Sauna: Schwitzen für die Gesundheit

Können so viele Finnen irren? Nein. Wer jetzt regelmäßig in der Sauna schwitzt, ist weniger wetterfühlig und kommt gesund durch die kalte Jahreszeit. Tiefe Entspannung, guten Schlaf und schöne Haut gibt’s gratis dazu.

Finnland war schon immer ein Hot-Spot. Seit mehr als 1000 Jahren spielt die Sauna eine Hauptrolle im Leben der Menschen. Ein- bis zweimal die Woche zieht es die Nordländer in eines der 1,4 Millionen Holzhäuschen. Sogar in den Einzimmerwohnungen der Metropole Helsinki findet sich noch Platz – speziell dafür gibt es Mini-Saunen ab 1,5 Quadratmeter.

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Ein richtig gesunder Schlagabtausch

Hat die Temperatur auf der obersten Bank 85 bis 90 Grad erreicht, folgt eine halbe Stunde später, nach dem Duschen und sorgfältigen Abtrocknen, der erste Gang. Natürlich nackt. In Finnland gehen Männer und Frauen meist getrennt in die Sauna – und peitschen sich gern aus. Das heißt, man "quästet" den Rücken mit Birkenzweigen, um die Durchblutung zu fördern, die Muskeln zu lockern und den Schweißfluss anzuregen. Nach dem Schlagabtausch landen die Büschel im Aufgusseimer, geben ihr ätherisches Öl ans Wasser ab, das beim zweiten Gang als Aufguss über die Steine gegossen wird und einen frischen Duft verströmt. In der laublosen Zeit liegen Birkenzweige tiefgefroren in den Kühlzonen der Supermärkte bereit. Denn andere Aromen kommen den Finnen traditionell nicht in die Hütte. Die bei uns so beliebten Aufgüsse aus Latschenkiefer, Eukalyptus, Blutorange oder Limone haben bei ihnen keine Aufstiegschancen.

Eiskalte Erfrischung

Wenn die Sache zu heiß wird, führt der beste Weg nach unten. Auf der zweiten Stufe herrschen zwischen 70 und 80 Grad, ganz unten 60 bis 70. Um den Körper auf das Ende der Hitzeperiode vorzubereiten, etwa zwei Minuten vorher von der Rückenlage in eine aufrechte Position wechseln und die Füße baumeln lassen. Der erste Gang darf acht bis zwölf Minuten dauern, die nächsten beiden maximal 15. Finnische Faustregel: lieber kurz und heiß als lang und warm.

Nach dem Schwitzen stürzen sich die Kälte-Profis am liebsten in den See, selbst bei Minusgraden. Dann wird eben ein Loch ins Eis gehackt. Die mildere Variante: erst an der frischen Luft auf und ab gehen, um den Kreislauf in Schwung zu bringen, dann entweder unter die Schwalldusche stellen oder den Körper mit dem Schlauch abkühlen, immer in Richtung Herz. Ganz Abgehärtete gehen danach noch kurz ins Tauchbecken. Mit einem anschließenden etwa 40 Grad warmen Fußbad öffnen sich die Blutgefäße wieder. Die Hitze wird aus dem Inneren an die Hautoberfläche transportiert, der schlappmachende Nachschwitzeffekt gestoppt. In der 15- bis 30-minütigen Ruhephase kann sich der Körper dann, eingekuschelt in einen flauschigen Bademantel, erholen.

Mobile Abwehr

Während der drei Saunagänge bleiben zwischen einem halben und anderthalb Liter Flüssigkeit auf der Strecke. Zwischen den Gängen trinken ist trotzdem keine gute Idee – der Körper würde den Nachschub sofort wieder ausschwitzen, statt das überschüssige Gewebewasser aus der Tiefe mobilzumachen.

