VG-Wort Pixel

Psychologie 5 Zeichen, dass du gerade einen emotionalen Rückzugsort brauchst – und wie du ihn schaffst

Emotionale Rückzugsorte: Frau spielt Gitarre
© Polly Panna / Shutterstock
Emotionale Rückzugsorte brauchen wir meist gerade dann, wenn wir noch nie an sie gedacht haben. Aber was ist das überhaupt? Und wie schaffe ich mir Raum für Gefühle?

Von Meditationsecken haben wir ja bereits gehört – es wird geyogelt, geatmet und nicht nachgedacht, was das Zeug hält – und na ja, es funktioniert. Aber emotionale Rückzugsorte? Was soll das denn sein? 

Seit einiger Zeit begegnet uns dieser Begriff immer häufiger und zugegeben, er klingt erst einmal gut. So richtig verstehen tut man ihn aber erst auf den zweiten Klang – und es lohnt sich tatsächlich, hier mal genauer hinzuhorchen. Emotionale Rückzugsorte befassen sich, wie der Name eben schon vermuten lässt, mit den Gefühlen. Und ja, dafür könnten heutzutage tatsächlich speziell ausgewiesene Plätze notwendig sein.

In der Schnelllebigkeit wirrt es nur so vor "To-dos", die "To-feels" kommen dabei aber gerne mal ein wenig zu kurz. Das kann man zum Beispiel daran merken, dass man zwar sehr viel erlebt, erledigt und erfahren, aber dabei herzlich wenig gefühlt hat. Dafür war zwischen Arbeitsmeetings und Kummerkastenanruf der Freundin schlichtweg keine Zeit mehr. Anfangs klopfen Gefühle noch kurz an, spähen einmal vorsichtig durch den Türspalt, bis wir diese schnell wieder zustoßen, weil sie nun wirklich gerade ein ungebetener Gast wären. Weil wir in der Bahn sitzen, weil wir gerade Besuch haben, weil noch eine Abgabefrist vor uns liegt oder auch nur das angefangene Abendessen für die Familie, bei denen uns ein Emotionsausbruch jedenfalls nicht in den Kram passen würde. Holen wir die Gefühle dann aber auch später, in Ruhe, nicht rein, sondern lassen sie vor der Tür übernachten, schlagen sie dort ihr Lager auf, resigniert, aber grollend. Wie das aussehen kann? Hier sind fünf Beispiele, in denen du dich vielleicht erkennst:

Psychologie: 5 Zeichen, dass dir ein emotionaler Rückzugsort guttun könnte

Du beschäftigst dich viel mit den Problemen deiner Liebsten.

Dabei bleibt häufig zu wenig Raum dafür, wie es einem selbst eigentlich geht.

Du hast Stimmungsschwankungen und weißt nicht, wieso.

Manchmal stauen sich Gefühle zu einem Knäuel, und wir wissen gar nicht mehr, was sie uns eigentlich sagen wollen, weil wir nicht hinhören.

Du bist müde und genervt, und es ist sowieso alles und jede:r doof.

Wenn wir nie etwas zulassen, stauen sich negative Emotionen irgendwann auf.

Du hast Kopfschmerzen, die du gerade wirklich nicht gebrauchen kannst.

Hören wir nicht auf unsere Emotionen, suchen sie sich manchmal körperliche Wege.

Du denkst: So einen Quatsch brauch ich nicht!

Es kann Angst machen, sich mit seinen Gefühlen zu beschäftigen, wenn man sie stets verdrängt.

Das Problematische an der Sache haben viele von uns schon einmal erfahren müssen: Gefühle gehen nur dann, wenn wir sie zulassen. Und so stauen sich Wut, Ängste und Trauer nur auf, je länger wir sie unterdrücken, weil sie nicht in unser leistungsorientiertes Leben passen. Nun liegt die Lösung ja gar nicht darin, unkontrolliert in Bus und Bahn zu weinen oder die Kollegin anzuschreien, obwohl man eigentlich auf sich selbst sauer war. Vielmehr können wir unsere Gefühle besser dort abladen, wo sie keinen Schaden anrichten und trotzdem gehört werden  – an emotionalen Rückzugsorten. 

Die können ganz unterschiedlich aussehen, sie dienen vor allem dazu, uns zur Ruhe zu bringen. Wer schon einmal eine längere stressige Phase erlebt hat, kennt das Prinzip – oft erlebt man das Gefühl der Erschöpfung erst dann, wenn der Stress abfällt. Auch andere Emotionen trauen sich eher an die Oberfläche, wenn wir sicher und ruhig sind und damit auch Zeit haben, uns mit ihnen zu befassen. 

Und wie sieht so ein emotionaler Rückzugsort aus?

So kann jeder Mensch sich seinen emotionalen Rückzugsort ganz persönlich einrichten. Ein Tipp ist es, dabei mit mehreren Sinnen zu arbeiten. So können Düfte in Form von ätherischen Ölen oder Kerzen uns helfen, zur Ruhe zu kommen. Aber auch ein Abend nur für sich und das Lieblingsessen, das am Tisch und nicht zwischendurch gegessen wird, kann uns helfen runterzukommen, die Sinne zu aktivieren und sich wieder bewusst mit sich auseinanderzusetzen. Beispiele für emotionale Rückzugsorte können sein:

  • eine Mini-Bibliothek
  • eine Entspannungsecke mit Massagematte, Kerzen und Ruhe 
  • ein Wut-Raum zum Auspowern
  • ein heißes Bad
  • eine Minimalismus-Ecke, in der nichts als ein Kissen liegt und in die man nur geht, um zu "sein"
  • eine Erinnerungsecke mit Fotos, Edelsteinen und Dingen, die einem etwas bedeuten
  • ein Musikraum, in dem man nur horcht oder selbst spielt

Im Prinzip brauchst du nicht viel Platz, um dir einen emotionalen Rückzugsort zu schaffen, alles ist erlaubt, bis auf eins: Dein Handy und alle äußeren Einflüsse sollten für eine Zeit einfach mal draußen bleiben.

mjd Guido

Mehr zum Thema


Unsere Lieblings-Nähanleitungen von Guido