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Beauty + Feminismus "Ich möchte das Narrativ der frustrierten ungepflegten Feministin nicht füttern"

Interview: Tara Wittwer
Autorin, Aktivistin, Influencerin, Kulturwissenschaftlerin: Tara Wittwer.
© Pantene Pro-V / PR
Tara Wittwer ist Kulturwissenschaftlerin, Autorin, Coachin für toxische Beziehungen, Influencerin und Feministin. Im Interview erklärt sie, warum sich das nicht gegenseitig ausschließen muss.

"Wenn ich 'nein' sage, dann heißt es nein. Es heißt nicht: 'Versuche es härter' oder: 'Überzeuge mich'. Es heißt 'nein'", macht Tara-Louise Wittwer in einem ihrer Posts deutlich und räumt mit verbreiteten Gender-Klischees auf Instagram und TikTok auf.

Auf den beiden Social-Media-Plattformen veröffentlicht sie regelmäßig humorvolle Videos, die toxische Beziehungen und Männlichkeit verdeutlichen und eine klare Message haben: Wer dich klein hält, hat nichts in deinem Leben verloren! Mit 160.000 Follower:innen auf Instagram und über 60.000 auf TikTok scheint diese Message sehr gut aufgenommen zu werden. Im Rahmen der neuen Pantene Pro-V "Miracle Serum"-Pflegekollektion sprachen wir mit Tara über toxische Beziehungen, ihre Inspirationen und wie Haarpflegeprodukte und Feminismus zusammenpassen. 

GUIDO: Tara, auf deinem Instagram- und TikTok-Account machst du auf satirisch-humorvolle Weise auf Gender-Klischees und toxische Verhaltensweisen von Männern aufmerksam. Wie kamst du auf die Idee?

Tara Wittwer: Ich habe mich schon lange mit toxischen Beziehungen beschäftigt, aber habe gemerkt, dass solche Klischees vor allem auch durch Popkultur und Medien geschürt werden. Da ich Kulturwissenschaftlerin bin, interessiert mich natürlich auch, wie soziale und gesellschaftliche Normen entstehen und was kollektive Identitäten mit kulturellen Einflüssen zu tun haben. Und weil diese Typen mich nerven! 

Machst du selbst auch heute noch regelmäßig solche Erfahrungen oder erkennst du die "red flags" (zu Deutsch: "Alarmglocken") schon frühzeitig?

Ich erkenne red flags definitiv frühzeitig, gebe aber immer eine weitere Chance, weil Dinge manchmal auch falsch verstanden werden können oder unglücklich ausgedrückt worden sind. Ich gebe aber eben keine 20 Chancen mehr – dafür bin ich mir mittlerweile zu viel wert. 

Wenn eine Frau freizügig sein möchte, dann ist das so. Wenn eine Frau Erfüllung in Care-Arbeit findet für ihren Ehemann und ihre zwei Kinder, dann ist das so. Das sollte alles möglich sein – ohne Be- oder Verurteilung von außen.

Apropos "red flags": Woran erkennt man, dass die Person, die man gerade datet, einem nicht guttut? Selten sind die Anzeichen ja (hoffentlich) so überzogen, wie du sie in deinen Videos darstellst? Oder braucht es gar keine satirische Übertreibung und sind manche Menschen (oder auch Männer) wirklich so?

Manche Menschen sind definitiv wirklich so. Leider. Die meinen das dann so und wenn ich es anspreche, bin ich eine "Dramaqueen" oder "hysterisch". Aber natürlich geht das auch viel subtiler. Misogynie – also Frauenhass - wird ja nicht umsonst oft "internalisierte Misogynie" genannt, also eben verinnerlicht, nicht sofort sichtbar. 

In deinen Videos werden unterschiedliche Frauenklischees aufgegriffen und reflektiert: Die "Hausfrau" ist hierbei nicht weniger wertig als die "Freizügige" und andersherum. Was bedeutet für dich in diesem Kontext Feminismus?

Feminismus bedeutet Gleichberechtigung. Das heißt, jeder Mensch hat die freie Wahl das zu sein, was er:sie sein möchte. Wenn eine Frau freizügig sein möchte, dann ist das so. Wenn eine Frau Erfüllung in Care-Arbeit findet für ihren Ehemann und ihre zwei Kinder, dann ist das so. Das sollte alles möglich sein – ohne Be- oder Verurteilung von außen.

Du bist Teil der #PowerofHair Kampagne von Pantene Pro-V. Warum hast du dich für eine Zusammenarbeit entschieden und wie gehst du mit User:innen um, die Werbung für Beauty-Produkte auf einem feministischen Kanal wie deinen kritisieren?

Ich mag dieses Klischee, dass Feminismus und das Interesse für Beauty-Produkte nicht zusammengehören, nicht. Ich fühle mich persönlich zum Beispiel selbstbewusst und stark, wenn ich richtig fluffige, voluminöse Haare habe. Das ist ja irgendwie auch mein Markenzeichen und passt zur Mission der #PowerOfHair von Pantene, allen Menschen jeden Tag einen Great Hair Day zu ermöglichen und dadurch die eigene innere Stärke zu entdecken und seinen eigenen Weg zu gehen.

Außerdem möchte ich das Narrativ von "Feministinnen gehen einmal die Woche duschen und sind frustriert und ungepflegt" nicht füttern – es stimmte übrigens noch nie, aber mächtige Frauen müssen ja irgendwas sein, wenn Leute Angst vor ihnen kriegen. Und meist war es dann einfach "hässlich" – nicht wissend, dass es keine Beleidigung ist, die trifft oder sogar zutrifft. Auf keine Frau übrigens, dafür mag ich Frauen viel zu sehr. 

Verwendete Quellen: Interview

Guido

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