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"Ein Dresscode kann befreiend sein" So trittst du immer stilvoll auf

Dresscode: Braut mit Gästen
© rawpixel.com / Shutterstock
Gastgeber:in oder eingeladen sein – da kommen Fragen auf. Anne Petersen, Redaktionsleiterin von "Salon", verrät, wie ein Auftritt mit Stil gelingt.

Zum guten Stil gehören ein guter Charakter und soziale Kompetenz, sagt nicht nur Guido. Worauf kommt es an?
Aufmerksamkeit ist für mich der Schlüssel. Gerade in unserer heutigen Zeit, in der wir immer abgelenkter werden, zum Beispiel durch die digitalen Medien. Indem man sich auf sein Gegenüber wirklich einlässt, zollt man ihm Respekt. Wirklich zuhören, sich Namen merken, das alles gehört dazu. Und Augenkontakt! Aufs Handy zu schauen, wenn man im Café etwas bestellt, das ist stillos.

Hat Corona etwas an stilvollem Verhalten verändert?
Durch die Pandemie sind wir alle auf Abstand gegangen. Interessant ist, wie es nach der Pandemie weitergehen wird. Ich hoffe, das Händeschütteln kommt zurück. Es ist eine ideale Zwischenform, mit der man Verbundenheit und Wohlwollen ausdrücken kann, ohne wildfremde Menschen gleich zu umarmen oder zu küssen.

Früher sprach man von Etikette, das war elitär. Was würde man heute sagen?
Freundlichkeit trifft es vielleicht. Etikette ist ein archaisches Wort, genauso wie Knigge. Der Herr muss der Dame schon lange nicht mehr die Tür aufhalten. Das ändert aber nichts daran, dass es generell eine nette Geste ist, jemandem den Vortritt zu lassen. 

Ich halte es grundsätzlich für die Pflicht des Gastgebers, seine Gäste nicht im unklaren zu lassen.

Oder sich höflichst vorzustellen. 
In Geschäftsbeziehungen oder auf Partys macht es Sinn, Menschen einander vorzustellen. Es geht darum, zwei Personen zusammenzubringen, die sich bisher nicht kannten. Man stellt beide mit Namen vor und einem begleitenden Satz, der die Person beschreibt. In der Gruppe zuerst den "Ranghöchsten" oder die Frauen vorzustellen ist aber völlig veraltet. 

Wie kriegt man raus, was man zu einer Einladung anziehen soll?
Ich halte es grundsätzlich für die Pflicht des Gastgebers, seine Gäste nicht im Unklaren zu lassen.

Im Internet finden sich massenweise glamouröse Partystyles, etwa auf dresscode-guide.de…
Eine Feier ist ja etwas Besonderes, da kann man auch glitzern, sich freuen, dass alle gut aussehen. Regeln sind hilfreich, wenn man keinen kennt. Das nimmt die Unsicherheit. Ich bin auch Fan von Mottopartys. Wenn alle sich ein wenig lächerlich machen, nimmt sich keiner allzu ernst – beste Voraussetzungen für ein schönes Fest.

Pralinen, Blumen von der Tanke oder lieber gar kein Mitbringsel?
Das schönste Geschenk ist man doch selbst – und gerade nach diesen Zeiten wird es das Größte sein, sich wieder zu sehen. Wenn man eine gute Idee hat, die den Gastgeber freut, etwa ein Buch, das man selbst toll findet, ist das aber eine nette und persönliche Geste. Oder schon am Tag vorher Blumen schicken. Mit Karte: "Vielen Dank für die Einladung, ich freue mich jetzt schon…!". Das finde ich originell. 

Muss man Tischregeln kennen?
Ich sage immer, der perfekte Tisch ist unperfekt – das nimmt auch allen Gästen die Angst, sich zu blamieren. 

Und wie kommt man sauber vom Hof, wenn die Party doof ist?
Man sollte schon etwas ausharren, Notlügen sind aber erlaubt: ein Termin am nächsten Morgen… und tschüs.

Dieser Artikel erschien ursprünglich im Guido Heft Nr. 05/2021.

Guido

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