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Welche Sauna passt zu Ihnen?


Schon mal was vom Hamam gehört? Oder der mystischen Sweatlodge? Es gibt viele gesunde und entspannende Schwitz-Varianten. Wählen Sie, welche Sauna für Sie die Beste ist.

Das Thermometer zeigt 90 Grad, der Ofen zischt, und vor dem Fenster lächelt Buddha. Es hat etwas Beruhigendes, ihm beim Lächeln zuzusehen, während einem selbst der Schweiß vom Kinn tropft und der Duft von Zitrusfrüchten Nase und Seele umschmeichelt. Thermen, Saunen und Fitness-Studios setzen auf die meditative Ruhe und haben ein Stückchen Fernen Osten ins kalte Deutschland geholt. Aber nicht nur asiatische Saunen verführen zum Relaxen: In die Türkei, nach Irland oder Finnland schlurft man einfach in Badelatschen. Das Beste aus ein paar Jahrtausenden internationaler "Schwitz-Geschichte" sehen, riechen und fühlen Entspannungssuchende in den großen Wellness-Anlagen. Was können die verschiedenen Saunen und Bäder Gutes für Sie tun?

Ich will mich erfrischen und meine Muskeln lockern!

Da ist das Irische Dampfbad genau das Richtige. Denn dort liegt die Temperatur nur bei 45 bis 60 Grad, dafür ist die Luftfeuchtigkeit extrem hoch: bis zu 100 Prozent. So entsteht ein schwülwarmes Klima, das sich aber gut ertragen lässt. Besucher sollten trotzdem nicht länger sitzen bleiben als in der Sauna (also höchstens 12 bis 15 Minuten). Gelenke und Muskeln werden wieder beweglicher, außerdem wird die Haut gereinigt.

Ich möchte schonend meine Schönheit pflegen!

Dann sollten Sie es mit der Banja versuchen. Dort schwitzen die Russen bei etwa 70 Grad Wärme und recht feuchter Luft. Besonders angenehm: Auf dem Ofen in der Mitte des Raumes steht ein Wasserkessel, in dem Birkenzweige liegen. Der Birkensud duftet wunderbar und soll auch gut für Haut und Haare sein. Während eines richtigen russischen Banja-Rituals klopfen sich die Schwitzenden gegenseitig mit den eingeweichten Birkenzweigen ab; das regt die Durchblutung an. Ein Eis-Abrieb und die Teezeremonie beenden das Ritual.

Ich möchte meiner Seele eine Pause gönnen!

Ideal dazu ist die mystische Sweatlodge. Über 4000 Jahre alt soll es sein, das indianische Schwitzhüttenritual. Der Ablauf: Im Tipi, einem Zelt aus Holzstangen, Decken und Fellen, werden glühend heiße Steine aufgeschichtet. Der Zeremonienmeister macht einen Aufguss mit Wasser und Kräuterölen. Etwa nach 15 Minuten verlassen die Teilnehmer das Zelt und kühlen sich an der Luft ab. Oft ist die Zeremonie mit rituellen Handlungen verbunden, die böse Geister vertreiben sollen. Die körperliche Wirkung der Sweatlodge ist in etwa der des Dampfbades oder der Banja vergleichbar.

Ich möchte mein Immunsystem stärken!

Schwitzen Sie in der Finnischen Sauna. Ihre Daten: zwischen 80 und 100 Grad heiß, mit relativ geringer Luftfeuchtigkeit. Durch diese Kombination aus hoher Temperatur und wenig Dampf schwitzt man ziemlich schnell. Und das ist gut für die Gesundheit: In zahlreichen Untersuchungen haben Ärzte nachgewiesen, dass regelmäßige Besuche in der finnischen Sauna das Immunsystem stärken, die Haut reinigen und sogar, zumindest kurzfristig, den Blutdruck senken können.

Ich möchte eine Haut wie Samt und Seide!

