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Natural Movement: Was ist das eigentlich?

Natural Movement: Frau klettert Baum hoch
© Slatan / Shutterstock
Klettern, rollen, balancieren: Beim Fitnesstrend Natural Movement machen wir das, was die Natur eh für uns vorgesehen hat. Trainerin Astrid Bösser erklärt, wie wir am besten durchstarten.

Statt wie früher als Kind zu hüpfen und zu springen, sitzen wir jetzt die meiste Zeit auf unseren Hintern. Was macht das mit uns?

Wir werden steif, brauchen größere Hosen und bekommen häufiger kalte Füße. Denn Mutter Natur ist effizient und baut ab, was wir nicht nutzen: Muskeln, Nerven, Hirn. Und auch Mitochondrien, die Fett zu Wärme und Energie wandeln. Dann stellen wir fest, dass uns Vieles, was wir als Kinder konnten, auf einmal schwerfällt, und denken: Ich bin zu alt für den Scheiß. 

Und dann kommt so was wie “Natural Movement“ und sagt: Nö! Warum ist es so gut?

Stell dir vor, du strandest auf einer einsamen Insel. Natural Movement beinhaltet alle Bewegungsfähigkeiten, die dir helfen, dort zu überleben. Es liefert nicht bloß ein hübsches Waschbrett, sondern gibt uns die Freiheit, zu tun, was uns wichtig ist: Über Felsen hüpfen, Katze retten oder mit Kindern toben. Dazu fegt es das Hirn. Denn wer gerade balanciert oder klettert, hat keinen Headspace für Sorgen. 

Viele Hürden existieren nur in unserem Hirn.

Für absolute Beginner – wie fangen wir am besten an?

Jetzt im Frühling: Barfuß über die Wiese gehen. Auf Baumstämmen oder Bordsteinen balancieren. An einen niedrigen Ast hängen und schwingen. Sonne, Wind und Regen machen uns dabei sogar noch widerstandsfähig. Und glitschige Steine oder raue Borke füttern unser Nervensystem. 

Zu Natural Movement gehört aber auch: Über Mauern springen, easy abrollen, kurz mal einen Baum hochklettern. Das klingt nicht mehr nach einem Spaziergang? 

Das stimmt, das ist schon fortgeschrittener. Am besten startet man ebenerdig mit den Basics: Mit gerundetem Rücken herumkugeln, weich abrollen, krabbeln. Und dann langsam steigern. Über niedrige Mauern springen, Klettergerüste erforschen, alles möglichst gefahrlos und so, dass man sich sicher fühlt. Dann auf ans nächste Level. Am meisten Spaß macht’s mit anderen.

Mit anderen Worten: Das kann eigentlich jeder?

Viele Hürden existieren nur in unserem Hirn. Als Erwachsene fürchten wir, uns zu verletzen. Oder zu blamieren. Wir denken, wir sind zu alt, schwer, unfit. Doch alles ist skalierbar. Bei mir trainieren Menschen über 70, mit MS oder auch ordentlich Schutzschicht. Jeder macht laufend Fortschritte. Lacht, traut sich und schafft wieder, was er zuletzt als Kind gemacht hat. Und das wiederum bannt den unnatürlich schnellen Verfall, der einsetzt, wenn wir nur nutzlos auf unseren Hintern hocken, und den wir dann aufs Alter schieben. 

Dieser Artikel erschien ursprünglich im Guido Heft Nr. 04/2021.


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