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WOOW.Club Gründerin Farina teilt ihre Tipps für's Online-Shopping

WOOW.Club: Gründerin Farina Spiess
© nach Herzenslust Fotografie
Kurz bestellen, anprobieren und am Ende doch zurückschicken, weil es nicht das Richtige ist? Dass das auf Dauer frustrierend ist, weiß auch WOOW.Club-Gründerin Farina Spiess und teilt mit uns ihre besten Tipps für's Online-Shopping.

Nicht immer wissen wir, was uns eigentlich an Farben, Mustern und Schnitten alles steht – oder auch nicht. Dass das der Fall ist, entpuppt sich spätestens in folgenden Szenarien: Unser Herz geht auf, sobald der Postbote uns an der Tür das langersehnte Päckchen überreicht. Und wird anschließend gebrochen, denn irgendwie... sieht's doof aus. Damit dieses Gefühl nicht zur Regel wird, hat Farina Spiess WOOW.Club gegründet. Eine Plattform, die mit Hilfe künstlicher Intelligenz anhand eines Selfies erkennen kann, welche Farben toll an uns aussehen. Nebenbei werden Konsument:innen dazu angeregt sich selbst mehr Fragen zu stellen. Denn das soll helfen! Wie wir uns das Online-Shoppen noch erleichtern können, verrät Farina im Interview:

GUIDO: Wann und wie entstand die Idee, WOOW.Club zu gründen?
Farina: Ich habe in London eine Ausbildung zur Farb- und Stilberaterin gemacht. Das Ergebnis war, dass ich zu mir selbst gefunden habe, was dazu führt, dass sich mein Einkaufsverhalten verändert hat und so weiter. Irgendwann sagte mein Bruder: „Wenn du mir aufgrund von einem Selfie so viel über einen Menschen sagen kannst, dann kann das künstliche Intelligenz auch“ Das war der Startschuss für das ganze Thema. Ich kann mittlerweile zu 80 % garantieren, dass man Komplimente bekommt, wenn man seine Farben trägt. Wir wollen einfach den maximalen Wow-Effekt über den Workshop und die Analyse ermöglichen.

Tragen wir mit diesem Wissen zu nachhaltigerem Online-Shopping bei?
Je mehr du über dich weißt, desto bessere Einkaufsentscheidungen kannst du treffen. Für mich ist es die oberste Priorität von nachhaltigerem Online-Shopping, Dinge zu kaufen, die ich zu 100 Prozent liebe. Diese Sachen pflegen wir dann auch besser, um mehr von ihnen zu haben. Es geht immer darum, beim nächsten Einkauf das Ganze besser machen zu können. Wir sind gerade in diesem Umbruch: Sowohl als Konsument als auch Brand.

Wir müssen uns mehr mit dem Selbst beschäftigen, anstatt immer Input von außen zu holen.

Und was sind deiner Meinung nach die größten Schwierigkeiten, denen wir beim Online-Shopping begegnen?
Falsche Inspirationen. Es ist wichtig, den Switch zu machen und sich zu fragen: „An dir ist es total schön. Aber kann ich es mir auch an mir vorstellen?“ Eine weitere Herausforderung ist die Qualität: Entspricht sie meinen Erwartungen? Wir müssen vorab bestimmte Dinge über Stofflichkeiten und uns selbst wissen. Kaufe ich beispielsweise für meinen Figurtyp eine Hose, muss ich darauf achten, dass Elastan drin ist, sonst wird sie mir nicht passen. Was ebenfalls zum Problem werden kann, sind große Multi-Brand-Plattformen, die versuchen, möglichst viel Auswahl zu bieten. Aber das macht es nicht leichter.

Hast du Tipps und Tricks, um falsche Inspiration zu umgehen oder beheben?
Wir müssen uns mehr mit dem Selbst beschäftigen, anstatt immer Input von außen zu holen. Frag dich: Wie möchte ich wirken? Wie komme ich rüber? Wie wird auf mich reagiert? Ich finde es auch hilfreich, wenn man sich beispielsweise Influencer sucht, die einen ähnlichen Körperbau haben. Daran erkennt man die Passform und die Wahrscheinlichkeit, dass es einem selbst auch steht, ist höher.