Probieren Sie am besten das ägyptische Rasulbad (Rhassoul) aus. Diese Heilerde-Behandlung stammt aus dem Land der Pharaonen. Das Prinzip: Ein Bademeister, der Partner oder die Partnerin reibt den Gast mit verschiedenen Heilschlämmen am ganzen Körper ein. Dann ab ins Kräuterdampfbad. Nach einer kurzen Gewöhnungsphase wird der Schlamm noch mal sanft einmassiert, so dass sich seine Wirkstoffe entfalten. Zum Schluss eine Dusche, anschließend geht's in den Ruheraum. Die Kombi aus Schlamm, Wärme und Feuchtigkeit löst Muskelverkrampfungen, stimuliert das Immunsystem und reinigt die Haut besonders zart.

Ich möchte tiefe Reinigung und Muskelentspannung!

Die gibt's im türkischen Hamam. Das Hamam-Ritual kann 45 Minuten und länger dauern. Die Besucher entspannen sich zunächst im Ruheraum bei Zimmertemperatur, anschließend in einem etwa 40 Grad warmen Zimmer. Dann erst gehen sie in das Dampfbad, wo sie rund 20 Minuten in feuchter Wärme sitzen. Nun ruft der Tellak den Gast zur Massagebank, knetet den Körper durch, reibt ihn mit Seife ein und mit einem Handschuh aus Ziegenhaar ab. Hamam-Fans schwärmen, dass die Muskeln herrlich locker werden und die Haut rosig schimmert.

Ich möchte meinem Körper mal so richtig einheizen!

Wählen Sie die Erd(wall)sauna. Sie ist teilweise in die Erde eingelassen, oft ist das Dach begrünt. Ihre Wände sind aus altem Kiefernholz, in der Mitte des Raumes brennt ein offenes Holzfeuer. Das verströmt angenehmen Holzgeruch und lässt die Temperaturen auf über 100 Grad ansteigen. Die Luftfeuchtigkeit ist sehr niedrig, weshalb sich die Hitze gut ertragen lässt. Die Erdsauna ist gut für das Immunsystem und die Haut.

Vorsicht, Aufguss!

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Von Eukalyptus über Ingwer bis Zitrone - in fast allen Saunen gibt der Bademeister Aromaöl ins Aufgusswasser. Professor Dietrich Wabner, Chemiker an der TU München und Experte für ätherische Öle, sieht diesen Trend kritisch.

BRIGITTE: Was können Aromaöle in der Sauna bewirken?

Prof. Wabner: Eine Menge. Denn je höher die Hitze, desto intensiver der Effekt des Öls auf den Menschen. Es gerät viel schneller in die Haut und in die Atemwege als etwa beim Einreiben bei Zimmertemperatur. Das Problem dabei: In einer Saunakabine sitzen bis zu 20 Leute. Jeder und jede hat individuelle Bedürfnisse, Krankheiten, Empfindlichkeiten. Es kann also sein, dass fünf Leute gesundheitlich von einem bestimmten Aufgussöl profitieren und fünf andere darunter leiden. Die Gefahr von Aroma-Aufgüssen sollte man nicht unterschätzen. Wenn Sie zum Beispiel unter Bluthochdruck leiden und dann in eine Sauna kommen, in der mit Rosmarinöl aufgegossen wird, dann kann das Ihren Blutdruck so stark in die Höhe treiben, dass Sie im Extremfall sterben können.

BRIGITTE: Wie wendet man Aromaöle in der Sauna sinnvoll an?

Prof. Wabner: Vom gleichen Öl für alle im Aufgusswasser rate ich ab. Aber wenn Sie die Öle gezielt anwenden, können Sie die stärkere Wirkung positiv für sich nutzen. Klären Sie mit einem Aromatherapeuten, welche Öle für Sie gut sind. Und massieren Sie die dann vor dem Saunagang ein - etwa auf dem Rücken oder den Armen. So können Sie sich etwas Gutes tun. Und die anderen Saunabesucher freuen sich, weil es so gut riecht. Keine Sorge: Die Dosis, die Ihre Banknachbarn abbekommen, ist gering. Sie sind also keine Gefahr für die Gesundheit der anderen Gäste.

Ein Artikel aus der BRIGITTE Fotos: Mondadori/ Picture Press (1), Visum/ Günter Standl (1)

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