Besser leben mit Feng Shui

Was haben Himmelsrichtungen mit Beziehungsproblemen zu tun? Und warum ist eine Souterrainwohnung für einen nervösen Menschen besser als eine Dachwohnung? Das verrät Feng-Shui-Berater Mark Sakautzky im Interview mit Brigitte.de.

Wie das Qi uns Kraft gibt

Brigitte.de: Was ist Feng Shui?

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Mark Sakautzky: Die Feng-Shui-Lehre beruht auf dem Qi (sprich Tschi), dem Prinzip der Lebensenergie. Das ist die stoffliche Energie, die uns umgibt und die das Feng Shui nutzt. Das Qi kann man in besonderen Momenten spüren, als ein Kribbeln im Bauch, im Brustkorb oder in den Kniekehlen. Zum Beispiel, wenn man sein geliebtes Kind im Arm hält oder wenn man einen tollen Sonnenuntergang miterlebt. Wer Tai Chi macht, kennt dieses Kribbeln ebenfalls.

Feng-Shui-Berater Mark Sakautzky

Brigitte.de: Was bewirkt das Qi beim Menschen?

Mark Sakautzky: Es gibt ihm Kraft. Wir müssen im Alltag aufpassen, dass wir möglichst wenig von unserem Qi verlieren. Das fängt bei der Wahl des Sitzplatzes im Restaurant an. Sitzen wir mit dem Rücken zur Wand, sind wir geschützt. Wir haben alles im Blick und damit unter Kontrolle. Wenn der Kellner beispielsweise einen Teller fallen lässt, sehen wir von unserem Platz aus sofort, was passiert. Wir sind beruhigt, es ist kein Terroranschlag, sondern nur ein kaputter Teller. Wenn wir mit dem Rücken zum Raum sitzen, müssen wir uns erst umdrehen, um das zu erkennen. Durch die Schutzposition verbrauchen wir viel weniger Lebensenergie und können uns auf Wichtigeres konzentrieren - wie das Gespräch mit unserem Gegenüber.

Brigitte.de: Wie wirken sich diese Erkenntnisse auf meine Wohnungs-Einrichtung aus?

Mark Sakautzky: Als Feng-Shui-Berater betrachte ich die Wohnung als lebendigen Organismus. Sie stellt mir Energie zur Verfügung oder raubt sie mir. Letzteres ist beispielsweise bei einer Wohnung im Souterrain der Fall. Sie können im Keller keine Pflanze züchten, sie bekommt nicht genügend Licht und damit auch nicht genügend Energie. Die Pflanze ist ein Organismus, genau wie der Mensch. Beide brauchen Licht und Wasser. In einer Kellerwohnung wird die Energie nach unten gerichtet. Das muss nicht unbedingt schlecht sein: Eine hyperaktive Person, die in einer rot gestrichenen Dachgeschoss-Wohnung lebt, könnte man sogar gezielt in den Keller setzen, um sie zu erden.

Brigitte.de: Sie sagen, dass Feng Shui auch bei Finanzproblemen, Schwierigkeiten in der Beziehung oder einem Karrieretief helfen kann. Wie funktioniert das?

Mark Sakautzky: Das ist richtig. Ein Feng-Shui-Berater wird privat in der Regel für folgende Themen engagiert:

Partnerschaft, Erotik, Sex

Geld, Beruf, Karriere

Gesundheit

Ich nehme mal das Thema Partnerschaft als Beispiel: Ich komme in die Wohnung einer Frau und stelle fest, dass dort die männliche Seite viel zu stark betont ist. Das fängt außen am Haus an. Ist der Eingang, wenn ich davor stehe, auf der rechten, der männlichen, Seite und wachsen dort hohe Bäume, werden dort mehr männliche Qualitäten gelebt. Das zeigt sich zum Beispiel darin, dass die Frau eher businessorientiert ist oder eher Söhne als Töchter geboren werden. Die zufällige Wahl der Wohnung kann also sehr konkrete Auswirkungen haben. Solche Tendenzen verstärken sich beispielsweise noch, wenn auf der rechten Seite eine Eiche gepflanzt wurde - ein Baum, der für männliche Energie steht. Die Frau strahlt durch diese Energie meist zu viel männliches Qi aus, was ein Mann oft intuitiv fühlt und ihn Abstand nehmen lässt.

