Wechseljahre: Lieber Feuer als Pharma

Die Hormonersatztherapie ist noch riskanter, als bisher bekannt war.

Frauen, die sich gegen Hitzewallungen in den Wechseljahren Hormonpräparate verschreiben lassen, haben ein erhöhtes Brustkrebsrisiko. Trotz aller wissenschaftlichen Belege versuchen Vertreter der gynäkologischen Fachgesellschaften immer noch, diese Tatsache schönzureden. Doch jetzt gibt es weitere, schlechte Nachrichten.

Periode, Regel, Blutung

BRIGITTE-Autorin Irene Stratenwerth

Die Hormonersatztherapie (HET), so zeigt eine neue Studie, erschwert auch die Früherkennung von Brustkrebs. In einer Auswertung der Daten, die fünf Jahre lang an 16.000 Frauen erhoben wurden, zeigten Wissenschaftler von der University of California in Los Angeles: 35 Prozent der Frauen, die Hormone nahmen, hatten "auffällige" Befunde bei einer Mammografie, zehn Prozent mussten zur weiteren Abklärung eine Stanzbiopsie über sich ergehen lassen. In der Vergleichsgruppe waren nur 23 Prozent von den psychischen Belastungen und 6,1 Prozent von der schmerzhaften Untersuchung nach einem Krebsverdacht betroffen. Trotz einem Mehr an Diagnostik, so stellte die Studie außerdem fest, wurde Brustkrebs bei Frauen in der "Hormongruppe" im Durchschnitt später und seltener erkannt.

Dass Östrogene und Gestagene das Brustgewebe verdichten und damit eine Früherkennung per Röntgen erschweren, ist bekannt. Dennoch waren die Deutsche und die Internationale Menopause Gesellschaft in den letzten Jahren unermüdlich bemüht, Gründe zu (er)finden, die für eine HET sprechen. Im Herbst 2007 wurde das letzte Statement herausgegeben, das die Hormonersatztherapie bei Frauen (unter 60) für unbedenklich erklärt.

Dem widersprechen die Autoren der neuen Studie nun ganz ausdrücklich. Und ebenso umstritten ist der angebliche Effekt der Hormonersatztherapie zur Senkung des Herzinfarkt- oder Schlaganfall-Risikos - dafür gibt es keine eindeutigen Belege. Hingegen zeigt jetzt eine aktuelle Studie aus Schweden, dass die HET noch weitere, gesundheitsschädliche Nebenwirkungen haben kann: Sie erhöht das Auftreten von Reflux - auch Sodbrennen oder "sauer Aufstoßen" genannt - um 32 Prozent.

Nächste Woche trifft sich die Deutsche Menopause Gesellschaft zu ihrer Jahrestagung in Frankfurt. Ein ganzer Tag ist dem Thema "HET - Quo Vadis?" gewidmet: Diskutiert wird diesmal "pro und contra". Das war nicht immer so: Jahrelang hat diese Fachgesellschaft mit Unterstützung der Pharmaindustrie die Propagandatrommeln für die Hormonverschreibung gerührt.

Doch von einer wissenschaftlichen Gesellschaft erwarten wir jetzt mehr als ein großes Fragezeichen. Nämlich endlich mal Klartext: Damit Frauen, die unter heftigen Wechseljahresbeschwerden leiden, eindeutig darüber informiert werden, welche Risiken sie mit Hormonpräparaten in Kauf nehmen. Jede weitere Vernebelungstaktik gegenüber dem wissenschaftlichen Stand der Dinge würde uns ziemlich sauer aufstoßen - auch ganz ohne Hormonersatztherapie.

Wie erleben Sie die Wechseljahre? Was hilft Ihnen gegen Beschwerden? Schreiben Sie es uns in den Kommentaren!

Text: Irene Stratenwerth Foto: Silke Goes Illustration: Tim Möller-Kaya

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