Warum viele Frauen auf Yoga schwören

In ihren Schwangerschafts-Kursen bereitet die Berliner Yogalehrerin Patricia Thielemann werdende Mütter auf eine natürlich Geburt vor. Ein Gespräch über positiven Wehenschmerz und seelische Fitness.

BRIGITTE: Schwangerschaft und Yoga - für Sie die ideale Kombination. Warum?

Patricia Thielemann: Yoga ist hervorragend, um häufige und unangenehme Begleiterscheinungen einer Schwangerschaft zu lindern, wie Schmerzen im unteren Rücken, Sodbrennen und schwere Beine. Um das zusätzliche Gewicht während der Schwangerschaft tragen zu können, braucht man zudem kräftige Muskeln. Beim Schwangerschafts-Yoga werden vor allem die Beine trainiert, um den Körper zu entlasten. Bauch- und Rückenmuskeln, die sonst beim Yoga eine große Rolle spielen, dürfen dagegen während der Schwangerschaft nicht zusätzlich belastet werden. Durch Bauchübungen würde der Beckenboden unnötig geschwächt, außerdem würde man das Baby damit stressen und es kann sogar zu frühzeitigen Wehen kommen.

Regelmäßiges Yoga-Training soll auch die Geburt erleichtern. Wie funktioniert das?

Bei einer Geburt greifen Kraft und Hingabe ineinander. Man braucht Kraft, um ein Kind zur Welt zu bringen, muss aber gleichzeitig loslassen können, damit sich der Körper öffnet. Auf den Wehenschmerz reagieren allerdings viele Frauen instinktiv, indem sie verkrampfen. Damit behindern sie das Baby beim Weg nach draußen, statt es zu unterstützen. Die Geburten dauern auch deshalb oft so lange. Beim Yoga trainiert man, trotz Anstrengung mental und auch körperlich gelassen zu bleiben. Wenn das gut klappt, wird die Geburt zu einem sinnlich-positiven Erlebnis. Man ist dann nicht seinen Ängsten ausgeliefert, sondern hat die Kraft, sich der Herausforderung zu stellen.

Und nach der Geburt?

Auch nach der Geburt ist Yoga ideal - als spezielles postnatales Yoga-Programm. Die Mütter können etwa sechs Wochen nach der Geburt damit anfangen, wenn die ersten Rückbildungsübungen mit der Hebamme beendet sind. Für ein normales Sportprogramm ist es zu diesem Zeitpunkt noch zu früh. Der Beckenboden ist noch von der Schwangerschaft und der Geburt geschwächt, die Gelenke und Muskeln sind gelockert und die Mütter fühlen sich oft wie "auseinandergefallen". Das ändert sich nach einer Geburt auch nicht von heute auf morgen. Deshalb sollte man in den ersten sechs Monaten noch auf das gewohnte Training verzichten.

Dazu kommt, dass die Mütter meist müde und erschöpft sind, weil sie nachts alle paar Stunden aufstehen müssen, um das Baby zu versorgen. Ein normaler Fitnesskurs wäre ein großer Stress für sie - der auch dazu führen kann, dass die Milchproduktion nachlässt.

Beim Rückbildungs-Yoga werden all diese Faktoren berücksichtigt. Die Frau hat die Möglichkeit, aufzutanken und körperlich und seelisch wieder zu sich zu finden. Wichtig ist, dass die Psyche beim Yoga mit einbezogen wird. Die anstrengende Zeit fängt für die Frau ja meist erst nach der Geburt an - dann, wenn keiner mehr im Bus für sie aufsteht oder sich nach ihrem Befinden erkundigt. Sie muss das Kind versorgen, hat oft keine Zeit mehr für ihre eigenen Bedürfnisse und fühlt sich vielleicht unwohl, weil sie zugenommen hat. Gerade wenn sie erschöpft ist und das Gefühl hat, sie schafft das alles nicht mehr, gewinnt sie beim Yoga wieder Zuversicht und Vertrauen. Zum Beispiel bei der Tiefenentspannung, die den Frauen das Gefühl geben soll, sie werden von einer größeren Kraft getragen.

Gehen Frauen heute anders mit dem Thema Schwangerschaft und Geburt um?

Gerade in szenigen Berliner Vierteln, wo der Einkauf im Bio-Laden zum Lebensstil vieler Menschen dazu gehört, scheint es auch beim Thema Geburt eine Rückbesinnung zum Natürlichen zu geben. Die Frauen wollen sich nicht mehr komplett mit Medikamenten betäuben und die Geburt dann möglichst effizient hinter sich bringen. Viele verzichten bewusst auf eine PDA zur Schmerzlinderung, weil sie durch Yoga gelernt haben, mit dem Schmerz besser umzugehen. Sie wollen sich spüren und die Geburt richtig miterleben. Es gibt viele moderne, hippe Frauen, die heute wieder eine möglichst natürliche Geburt wollen.

Interview: Monika Herbst

Wer hier schreibt:

Monika Herbst

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