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Happy Kilos Ja, das Beziehungsbäuchlein gibt es – und es ist ein Zeichen von Glück

Beziehungsbäuchlein deuten auf eine zufriedene Beziehung hin
Beziehungsbäuchlein deuten auf eine zufriedene Beziehung hin.
© Jacob Lund / Guido
Das Beziehungsbäuchlein ist kein Mythos. Vielmehr ist es ein Zeichen für eine glückliche Beziehung.

Viele Menschen wundern sich über ihr Beziehungsbäuchlein – dabei haben sie die letzten Monate gemeinsam mit Partner:innen kuschelnd auf der Couch verbracht, sind regelmäßig schlemmen gegangen und verzichteten auf die Joggingrunde, um stattdessen mit leckerem Popcorn bewaffnet gemeinsam den neuesten Kinostreifen zu schauen. 

Warum ein Beziehungsbäuchlein ein gutes Zeichen ist – und wann man in einer Beziehung das Thema Ernährung und Gesundheit doch ansprechen sollte – verraten wir in diesem Artikel.

Das Beziehungsbäuchlein ist schwerlich zu untersuchen

Das Beziehungsbäuchlein ist kein Mythos, wenn auch wissenschaftlich schwierig zu untersuchen. In einer Gesellschaft, in der Schönheit über unrealistische (in Teilen gar ungesunde) Körperideale und Fitness definiert wird, wollen ein paar zusätzliche Kilo nicht so richtig ins Bild passen. "Viele Menschen sind überrascht", sagt Sarah A. Novak, Professorin für Psychologie an der Hostra University im Gespräch mit "The Washington Post". 

"Es ist eine sehr geläufige Vorstellung, dass uns eine Beziehung in jeder Hinsicht besser machen und dazu beitragen sollte, unsere Gesundheit und unser Wohlbefinden zu bewahren." Je nachdem, wie man selbst über Gewicht denke, sei das Beziehungsbäuchlein – gerade in einer gesunden und glücklichen Beziehung – für manche dann "widersinnig", so die Psychologin.

Je länger eine Frau in einer Beziehung ist, desto wahrscheinlicher ist eine Gewichtszunahme

Im Gespräch mit "The Washington Post" sagt Penny Gordon-Larsen, Professorin für globale Ernährung an der University of North Carolina, dass Gewichtszunahme in Beziehungen besonders schwer zu untersuchen seien. Zum einen würden zumeist nur die Daten einer Person und nicht beider vorliegen, zum anderen ist es auch selten, dass Forscher:innen Daten über Menschen vor und während einer Beziehung sammeln.

In einer Forsa-Umfrage aus 2017 gaben ein Viertel der Befragten an, dass sie während ihrer Beziehung an Gewicht zugelegt hätten – allerdings hatten lediglich drei Prozent das Gefühl, dass deswegen ihre Attraktivität leiden würde. Eine Studie aus 2012 setzt sich mit dem Thema Gewicht und Beziehung auseinander: Demnach sei der Übergang vom Singleleben in das Zusammenleben oder die Ehe mit einer erhöhten Wahrscheinlichkeit von Gewichtszunahme verbunden. Hierbei unterschieden sich die Ergebnisse zwischen den untersuchten Männern und Frauen: Während bei den Männern das Risiko für eine Gewichtszunahme zwischen dem ersten und zweiten gemeinsamen Jahr anstieg, war es bei Frauen umso wahrscheinlicher, je länger sie in einer Beziehung waren.

Warum Menschen an Gewicht zunehmen, wenn sie eine Beziehung eingehen

Kuscheln, chillen, Serien schauen: Ein netter, aber nicht besonders aktiver, Zeitvertreib
Kuscheln, chillen, Serien schauen: Ein netter, aber nicht besonders aktiver, Zeitvertreib
© ivanko80 / Guido

Eine mögliche Erklärung für das Beziehungsbäuchlein sieht Professorin Gordon-Larsen in den großen Veränderungen im Leben, die oftmals mit dem Eingehen einer Beziehung einherkommen: "Das ist der Punkt im Leben, an dem man auch einen neuen Job bekommt, einen volleren Terminkalender hat oder aus dem Elternhaus auszieht und selbst kocht." Jeder dieser Faktoren könne einen Einfluss auf eine etwaige Gewichtszunahme haben, so die Wissenschaftlerin. Trotzdem sei es nahezu unmöglich den genauen Grund des Beziehungsbäuchleins festzustellen, wenngleich es viele mögliche Faktoren gebe:

  • Ein vollerer Terminkalender, der Gesundheitsroutinen wie die tägliche Joggingrunde stört
  • Die Tendenz, öfter gemeinsam in Restaurants zu gehen
  • Mehr gemeinsame Zeit auf der Couch, während der die Lieblingsserien geschaut werden
  • Wer mit einer Person zusammen sei, die tendenziell größere Mahlzeiten zu sich nehme, so Gordon-Larsen, der:die würde auch eher dazu neigen, die eigenen Portionen zu vergrößern

