine und Schädigungen des Embryos bei einer Einnahme während der Schwangerschaft. Umso wichtiger wäre es also, es genauer zu wissen: Wie viel Vitamin D braucht ein gesunder Frauenkörper? Und wann ist es sinnvoll, die Substanz zusätzlich einzunehmen?

Leider kann uns diese Frage niemand genau beantworten. Über Vitamin D wird nicht gerade intensiv geforscht. Das liegt vermutlich daran, dass kein Pharmaunternehmen mit dieser Substanz noch so richtig viel Geld verdienen wird: Eine Monatsration kostet weniger als zwei Euro. Und wenn dann doch mal Studien gemacht werden, spielt der Unterschied zwischen Männern und Frauen oft keine Rolle. Auch in der neuen amerikanischen Untersuchung wurden die Ergebnisse, wie es so schön heißt, am Ende "um die Geschlechterunterschiede bereinigt".

Seit Jahren kämpfen Ärztinnen und Wissenschaftlerinnen darum, dass bei jeder einzelnen Arzneimittelstudie die Wirkungen und Nebenwirkungen für Männer und Frauen gesondert untersucht werden. Oft gegen den Widerstand von männlichen Kollegen und Pharmaherstellern, denen solche Differenzierungen zu teuer und zu mühsam sind. Die neuen Erkenntnisse über das "Sonnenhormon" zeigen einmal mehr, wie groß die Folgen des kleinen Unterschiedes sein können. Mehr Licht ins Dunkel der guten und schlechten Seiten von Vitamin D! Das würde uns vielleicht mehr nutzen als so manche teure Neuentwicklung von Medikamenten.

Text: Irene Stratenwerth Illustration: Tim Möller-Kaya Foto: Silke Goes

Wer hier schreibt:

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