In der trockenen Hitze der Sauna steigt die Temperatur der Haut um etwa zehn, die des Körpers um etwa ein Grad. Die inneren Organe melden leichtes Fieber, Abwehrstoffe schwärmen aus, töten Viren und Bakterien. Durch die heiße Luft werden die Schleimhäute besser durchblutet, die Bronchien atmen auf. Die anschließende Abkühlung stimuliert Kreislauf und Stoff- wechsel – das stärkt die Abwehr. Wer regelmäßig einmal die Woche ausgiebig schwitzt, ist weniger wetterfühlig und seltener erkältet. Trieft die Nase schon, ist die Sauna tabu. Der Heiß-kalt-Wechsel würde den Infekt nur verschlimmern.

Hoher Blutdruck, schwache Venen und eine Schwangerschaft sind normalerweise keine Hindernisse, wenn die Temperaturunterschiede nicht zu extrem sind. Im Zweifelsfall aber lieber den Arzt fragen.

Was gibt es sonst noch?

Hier ein Überblick über die Alternativen zur klasssischen finnischen Sauna.

Sanarium: In dieser Mischform aus Sauna und Dampfbad liegt die Temperatur bei 60 Grad, die Luftfeuchtigkeit zwischen 40 und 45 Prozent. Das sanfte Schwitzen tut selbst bei hohem Blutdruck gut und soll ihn auf Dauer positiv beeinflussen. Manchmal vertiefen Vogelgezwitscher, Wassergegurgel oder Farblichtwechsel den Wellness-Effekt: Rot soll anregend auf Haut und Drüsen wirken, Gelb auf Stoffwechsel und Nerven. Grün dagegen soll harmonisch stimmen, Blau beruhigen.

Laconium: Die "kühle" Abwandlung der finnischen Sauna wird nicht heißer als 55 Grad und hat eine geringe Luftfeuchtigkeit. Das Laconium regt die Durchblutung sanft an und mobilisiert die Abwehrkräfte.

Caldarium: Bei freundlichen 45 Grad plus feuchten Kräuterdämpfen stehen Entspannung und Regeneration im Vordergrund. Die Haut und Atemwege werden gereinigt, Muskelverspannungen lösen sich.

Tepidarium: Bei einer Raumtemperatur von 30 bis 40 Grad spielt Zeit keine Rolle. Stundenlang lässt es sich auf den warmen Kacheln aushalten – vor der Sauna oder danach. Dabei wird das Immunsystem gestärkt, ohne dass es den Kreislauf belastet.

Russische Sauna In den Banjas werden die Ofensteine nur auf 60 Grad geheizt, die häufigen Wasseraufgüsse sorgen für feuchtes Tropenklima. Sanftes Abpeitschen mit in Wasser eingetauchten Birkenreisigbündeln durchblutet die Haut.

Dampfbad: Schon die alten Griechen schwitzten in der idealen Kombination aus Wärme (45 Grad) und Luftfeuchtigkeit (100 Prozent). Das feuchtwarme Klima entspannt, pflegt, macht eine rosige Haut und reinigt vor allem die Atemwege optimal.

Hamam Die angenehm feuchte Wärme des Hamam tut selbst Menschen mit Kreislaufproblemen oder erweiterten Äderchen gut. Bei milden 45 Grad wird der Körper in 20 bis 30 Minuten langsam erhitzt. Auf einem vorgewärmten Marmorblock folgen eine Seifen-massage und ein sanftes Peeling mit einem Ziegenlederhandschuh. Zwischendurch "schockt" der Bademeister die Haut mit kalten Güssen – bis zum Schluss alles porentief rein ist.

Rasulbad Das Zeremoniell aus der arabischen Badewelt ist eine gepflegte Schlammschlacht. In der Sauna wird der Körper mit verschie- denen Tonerdepasten eingerieben. Kräuterdampf aus dem moschee-ähnlichen Ofen erhitzt den Raum auf 50 Grad, die Luftfeuchtigkeit steigt auf 80 Prozent an. Durch das Verreiben der Schlämme werden Hautschüppchen gelöst. Eine warme Dusche spült die Haut anschließend blitzsauber, bevor sie mit pflegenden Ölen eingerieben wird.

Text: Faust/Lockstein Fotos: Sandra Mira Produktion: Birgit Potzkai
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