Gibt es denn Pieces, von denen du eher abraten würdest, sie online zu kaufen?
Die Mode schneidet fast immer auf die Sanduhrform. Hat man eine abweichende Figurform, finde ich Hosen superschwierig zu kaufen. Ansonsten lässt sich vieles online gut kaufen, dank des technologischen Fortschritts. Ein Beispiel hierfür sind virtuelle Try-Ons für Lippenstifte. Da finde ich tatsächlich, dass es mittlerweile gut funktioniert.

Bei Unsicherheit entsteht die Verlockung, verschiedene Größen zu bestellen, um am Ende alles zurückzuschicken, was doch nicht passt. Worauf können wir achten, damit und das nicht passiert?
Einen guten Hinweis liefern die Größenangaben des Models unter dem Produkt. Dann müssen wir uns im Klaren darüber sein, welche Körperstellen betont oder kaschiert werden sollen. Ein absoluter Gamechanger: Wissen, welche Stoffe zum Figurtyp passen. Mit Videos erkennst du gut, wie sich Materialen bei Bewegung verhalten. Wenn ich zum Beispiel sehr ausgeprägte Schultern habe, würde ich zu einem Plisseerock greifen, der bisschen an der Hüfte aufträgt. Dadurch komme ich den Schultern entgegen. X-förmige Figurtypen sollten die schmalste Stelle des Körpers, die Taille, betonen. Das sieht am vorteilhaftesten aus. Bei einem Kleid, das relativ gerade geschnitten ist, empfehle ich einen Gürtel. Oder ein Modell, das bereits einen Gummizug zur Verengung hat.

Welche Farben eignen sich für den Einstieg in kräftige Töne?
Blau. Mit der Farbe kann nicht viel verkehrt gemacht werden. Deshalb ist sie ein guter Einstieg. Wenn es zu einem passt, eignen sich auch dunkle Rottöne wie Burgunder. Oder Pastelltöne sowie Abstufungen von Weiß. Alles, was von ganz dunkel und ganz hell in Richtung Mitte geht. Denn je kräftiger und leuchtender die Farben werden, desto auffälliger ist es natürlich.

Ein kleiner Geheimtipp ist auch, sich alte Bilder von sich anzugucken.

Angenommen, ich habe mich getraut, ein gelbes Teil zu kaufen. Muss ich jetzt noch mehr gelbe Sachen kaufen, um das irgendwie miteinander stylen zu können?
Mit einer guten Garderobe lässt sich das oft vermeiden. Es ist wichtig, dass du eben alles miteinander kombinieren kannst. Dafür eignen sich Kleidungsstücke in Basis-Farben: Weiß, schwarz, grau, beige. Die lassen sich mit kräftigen Farben gut tragen. Überlege auch bevor du dein gelbes Teil kaufst, was dein Schrank für Kombinationsmöglichkeiten bietet. Wenn du nichts hast, dieses Teil aber trotzdem willst, würde ich zusätzlich nach etwas schauen, das dazu passt. Und im besten Fall zu anderen Dingen.

Wenn wir die Styling-Hürde gemeistert haben, folgt eine weitere König:innendisziplin: Make-up. Hast du hier Tipps für uns, wie wir das erfolgreich online shoppen können?
Foundation ist natürlich nicht so geeignet, online zu shoppen. Aber es gibt allgemeine Tipps für ein typgerechtes Make-up. Wähle nie einen Lippenstift, der heller ist als deine Lippenfarbe. Der wird prinzipiell immer zu hell sein. Schwarze Wimperntusche und Eyeliner sind übrigens nicht für jeden was: Bei vielen sieht braun besser aus, weil es dem natürlichen Farbton näherkommt. Dadurch lassen sich vor allem grüne und blaue Augen betonen.

Gibt es noch etwas, das wir zusätzlich tun können, um unseren Stil zu finden?
Sich selbst Fragen stellen: Was muss ein Kleidungsstück für mich mitbringen, dass ich es gerne anziehe und mir selbst gefalle? Was ist mir im Alltag oder Büro wichtig? Soll es bequem sein oder auffällig? Ein kleiner Geheimtipp ist auch, sich alte Bilder von sich anzugucken. Wie wirken wir darauf, gefällt uns der Look oder geht das gar nicht? Oftmals merkt man selbst nämlich gar nicht, wie man sich weiterentwickelt oder verändert hat.

Guido

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