Warum das Beziehungsbäuchlein ein Zeichen von Glück ist

Laut einer Studie, die Professorin Novak von der Hostra University mitverfasst hat, haben glückliche Paare, die länger als vier Jahre verheiratet waren, doppelt so häufig eine Gewichtszunahme wie Paare, die angaben, dass sie in ihrer Beziehung nicht glücklich sind. "Das ist ein Indikator dafür, dass die Menschen sich wohlfühlen", erklärt Novak. "Sie stellen die Beziehung in den Vordergrund und sagen eher mal: 'In unserer begrenzten Zeit gehen wir brunchen.'" Hungern und täglich aufs Laufband quälen, um den willkürlichen Körperidealen der Gesellschaft zu entsprechen und auf Wildfremde "anziehend" wirken wollen? Darauf können glückliche Paare dankend verzichten.

Die Forscher:innen stellen bei weniger glücklichen Paaren hingegen die Theorie auf, dass diese wohl eher ihr Gewicht halten, weil sie durch den Wunsch, eine:n neue:n Partner:in zu finden, motiviert waren. Wer glaube, bald Single sein zu können, würde eher in Dinge investieren, die "attraktiver" machen, so die Forscherin. Hierzu kann zählen, sich den verbreiteten Schönheitsidealen anzupassen, indem man mehr Fitness betreibt. Und wer die eigene Beziehung emotional bereits hinter sich gelassen habe, dem:der falle es leichter, mehr Freizeit in ein Fitnessstudio zu stecken, als in gemeinsame Aktivitäten. 

Wann das Beziehungsbäuchlein zum Thema werden sollte

Es lohnt sich, in Beziehungen nach gemeinsamen Aktivitäten zu schauen
Es lohnt sich, in Beziehungen nach gemeinsamen Aktivitäten zu schauen
© Maridav / Guido

Zunächst einmal: Jeder Körper ist wunderschön, genauso wie er ist. Die Forsa-Umfrage zeigte ja auch bereits, dass die absolute Mehrheit der Befragten, die in der Beziehung zugenommen haben, sich immer noch genauso attraktiv fühlen. Es kann aber sein, dass sich eine Person in der Beziehung mit der Gewichtszunahme weniger wohlfühlt – dann gilt es (am besten gemeinsam) Strategien zu entwickeln.

  • Bring mehr Aktivität in euren gemeinsamen Alltag: Natürlich ist der Gang ins Lieblingsrestaurant verführerisch – oder eine neue Folge der gemeinsamen Lieblingsserie zu schauen. Aber auch aktivere gemeinsame Hobbys können Spaß bringen, zum Beispiel Fahrradtouren oder vielleicht sogar ein Fitnesskurs, den man mit dem:der Partner:in besucht.
  • Die goldene Mitte finden: Wenn ihr beide es aber so sehr liebt, gemeinsam Essen zu gehen, dann solltet ihr das auch nicht aufgeben oder gar "die Fitness auf Kosten der Beziehung in den Vordergrund stellen", betont Novak. Manchmal geht man eben wandern, manchmal liegt man den ganzen Tag im Bett – und das ist alles absolut in Ordnung. "Überlegen Sie gemeinsam: Was können wir anders machen und trotzdem miteinander verbunden sein?", rät die Professorin.
  • Redet miteinander: Das ist ohnehin der beste und wichtigste Tipp in Beziehungen. Formuliere deine Bedürfnisse und Gefühle und nimm dein Gegenüber mit. Am besten ist es, deinem:deiner Partner:in klar zu sagen, welche Veränderungen du dir im Alltag vorgenommen hast und ihr besprecht gemeinsam, ob und bis zu welchem Maß dein Gegenüber Lust hat, da mitzumachen. Er:sie kann dich ja auch unterstützen, zum Beispiel beim Thema Portionen: "Bitte biete mir keinen Nachschlag an, es ist eine zu große Herausforderung für mich, das abzulehnen, obwohl ich gar nicht mehr wirklich hungrig bin." 
  • Wo du Grenzen setzen solltest: Das Thema Essen und vor allem Gewicht ist ziemlich sensibel. Es ist nicht die Aufgabe deines Gegenübers zu kontrollieren, wie viel du an diesem Tag gegessen hast. Fragen wie: "Bist du sicher, dass du noch ein Dessert möchtest?" sind übergriffig und absolut unerwünscht. "Selbst wenn sie die besten Absichten haben: Wenn Partner:innen sich auf Ihre Attraktivität konzentrieren – oder Witze machen, oder Sie auf eine Art necken, die nicht süß ist – dann ist das ein absolutes Warnsignal", gibt Novak zu bedenken.

Verwendete Quellen: washingtonpost.com, psycnet.apa.org, onlinelibrary.wiley.com, br.de

cs Guido

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