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Frieden im Kopf 6 Dinge, mit denen wir Emotionen besser verstehen und sie in den Griff bekommen

Frieden im Kopf: 6 Dinge, mit denen wir Emotionen besser verstehen und sie in den Griff bekommen
© Olena Yakobchuk / Shutterstock
Ob wir etwas tun oder lassen, hat meistens mit unseren Emotionen zu tun. Nicht selten stehen wir uns selbst im Weg und das, obwohl wir eigentlich wissen, was wir wollen. Doch wenn wir lernen, unsere Gefühle besser zu verstehen, schaffen wir es vielleicht, das Chaos in uns aufzulösen.

Was wir gerade fühlen und warum es uns blockiert – das herauszufinden, kann schwierig sein. Selbst wenn wir wissen, was wir fühlen, neigen wir dazu, alles zu analysieren und in kleine Einzelteile zu zerrupfen. Doch besser wäre es, erst den Ursprung des Gefühls zu finden und an ihm zu arbeiten, ehe wir uns mit weiteren Dingen belasten. Denn sonst lernen wir nicht, uns selbst zu verstehen, mitzuteilen, was in uns vorgeht und uns beschäftigt.

Emotionen und Gefühle werden oft synonym verwendet. In der Neurowissenschaft unterscheiden sich die beiden aber: Emotionen als unbewusste Reaktionen unseres Körpers auf Situationen – und Gefühle als etwas, das wir bewusst erleben. Für unser Handeln sind aber beide zuständig, und während sie das tun, verändern sie sich immerzu.

Was tun wir normalerweise? Sobald wir glauben, ein Gefühl identifiziert zu haben, zerdenken wir unsere innere Gefühlslage oft bis ins kleinste Detail. So lange, bis wir glauben zu wissen, warum wir fühlen, was wir fühlen. Doch meistens führt die Spirale an Gedanken nicht zu einem positiven Ausgang, sondern eher zum Gegenteil.

Im Prozess des Überdenkens kommen wir gerne zu dem Schluss, dass unsere Gefühle nicht berechtigt sind und wir anders fühlen müssten. Diese Vorwürfe sorgen dann für neue Gefühle, die das eigentliche Problem immer weiter überschatten. Auf diese weiteren aufgetauchten Gefühle reagieren wir, und auch über sie denken wir erneut nach und bilden uns eine Meinung. Diese sechs Schritte können laut Psycholog:innen dabei helfen herauszufinden, was uns wirklich beschäftigt – ohne uns zu verrennen:

1. Gefühle fühlen wir

Es klingt offensichtlich, aber das ist es oft nicht. Wir wissen, wie es sich anfühlt, wenn wir morgens müde gegen die Bettkante rennen oder abends mit Freund:innen zu viel gegessen haben. Das sind Gefühle, die wir kennen und in dem Moment, in dem sie passieren, beurteilen können. Aber: Nur weil wir immer auf eine bestimmte Art und Weise reagiert und gefühlt haben, heißt das nicht, dass es immer so ist. In ähnlichen Situationen können wir auch anders fühlen.

Nehmen wir die Bettkante: Einen Tag ist es nur ein leichtes Streifen, wir sind genervt darüber, aber es tut uns nicht sonderlich weh – ein anderes Mal fühlen wir vor allem den Schmerz – und wieder ein anderes Mal sind wir vielleicht einfach nur wütend, weil es uns schon wieder passiert. Gefühle sind keine festen Bestandteile unseres Körpers wie ein Arm oder ein Bein. Sie sind ein Prozess in unserem Nervensystem, der immer wieder neu erschaffen und rekonstruiert wird. Deshalb haben wir nie wortwörtlich dasselbe Gefühl wie gestern oder noch vor einigen Minuten. Wir fühlen auf die gleiche Art und Weise, aber was wir fühlen, fühlen wir nur in genau diesem einen Moment und es ist das, was genau dann in uns vorgeht.

2. Gefühle sind tief in uns verankert

Wie wir fühlen, hat etwas mit unserer Evolution zu tun. Damit, wie das menschliche Gehirn vor Millionen von Jahren entstanden ist. Uns sollte klar sein: Gefühle waren vor der modernen Sprache da und daher lange Zeit komplett wortlos. Vielleicht ist das auch ein Grund, warum es uns selbst heute noch schwerfällt, die richtigen Worte zu finden.

Unsere Gefühle sind körperlose Empfindungen, die sich unterschiedlich äußern können. Ihr Ziel ist es, uns zu signalisieren, was in uns gerade Wichtiges vorgeht. Diese Dinge können wir in unserem Körper fühlen: Bei Liebeskummer fühlen wir den Herzschmerz in der Brust. Wenn wir wütend sind, zittern wir vielleicht. Wir fühlen, wie sich beispielsweise unsere Hände, Arme und Schultern anspannen oder unsere Gesichtsmuskeln sich auf eine bestimmte Art und Weise zusammenziehen.

Doch auch weichere, weniger bewusste Gefühle spüren wir im Körper. Wir sind es nur nicht wirklich gewöhnt, sie zu bemerken und uns ihrer anzunehmen. Denn unsere Gedanken kommen uns dabei gern in die Quere. Sie interpretieren die Signale und sagen uns, was wir fühlen und warum. Doch dabei treffen sie leider nicht immer ins Schwarze.

