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Unerwartet glücklich Warum es überflüssig ist, immer nur die guten Seiten zu zeigen

In einer Beziehung und bei Menschen gibt es nicht nur "gute" Seiten
In einer Beziehung und bei Menschen gibt es nicht nur "gute" Seiten
© LIGHTFIELD STUDIOS / Adobe Stock
Für eine gesunde und glückliche Beziehung sollten wir nicht immer nur unsere besten Seiten zeigen – im Gegenteil.

Gerade zu Beginn einer Beziehung gibt es bestimmte "Regeln", an die manche Leute meinen, sich zu halten zu haben. Da wäre beispielsweise die Idee, dass man in den ersten Monaten einer Beziehung bitte nur die beste Seite zeigt – denn schließlich will man niemanden vergraulen! Oder dass man an dem:der Partner:in noch ein wenig "herumschrauben" müsse, bevor er:sie wirklich "perfekt" ist. 

Aber das ist alles Quatsch und sorgt auch nicht für eine glückliche und harmonische Beziehung, wie auch die Wissenschaft beweist: Laut einer aktuellen Studie kann es sogar für eine Beziehung schädlich sein, wenn man sich oder bestimmte Dinge für den:die Partner:in aufgibt. Und eine andere Studie zeigt, dass es eine Beziehung schwächt, wenn man die eigenen Emotionen vor dem:der Partner:in versteckt. 

Wir folgen sozialen Normen und Regeln, weil wir meinen, damit unsere Beziehung aufrechterhalten zu können und dass "man es so eben macht". Natürlich fällt es nicht leicht, sich gegen das zu stellen, was "alle anderen" machen – aber es kann sich lohnen.

Warum du dich deinem:deiner Partner:in von Anfang an zeigen solltest, wie du bist

Wer bist du? Wirklich? Was liebst du, was hasst du, was fürchtest du, worauf freust du dich im Leben? Das sind alles Dinge, die dich zu dem machen, der:die du bist – und es ist wichtig, dass der Mensch, mit dem du eine Beziehung führst, dich genau als diese Person kennen- und irgendwann vielleicht sogar lieben lernt.

Es sollte das Ziel sein, einen Menschen zu finden, der dich schätzt, wie du bist – und nicht, wie du dich gibst, weil du meinst, so müsse es sein. Vielleicht denkst du dir, dass es leichter ist, zu Beginn einer Beziehung zurückzutreten, dich mit deinen Meinungen und Ansichten zurückzuhalten, um nicht "anzuecken". Aber das Gegenteil ist der Fall: Eine Beziehung dieser Art baut auf einer Lüge auf und mit den Jahren wird es dir vielleicht immer schwerer fallen, dein wahres Ich zu verstecken. Und: Warum solltest du das auch tun? Zeig deine Emotionen, deine Freude, deine Trauer, deine Ängste. Sag deinem Lieblingsmenschen, wenn du wütend bist, verletzt oder frustriert.

Zeig Interesse für die Person, mit der du zusammen bist

Andersherum verhält es sich natürlich genauso: Versuche zu verstehen, wer dein:e Partner:in wirklich ist. Was für eine Beziehung hat die Person zu ihrer Familie, zu ihren Freund:innen? Was mag sie? Wovon träumt sie, was möchte sie im Leben erreichen? Was kann sie gar nicht ausstehen?

Genauso wie wir uns wünschen, dass eine Person uns liebt, wie wir sind, sollten wir auch unserem Gegenüber das Gefühl geben, dass sie sein kann, wie sie wirklich ist. Dazu gehört natürlich auch, dass sie nicht jeden Tag zufrieden und ausgeruht sein muss. Und dazu gehört genauso, dass sie sich für uns nicht verstellen muss, weil sie uns nicht zur Last fallen will oder weil sie Angst hat, dass wir negativ reagieren. 

Akzeptiert eure Unterschiede in der Beziehung

Kein Mensch ist wie der andere. Wir haben alle unsere Geschichte, unsere Persönlichkeit, unsere eigene DNA. Bei einer glücklichen Beziehung geht es nicht nur darum, die Unterschiede zueinander hinzunehmen, sondern sie zu respektieren und zu schätzen. 

Niemand muss dieselben Interessen haben, um eine gesunde Beziehung zu führen. Es ist nur wichtig, dass wir die Persönlichkeit der jeweils anderen Person schätzen, sie unterstützen, soweit es uns möglich ist, und diesen Menschen lieben für all die Dinge, die ihn ausmachen.

In einer Beziehung wollen wir gefallen und nicht alle unsere Eigenschaften halten wir für besonders liebenswert. Doch indem wir uns vor unseren Liebsten verbergen, nehmen wir ihnen die Möglichkeit, uns kennenzulernen. Und gleichermaßen nehmen wir uns selbst die Möglichkeit, unsere wahrgenommenen "Schwächen" niemals als etwas anderes erleben zu können. Doch was wir an uns nicht schätzen mögen, kann für eine andere Person genau das sein, was uns zu etwas ganz Besonderem für sie macht. 

Es lohnt sich also immer, die sozialen Normen unserer Gesellschaft zu hinterfragen und den Mut aufzubringen, sich offen und verletzlich zu zeigen.

Verwendete Quelle: psychologytoday.com, sciencedirect.com, psycnet.org

cs Guido

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