Sensation: Zweiter HIV-Patient von tödlichen Viren befreit

In England wurde ein HIV-Patient von den Viren befreit. Damit ist er der zweite Mensch weltweit, bei dem die tödliche Krankheit vorerst besiegt wurde. Die Ärzte wendeten eine Stammzellen-Transplantation an.

Es ist eine Sensation in der Welt der Medizin: In London gelang es einem Team von Ärzten, einen HIV-Patienten von den Viren komplett zu befreien. Darüber berichten Wissenschaftler im Fachmagazin Nature.

Dem betroffenen HIV-Patienten, bei dem die Krankheit 2003 diagnostiziert wurde, wurden Knochenmark-Stammzellen eines Spenders transplantiert. Seit knapp 19 Monaten ist er nun virenfrei. "Wir konnten bisher keinen HI-Virus nachweisen. Aber es ist noch zu früh, ihn als geheilt zu bezeichnen", erklärte der Studienautor und Biologe Ravindra Gupta von der Cambridge University.

Seit 19 Monaten frei von HIV

Der Stammzellenspender verfügt über eine genetische Veränderung, die ihn resistent gegen eine HIV-Infektion eines bestimmten Stamms macht. Durch die Transplantation seiner Stammzellen an den HIV-Patienten wurde dieser anscheinend ebenfalls resistent gegen das HI-Virus.

Der Knochenmark-Transplantation folgte eine sogenannte antiretrovirale Therapie. Das heißt: 16 Monate lang medikamentöse Behandlung. Die Arzneimittel stoppten dabei die Vermehrung bereits HIV-befallener Zellen.

Nähere Informationen zum Patienten geben die Wissenschaftler aufgrund der Wahrung seiner Privatsphäre nicht bekannt. Er wird nun bekannt als der "Londoner Patient".

Berliner Patient, Londoner Patient, Mississippi Baby

Der erste Mensch, der vom HI-Virus befreit wurde, war der "Berliner Patient" Timothy Ray Brown, der an Leukämie litt und im Jahr 2008 an der Charité Berlin-Steglitz behandelt wurde. Auch er erhielt damals eine Stammzellen-Transplantation eines HIV-resistenten Spenders. Diese Mutation des sogenannten CCR5-Gens ist allerdings sehr selten, die Rede ist von einem Glücksfall.

Von einer vollständigen Heilung kann allerdings (noch) nicht die Rede sein. In zwei anderen Fällen, einem Patienten aus Essen und dem "Mississippi Baby", galten die Betroffenen zunächst als geheilt, jedoch kehrte das HI-Virus nach einiger Zeit wieder (beim Mississippi Baby etwa nach zwei Jahren).

Die Stammzellentransplantation gilt als massiver operativer Eingriff mit hohen Risiken für den Patienten (und ggf. auch den Spender). Deswegen kommt die Transplantation bei HIV-Patienten nur dann in Frage, wenn sie eine weitere Krankheit des Patienten heilen vermag. Im Fall des Londoner Patienten war es Lymphdrüsenkrebs. Für Patienten, die "nur" HIV haben, ist die Stammzellentransplantation zu risikoreich.

Weltweit leben etwa 37 Millionen Menschen mit dem HI-Virus; rund eine Million Infizierte sterben jedes Jahr an den Folgen.

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