3. Gefühle verlieren im Wettrennen mit unseren Gedanken

Wenn wir Herzrasen bekommen, weil wir einen Menschen sehen, den wir mögen – oder uns freuen, weil unser:e Freund:in mit ihrem süßen Hund vorbeikommt. Dann kommt es uns eher so vor, als ob die Gefühle und unsere Reaktionen vor den Gedanken kämen. Doch Gefühle sind eigentlich langsamer als Gedanken. Bevor wir unsere Reaktionen spüren, müssen die Gefühle erst einmal an unseren Gedanken vorbei.

Auch das liegt an der Evolution. Damals ging es oft darum, zu fliehen oder zu kämpfen: Ob eine Situation gefährlich ist, wir uns verteidigen, wegrennen oder uns auf sie einlassen können, das bestimmen die Gefühle über unsere Gedanken. Diese evolutionär geprägten Gefühle machen allerdings nur einen kleinen Anteil in unserem Alltag aus. Dafür fühlen wir sie aber schnell und intensiv – und wir nehmen an, dass andere Gefühle ihnen ähnlich sind.

Doch bei normalen Gefühlen, die nichts mit Entscheidungen über Leben oder Tod zu tun haben, ist der Prozess langsamer. Tiefere Gefühle zu empfinden und zu identifizieren, dauert daher länger. Dafür müssen wir nämlich erst über das Gedankenwirrwarr hinwegsehen und uns auf unsere inneren Empfindungen konzentrieren.

4. Dein Körper zeigt dir, was du fühlst

Dass wir mit dem Körper fühlen, haben wir bereits angesprochen. Aber: Dass diese körperlichen Empfindungen oft in der Mitte des Körpers fühlbar werden, das wussten wir noch nicht. Das heißt: Was du fühlst, äußert sich oft als Gefühl in deiner Brust, deinem Magen oder deinem Bauch. Manchmal können Gefühle natürlich auch deinen Hals zuschnüren, oder deine Augen fühlen sich an, als müsstest du jeden Moment weinen. Diese Reaktionen sind ganz instinktiv. Es gibt auch Redewendungen wie: Sich schwer fühlen – und auch das ist ein Gefühl. Meistens legen sich solche Gefühle auf unsere Brust.

Umgekehrt können wir aber auch das Gefühl haben, dass uns jemand die Last von den Schultern nimmt. Dieses Bild fühlt sich in unserem Körper oft als etwas Wortwörtliches an. Denn Gefühle können auch als Bilder auftauchen, die unser Gehirn benutzt, um Erfahrenes zu verarbeiten. Diese Bilder können wir fühlen. Natürlich bleiben diese körperlichen Empfindungen und Bilder nicht so, wie sie sich uns zuerst zeigen. Wenn uns ihre Bedeutung klarer wird, kommen wir zum nächsten Schritt.

5. Wörter für Gefühle finden

Viele von uns haben schon von den sechs Grundemotionen gehört, die die Forschung bestimmt hat: Freude, Trauer, Angst, Wut, Überraschung und Ekel. Diese sechs Grundemotionen kreieren Gesichtsausdrücke, die Menschen universell überall erkennen. Weitere Forscher:innen stellten allerdings fest, dass es damit noch nicht getan ist. Denn reale Gefühle haben verschiedene Abstufungen mit unterschiedlicher Intensität. Trauer, Wut oder Freude können in vielen verschiedenen Formen auftreten – und: Wir können mehr als nur ein Gefühl gleichzeitig haben. Hier ist eine Auswahl:

  • Ich fühle mich glücklich oder zufrieden.
  • Ich fühle mich einsam oder verloren.
  • Ich fühle mich ängstlich, panisch oder besorgt.
  • Ich fühle mich bewegt oder berührt von etwas.
  • Ich fühle mich sicher oder unsicher.
  • Ich fühle mich angewidert oder unwohl.

Gefühle starten im Körper oft noch wortlos, ehe wir die richtigen Worte finden – und wenn es dazu kommt, sind sie oft simpel. 

6. Wahren Gefühle finden

Unser Körper ist darauf programmiert, uns Feedback zu unseren Empfindungen zu geben. Diese Signale kommen meistens von den Orten in unserem Körper, an denen sich das Gefühl festsetzt, also beispielsweise in deiner Brust. Das Signal kann am Anfang schwach sein, da die neurologischen Verbindungen noch nicht vollständig ausgebaut sind. Aber es ist da. Wenn wir identifizieren, was wir fühlen, können wir es mit dem Ort, an dem es auftritt, überprüfen. Liegen wir richtig? Haben wir die Emotion entdeckt, die uns beschäftigt? Unser Körper wird uns darauf die Antwort geben. Bevor es uns wie ein klares "Ja, das ist es" vorkommt, braucht es aber etwas Übung.

Wenn wir es schaffen, unsere Emotionen klar zu sehen, wird das Leben einfacher. Gefühle, die aus dem inneren Körpergefühl herausfallen, sind nämlich meistens durch unsere herumrasenden Gedanken entstanden. Oft bleiben sie sogar länger als das ursprüngliche Gefühl, das uns beschäftigt hat. Damit sollten wir aufräumen und uns nicht von diesen weiteren Gefühlen überlagern lassen.

Wenn wir es stattdessen schaffen, ungelöste Gefühle anzugehen und sie uns einzugestehen, dann befreien wir sie aus der Blockade. Sie können sich frei von den Gefühlen, die nur ein Nebenprodukt waren, bewegen, verändern und uns so die Lösung zeigen. Der Kern ist es, alte Geschichten und Skripte loszulassen und sich zu trauen, die Gefühle in uns zu fühlen und über sie zu reden.

Quelle: Psychology Today

lkl Guido

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