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Marlies Möller Im Gespräch mit Guido

Marlies Möller: Gemeinsam mit Guido
© Enver Hirsch / Guido
Wenn jemand diese Frage stellt, hat man alles richtig gemacht, sagt die Friseur-Ikone Marlies Möller, 86. Sie und Guido kennen sich schon viele Jahre, er schätzt unter anderem ihr gutes Auge in Stilfragen. Ein Gespräch über eine ungewöhnliche Karriere, den perfekten Haarschnitt und Föhnfrisuren.

Liebe Marlies, so schön, dass du heute hier bist! Wir haben uns ja auf einer Kreuzfahrt vor ungefähr 15 Jahren kennengelernt, bei der wir beide als Modeexperten an Bord waren. Du hast meiner Freundin Annette Schneider eine so tolle Frisur geschnitten, die sie aber leider nie geföhnt hat. (lacht) Ich schreibe darüber auch im Editorial dieses Heftes.
Marlies Möller: Dabei ist Föhnen ist das A und O, fünf Minuten reichen schon. Das bringt Glanz, das Haar sieht nicht mehr struppig aus.

Kannst du von Weitem erkennen, wer föhnt und wer nicht? 
Ja, das sehe ich sofort! 

Hamburg ist auch eine Föhnstadt, finde ich! Obwohl hier so viel Wind ist, sieht man viele Frauen, die Föhnfrisuren haben. Als ich mal bei dir im Salon war zum Haareschneiden, kamen Kundinnen sogar nur zum Föhnen!
Ja, aber die Zeiten sind vorbei. Ganz früher kamen die Frauen sogar zum Kämmen! 

Marlies, du bist wirklich eine Haar-Ikone und hast die unterschiedlichsten Zeiten erlebt. Und ich würde sagen, du hast den Frauen einen neuen, emanzipierten Look geschenkt, indem du gezeigt hast: Es geht auch mit kürzeren Haaren. Wie hat das bei dir eigentlich alles angefangen? Wann hast du dieses Gefühl für Haare entwickelt? 
Ich habe schon als Kind immer mit Lockenwicklern geschlafen. Und bei uns kam regelmäßig ein Friseur ins Haus, dem habe ich neugierig zugeguckt. Aber eigentlich wollte ich in die Mode gehen. Doch meine ältere Schwester konnte viel besser zeichnen als ich, das muss man als Designerin ja können. Da habe ich gedacht, ich möchte nicht dauernd mit ihr konkurrieren, sie ist einfach besser. Also habe ich mich für Haare entschieden.

Und eine klassische Lehre angefangen …
Ja, ich habe eine ganz klassische Friseurlehre gemacht, drei Jahre in einem kleinen Salon, mit Kaffeekochen, Wäsche waschen und 30 D-Mark Verdienst im Monat. Das war so Anfang der 50er-Jahre. Danach bin ich zu einem sehr guten Friseur am Jungfernstieg in Hamburg gegangen. Zwischendurch habe ich noch am Wochenende bei meinem Schwager am Theater als Maskenbildnerin gearbeitet, von da ging es dann zum Fernsehen. So bin ich schließlich auch an die Prominenten rangekommen. Kontakte sind das A und O.

Mein Geheimnis war vielleicht, dass ich das, was ich verkauft habe, immer vorgelebt habe.

Kannst du dich noch erinnern, wer deine erste prominente Kundin war?
Margot Eskens, die hat 1966 den deutschen Beitrag für die erste Eurovisionssendung gesungen, und ich durfte Haare und Make-up machen!

Wann hast du dich dann selbstständig gemacht? 
Das war 1961, in einem ehemaligen Kohlenkeller einer Patriziervilla. Der Friseur, bei dem ich sieben Jahre lang gearbeitet hatte, war mir nicht fortschrittlich genug, und ich wollte was Eigenes machen. 

Das war damals ein wirklich ungewöhnlicher Schritt für eine Frau! Aber du hast einfach sehr früh verstanden, dass Haare Inszenierung sind und ein wichtiger Teil eines Looks. 
Ich habe bei Modenschauen die Haare frisiert und war einfach sehr umtriebig. Ich habe auch für Zeitschriften, wie zum Beispiel die „Brigitte“, gearbeitet. So hat sich das dann rumgesprochen. Schließlich ist eine Empfehlung immer die allerbeste Werbung. Wenn jemand fragt: „Bei welchem Friseur waren Sie?“, hat man alles richtig gemacht. Ich weiß noch, wie ich bei einer Show mal einen Wet-Look kreiert habe, das war damals vollkommen verrückt. 

Und muss man allerdings auch sagen, dass Hamburg sehr speziell ist und für einen besonderen Look steht. Modern, aber trotzdem konservativ. Sehr diskret, dabei aber auch nicht zu spießig. Würdest du sagen, dass du genau die Richtige warst für diese nicht ganz so einfache Kundschaft? Was braucht es, um hier erfolgreich zu sein? 
Mein Geheimnis war vielleicht, dass ich das, was ich verkauft habe, immer vorgelebt habe. Ich habe bei mir selbst immer was verändert: andere Farbe, anderen Look, andere Länge. Ich finde, jede Frau sollte in ihrem Leben einmal blond, braun, rot und schwarz gewesen sein. Ich selbst habe mindestens 100 verschiedene Frisuren getragen, aber das Wichtigste ist: Man kann eine Marlies-Möller-Frisur immer erkennen. 