Ich sehe mir den Eingang an. Ist er einladend oder nicht? Welche Symbolik überwiegt im Haus? Welche Bilder gibt es? Bilder, die für Einsamkeit stehen, wie eine Frau von hinten oder ein Paar am Strand, das vom Betrachter weggeht? Welche Bücher stehen im Regal? Liebesromane oder Bücher über Selbstverwirklichung? Auf welcher Bettseite schläft die Frau? Auf der männlichen rechten Seite (wenn man vor dem Bett steht)? Welche Form hat die Wohnung? Fehlt möglicherweise die Südwest-Ecke, die für Partnerschaft steht, zum Beispiel, weil das Haus L-förmig angelegt ist und im Südwesten die Terrasse liegt? Wenn sich solche Symbole wiederholen, können das Zeichen für Beziehungsprobleme sein. Die weibliche Seite ist unterbetont. Nach außen macht die Bewohnerin alles, um eine Partnerschaft zu behindern. Unbewusst blockiert sie damit eine Beziehung.

Von Himmelsrichtungen und Beziehungsstress

Brigitte.de: Was hat der Südwesten damit zu tun, dass meine Partnerschaft unglücklich ist?

Mark Sakautzky: Die Himmelsrichtungen unterstützen bestimmte Prozesse, so etwas wurde in Tausenden von Jahren in der Natur beobachtet. Der Südwesten steht in diesem archetypischen Jahreskreislauf für die Erntezeit. Die Erntezeit wiederum, als die Zeit, in der für den Winter vorgesorgt wird, steht für Familie, Partnerschaft, Fürsorge. Daher ist es wichtig, vor allem die Südwest-Ecken in der Wohnung hübsch zu gestalten und mit Partnerschafts-Symbolik auszustatten. Das können Kerzen sein, Bilder, auf denen Paare abgebildet sind oder Kissen zum gemeinsamen Fallenlassen. Beim L-förmigen Haus mit Südwest-Terasse sollte man versuchen, die Terrasse mehr mit dem Haus zu verbinden. Idealerweise mit einem Wintergarten, aber auch eine Einrahmung der Terrasse mit Pflanzen ist eine gute Möglichkeit, die Partnerschafts-Ecke zu stärken.

Brigitte.de: Feng Shui ist eine asiatische Lehre. Kann man sie überhaupt so ohne Weiteres auf uns Europäer übertragen?

Mark Sakautzky: Ja. Denn es geht dabei um universelle Naturgesetze. Die gelten für einen Chinesen genauso wie für einen Holländer. Mit Feng Shui verbinden die meisten Menschen eine chinesische Symbolik - zum Beispiel die chinesische Münze, die man sich als Symbol für Reichtum an die Tür hängt. Wenn ein Kunde das mag, ist es in Ordnung. Dann funktioniert es auch. Falls nicht, entwickle ich mit ihm eine eigene Symbolsprache. Wie bei einer Kundin, die ich fragte, was sie mit Reichtum verbindet. Sie sagte "Freiheit" und dachte dabei an einen fliegenden Adler. Also hat sie Federn gesammelt und in eine Vase gesteckt. Meine Aufgabe war es dann, den idealen Platz für diese Vase zu berechnen, damit sie als Symbol des Reichtums wirken kann.

Mark Sakautzky ist Feng Shui Business Master Consultant. Er hat seinen Beruf in der Hamburger Feng Shui Schule gelernt und sich in der Feng Shui Eliteschule bei Master Chan Kun Wah weitergebildet. Er ist Inhaber der Internationalen Feng Shui Akademie. Dort werden Feng-Shui-Beratungen angeboten und Berater ausgebildet.

Den richtigen Berater finden

Wie finde ich einen Feng-Shui-Berater? Feng-Shui-Berater finden Sie im Internet beim Berufsverband für Feng Shui und Geomantie e.V. Die Qualifikationen werden vom Verband geprüft, die Mindestanforderung sind 18 Tage Ausbildung, meist handelt es sich um Wochenend-Seminare, so dass die Ausbildung insgesamt mehrere Monate dauert.

Worauf muss ich bei der Auswahl des Beraters achten? Erkunden Sie sich nach der Schule, bei der Berater seine Ausbildung gemacht hat. Qualifizierte Ausbildungs-Adressen finden Sie beim Verband.

Folgende Punkte sollten Sie bei der Auswahl außerdem berücksichtigen: Wie viel Erfahrung hat der Berater? Welche Projekte hat er schon gemacht? Kann er Referenzen vorweisen? Stimmt die Chemie? Bevor man das Komplettangebot bucht, sollte man ein bis zwei bezahlte Schnupperstunden in Anspruch nehmen.

Was kostet eine Feng-Shui-Beratung? Nach Angaben des Verbandes beginnen die Preise für eine Feng-Shui-Beratung - je nach Region und Aufwand - bei 60 bis 80 Euro pro Stunde. Wer eine Komplettberatung für die ganze Wohnung will, zahlt etwa 6 bis 8 Euro pro Quadratmeter.

Interview: Monika Herbst Fotos: privat

Wer hier schreibt:

Monika Herbst
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