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Wei(h)n-achtsguide 5 Tipps, die dich wie eine:n Wein-Kenner:in aussehen lassen – auch wenn du keine Ahnung hast

Weinkenner: Frau probiert Wein
© Shebeko / Shutterstock
Kommt dir die Welt der Weine manchmal auch noch wie ein Labyrinth vor? Macht gar nichts. Mit unseren Tipps siehst du trotzdem wie ein:e Weinkenner:in aus. 

Ein guter Wein gehört für viele Menschen zu einem Festessen dazu. Nur sind die Menschen über die Jahrhunderte so tief in den gegorenen Traubensaft und dessen Herstellung eingetaucht, dass die Auswahl des Tropfens für Neulinge gar nicht so einfach erscheint. Hauptsache er schmeckt? So einfach ist das in der Weinwelt eben nicht.

Das durfte ich schon als Kind feststellen, als meine Großmutter beim Italiener fröhlich einen Lambrusco bestellte – und damit beim Kellner für Gelächter sorgte, als er ihr die – in seinen Worten "italienische Cola" dann auch servierte. Meine Oma zutiefst beleidigt, meine Familie amüsiert. Ich verwirrt: offensichtlich gibt es in der Weinwelt einen geheimen Dresscode, der sich nicht nur in der Auswahl des Glases, sondern auch der Inhaltspräferenz zeigte.

Bis heute vertrete ich weiterhin die Ansicht: Jede:r sollte den Wein trinken, der ihm:ihr schmeckt, egal ob rot, weiß, sprudelnd, trocken oder eben süß wie Omas Italia-Cola. Doch mittlerweile habe ich gelernt, dass es nicht schaden kann, sich trotzdem etwas in der Weinwelt auszukennen. Das fängt mit kleinen Details an – zum Beispiel den Tropfen nicht süß sondern lieblich oder feinherb zu bezeichnen. 

Wer Weihnachten dieses Jahr als Weinkenner:in glänzen (oder zumindest so tun) will, weil ebensolche unter den Gästen sind, der muss nicht erst Etiketten wälzen. Wir haben das bereits für dich getan, mit "echten" Weinprofis in unserem Umfeld gesprochen und Tipps zusammengestellt. Viel Spaß mit dem Weihnachts-Weinguide!

5 Weinkenner-Regeln für den ganzen Abend

Die Vorbereitung

Einmal tief durchatmen

Das gilt nicht nur für Gastgeber:innen, sondern auch für den Wein. Ein Rotwein kann gerne schon vor dem Essen schon etwas Sauerstoff gebrauchen und – Achtung – nicht nur geöffnet, sondern auch umgefüllt werden. Wird lediglich der Korken entfernt, kommt durch die schmale Öffnung nur wenig Luft an den Wein. In einer Karaffe, aber z.B. auch durch schwungvolles Eingießen in bauchige Weingläser kommt der Wein jedoch mit viel Sauerstoff in Kontakt, der den Geschmack verändert. 

Kleine Tücke: Bevor wir wild umfüllen und atmen, einmal auf das Alter schauen. Sehr alte Weine sollten nicht karaffiert werden, da sie empfindlicher sind. Jungen Rotweine und denen, die in Holzfässern gereift sind, tut die frische Luft wiederum gut.

Die Temperatur

Grundsätzlich wissen wir: Weißwein wird kalt serviert, Rotwein warm. Es geht aber auch spezifischer:

  • Sekt und Schaumwein mag es am kühlsten und zwar bei 6 bis 8 Grad.
  • Leichte Weiß- und Roséweine (bis 10%) mögen eine Temperatur von 8 bis 10 Grad, also Kühlschrankklima.
  • Süßweine schmecken bei 10 bis 12 Grad am besten.
  • Gehaltvollere Weißweine mit etwas mehr Alkohol dürfen bei 12 bis 14 Grad serviert werden.
  • Bei Rotweinen wird es langsam muckelig: Leichte fühlen sich bei etwa 15 Grad wohl.
  • Bei schwereren Rotweinen darf es dann noch wärmer werden, sie entfalten bei 16 bis 18 Grad ihr feines Aroma.

Um ein Gefühl für die Temperatur und deren Auswirkung auf den Wein zu bekommen, lohnt es sich, vorher einmal den Thermometertest zu machen. Kühlt die Weine auf die entsprechende Gradzahl herunter und probiert mal, was sich verändert. Mit der Zeit bekommt man ein Gefühl dafür.

Zwei kleine Dinge, an die Weinkenner:innen noch denken: Der Wein wird im Glas natürlich wärmer. Also wirklich erst direkt vor dem Genuss einschenken. Und damit nicht nur das erste Glas schmeckt, nicht vergessen, die Flasche danach wieder zu kühlen.

Das Einschenken

Lieber nicht zu gut meinen

Regel Nummer 1 bei Wein: weniger ist mehr. Und das hat nichts mit Geiz sondern Genuss zu tun, denn für Aroma und Sitte sollte ein Glas immer nur allerhöchstens zu einem Drittel gefüllt sein. Also, auch wenn ihr es gut meint, das Glas lieber nicht zu voll gießen und dafür öfter nachschenken. Apropos: Für Rot- und Weißweine bitte unterschiedliche Gläser reichen.

Die Reihenfolge

Oft sind wir gewohnt, einfach den Wein zu servieren, der den meisten schmeckt. Spaßig wird es aber vor allem, wenn man beginnt, die Weine speziell an das servierte Essen anzupassen. Der Wein sollte sich entweder an der Hauptgeschmacksnote eines Gangs orientieren oder aber den kompletten Kontrast davon darstellen. Deswegen darf auch zu jedem Gang ein neuer Wein serviert werden. Generell gibt es eine ganz gute Polonaise, die man sich als Spickzettel merken kann: leichte Weine vor schweren servieren, junge vor alten, trockene vor süßen, Weiß- vor Rotwein. 

Das Etiketten-1x1

Zugegeben: Ich suche Wein sehr, sehr gerne nach dem Etikett aus und nein, damit meine ich nicht die Kleinschrift auf der Rückseite. Um wie ein:e Weinkenner:in auszusehen, sollte man dem Kleingedruckten aber bitte mehr Beachtung schenken. Denn auch wenn dort nicht viel steht, gibt es einige Begriffe, auf die wir bei der Weinauswahl achten können:

  • Lieber Qualitäts- als Tafelwein: Qualitätsweine müssen bestimmte, gesetzliche Kriterien erfüllen, um sich so nennen zu dürfen. Noch eine Güteklasse darüber liegen die Prädikatsweine.
  • Herkunft: Es sollte erkennbar sein, aus welchen Weinanbaugebiet der Wein stammt.
  • Jahrgang: Ist der Jahrgang genannt, weiß man, von wann die Trauben stammen – andernfalls kann es sein, dass sie aus mehreren Jahren zusammengemischt wurden.
  • Übrigens: ob Schraubverschluss oder Korken dürfte heutzutage nichts mehr über die Qualität zu sagen haben, immer mehr Winzer steigen auf die Drehverschlüsse um.

Und dann gilt letztendlich doch nur noch: schmecken lassen. 

Guido

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