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Beziehungsmythen 5 Annahmen über die perfekte Partnerschaft, die einfach nicht stimmen

Beziehungsmythen: Pärchen hält Händchen
© Rawpixel.com / Shutterstock
Perfekte Partner:innen haben nur Augen füreinander? Oder wollen dieselben Dinge im Leben? Stimmt natürlich nicht. Wir klären über die gängigsten Beziehungsmythen auf.

„Wie würde eure Beziehung aussehen, wenn sie perfekt wäre?“ – das ist eine der ersten Fragen, die Psychologin Randi Gunther in der Paartherapie stellt. Seit mehr als 40 Jahren berät sie Paare in den verschiedensten Beziehungsphasen. Von Frischverliebten bis hin zu zerrütteten Beziehungen oder Momenten, in denen einfach das gewisse Etwas fehlt. Das Hauptproblem ist der Vergleich mit anderen Paaren, schreibt die Expertin für "Psychology Today". Je öfter wir hören, wie gut es bei anderen läuft, desto öfter denken wir, dass bei uns etwas nicht stimmt. Das Konzept der perfekten Beziehung sollte aber jeder aus dem eigenen Kopf streichen. Denn Menschen, die zufrieden mit ihrer Beziehung sind, erwarten gar nicht, dass sie perfekt ist. Sie sind sich bewusst, dass Beziehungen eine Menge Arbeit sind und sie jeden Tag an ihrer eigenen arbeiten müssen. Also: Alles eine Frage der Übung und nicht eine Frage der Perfektion! Diese fünf Mythen sollte man laut Randi Gunther aus dem Liebesleben verbannen:  

Beziehungsmythen: Diese 5 können weg

Mythos #1: Perfekte Partner:innen sind zu 100 % kompatibel 

Würde dieser Mythos stimmen, gäbe es keine einzige erfolgreiche Beziehung. Beide Partner:innen müssen die Möglichkeit haben, sich zu ändern, Kompromisse einzugehen oder mehr Platz für die Wünsche des anderen einzuräumen. Eine totale Harmonie ist unmöglich. Viele Menschen haben Erfahrungen aus vorherigen Beziehungen gesammelt und sich an gewisse Abläufe gewöhnt. Sich wieder neu auf jemanden einzustellen kann deshalb schwierig sein. Psychologin Randi Gunther rät daher zu Verständnis: Welche komplett unterschiedlichen Herangehensweisen haben der Partner oder die Partnerin in der Beziehung und wo ist es in Ordnung, einfach mal nicht einer Meinung zu sein? Wichtig ist es laut der Expertin über die Unterschiede zu sprechen und so die Probleme zu meistern.  

Mythos #2: Perfekte Partner:innen wollen das Gleiche im Leben 

Immer die gleichen Prioritäten setzen. Immer genau wissen, was beiden in der Beziehung am wichtigsten ist. Beide wollen die gleichen Dinge, zur gleichen Zeit und nie etwas, das der oder die andere nicht will. Eine Wunschvorstellung, schreibt Expertin Randi Gunther, die nichts mit der Realität zu tun hat: „Ich habe nie ein Paar getroffen, das gleichzeitig Hunger bekommt oder Sex auf die gleiche Art und Weise und in der gleichen Regelmäßigkeit will“, erklärt die Psychologin weiter. Denn die Partner:innen sind unterschiedlich und das ist auch das Schöne an einer Beziehung. Während eine:r lieber viel ausgeht und etwas unternimmt, ist der oder die andere lieber zu Hause – und auch zusammen schlafen gehen ist laut Gunther kein Muss: „Klar, es ist super, wenn es in solchen Dingen natürliche Überschneidungen gibt, aber die meisten erfolgreichen Paare, die ich kennengelernt habe, wissen, dass sie immer erfolgreich über diese möglichen Unterschiede sprechen müssen, die sie in die Beziehung mitbringen.“ 

Mythos #3: Für perfekte Partner:innen steht die Beziehung an erster Stelle 

Auch mal die Freunde, Familie oder das eigene Hobby zu priorisieren, ist für eine erfolgreiche Beziehung wichtig. Beide Partner:innen sollten flexibel sein und wissen, dass sie ihre persönlichen oder arbeitsbedingten Wünsche nicht hinter die Beziehung schieben müssen. Denn der Ausgleich ist es, der die Partner:innen auch über längere Zeit glücklich macht. Bleibt es im Leben des oder der anderen spannend, macht auch die Beziehung mehr Spaß: Neue Herausforderungen außerhalb der Beziehung machen den:die Partner:in wieder interessant. Es gibt neue Gesprächsthemen über neue Erfahrungen, die sowohl gut oder schlecht sein können. Dem:der anderen zuhören, sich miteinander freuen oder sich gemeinsam ärgern, stärkt die Beziehung – egal ob es über das Leben im Job oder die privaten Hobbys und Momente ohne Partner:in geht. 

Mythos #4: Perfekte Partner:innen haben nur Augen füreinander 

Ein:e Partner:in, die alle Wünsche einer Person über ein ganzes Leben befriedigen kann? Das funktioniert nicht, so Gunther. In einer Beziehung kann es immer passieren, dass einem einfach alles zu viel wird: Auf einmal zweifelt man daran, dass das Leben zu zweit das Richtige ist, fängt an sich woanders umzusehen. Doch auch das ist laut der Psychologin normal und hat nichts damit zu tun, wie sehr man den:die Partner:in wertschätzt. Wichtig ist es trotzdem auf die Beziehung zu vertrauen: Anstatt Angst zu haben, dass der die Partner:in einen nicht versteht oder verurteilt, sollte man offen über diese Probleme sprechen. Auch dann, wenn es um Wünsche oder Fantasien mit einer anderen Person als dem:der Partner:in geht. Denn oft sind diese Gedanken nur genau das: Gedanken. Sie sind in der Regel kein Grund, um sich als Partner:in bedroht zu fühlen, sondern ein Zeichen, dass sich beide wieder mehr miteinander beschäftigen und das Gespräch suchen sollten.

Mythos #5: Mit perfekten Partner:innen gibt es keinen Streit 

Friede, Freude, Eierkuchen – 24 Stunden am Tag. Das ist, was sich viele Menschen vorstellen. Doch wie wir bereits gelernt haben: Erfolgreiche Beziehungen leben nicht in völliger Harmonie. Denn die Partnerschaft ist keine solide Konstante: Jeder Mensch ändert sich und wächst an seinen Erfahrungen – und das ist natürlich etwas Gutes. Darüber zu reden, zuzuhören und die Meinungen und Erfahrungen des anderen zu akzeptieren helfen dabei, die Beziehung trotzdem weiter zu pflegen. Beide sollten akzeptieren, dass Konflikte ganz natürlich sind, wenn der Partner oder die Partnerin neue Wege einschlägt und daran wächst. 

Quelle: Psychology Today 

Guido

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