Auf jeden Fall! Du hast einfach Proportionen verstanden. Du schneidest ja auch trocken und nicht nass. Warum? 
Nass sind alle Haare gleich, aber beim Trockenschneiden sehe ich sofort, wie die Frisur hinterher aussehen wird, und die Kundin ist nicht total überrascht. 

Du bist außerdem Pionierin, weil du eigene Produkte entwickelt und eine eigene Marke geschaffen hast. Das war damals total emanzipiert und mutig. 
Ich hatte einfach immer eine klare Vorstellung davon, wo ich hinwollte. Und ich mochte keinen Stillstand. Ich hatte immer die Einstellung: Geschafft hat man es nie. Und ich bin beruflich durch die ganze Welt gereist, das war toll. 

Du bist wirklich eine, die immer weitergegangen ist … 
Ja, auch jetzt noch. Ich muss auch immer weitergehen. Mittlerweile macht allerdings mein Sohn Christian das Geschäft, der ist auch so gepolt. 

Woher, glaubst du, kommt diese Energie? 
Ich bin ein doppelter Schütze. (lacht) 

Du hattest immerhin auch noch einen Mann und zwei Kinder. Wie hast du das alles unter einen Hut bekommen?
Mein Mann hat in der Firma mitgearbeitet, der war für den kaufmännischen Teil zuständig, Zahlen sind nicht so meins. Und dann hatten wir zum großen Glück alles unter einem Dach. Die Villa am Mittelweg, in der unser Salon war, war auch unser Zuhause. Und meine Eltern haben mich immer unterstützt. 

Ist denn bei dir auch mal was schiefgegangen?
Ich hatte mal in Paris eine neue Methode gesehen, um Strähnchen heller zu färben. Das waren so kleine Hütchen, durch die man dann strähnchenweise die Haare zog. Ich war total begeistert und habe das direkt bei einer Kundin angewendet. Ich nehme das Hütchen ab und die Haare gehen mit aus! Die war zwischendurch noch mal zur Dauerwelle da gewesen, und da waren die Prozente, die ich genommen habe, völlig falsch. Ich bin fast im Boden versunken. 

Du musst ja auch was von Chemie verstehen! Apropos Chemie: Was sagst du denn eigentlich zu diesen älteren grauhaarigen Frauen, die so einen Lilastich im Haar haben. Top oder Flop? 
Doch, das ist interessant. Das ist so ein typischer Amerikanerinnenstyle, das kann sehr gut aussehen. Und Farben sind eh gerade in. Da ich eigentlich auch immer alles ausprobiere, trage ich mich schon seit geraumer Zeit mit dem Gedanken, mir einen hellen Fliederton zuzulegen. Lass dich überraschen … 

Welcher Promi steht am meisten für deinen Look?
Die Sängerin Gitte Haenning, die hab ich immer gestylt. 

Und wer war richtig schwierig?
Inge Meysel. Die wusste grundsätzlich alles besser. Aber bei mir war sie immer ruhig. 

Du bist auch wirklich eine frauenaffine Frau, damit meine ich, dass du Frauen wirklich liebst und ihnen was Gutes tun möchtest. War es schwer für dich, das aktive Geschäft abzugeben?
Ich bin immer noch im Laden. Ich gucke nach meinen Mitarbeitern, die sind wie meine Kinder. 

Gibt es da manchmal Streit mit deinem Sohn?
Nein, wir kriegen das gut hin. Und ich habe noch einige neue Ideen. 

Warum haben Haare eine solch enorme Kraft?
Weil gute Frisuren gut fürs Selbstbewusstsein sind. Ich hatte mal eine Kundin, die mir erzählte, dass sie im Anschluss zu ihrem Scheidungstermin müsse, ihr Mann wollte sich trennen. Da schlug ich vor: Dann mache ich Ihnen jetzt die Frisur, die ich immer schon für Sie im Kopf hatte. Gesagt, getan. Mit neuem Look ging sie zu ihrem Termin – und was passierte: Ihr Mann verliebte sich neu in sie! Die Dame ist heute noch Kundin von uns.

Was wärst du geworden, wenn du nicht Friseurin geworden wärst?
Tischlerin! Mein Großvater war Kunsttischler. Oder ich hätte gern eine Änderungsschneiderei. Ich schneide auch gern an Garderobe rum …

Gibt es eine Frisur, die jedem steht? 
Ja, der Bob. Egal ob kürzer oder länger, das sieht immer richtig aus. Und Ponyfrisuren. Die machen jünger, weil sie die Augen betonen. 

Und was geht gar nicht?
Lange, zu dünne oder krisselige Haare.

Guido

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