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Digitale Liebe Die 3 größten Tücken von Dating-Apps – und wie du sie umgehst

Dating-Apps haben ihre Tücken – so kannst du sie umgehen
Dating-Apps haben ihre Tücken – so kannst du sie umgehen.
© aleutie / Adobe Stock
Dating-Apps machen die Suche nach der Liebe so viel einfacher – oder nicht? Wie du das Meiste aus ihnen herausholst und nicht in typische Fallen tappst.

"Yeahy, noch ein Match! … Mit dem werde ich aber nie schreiben.", "Warum antwortet er nicht auf meine Nachricht? Warum scheint alles andere immer wichtiger zu sein, als mich kennenzulernen?", "Ich hasse es, mit Leuten zu schreiben. Ich will sie am liebsten gleich treffen, um zu wissen, wie dieser Mensch ist. Aber in letzter Zeit treffe ich nur Vollkatastrophen." Kommen dir diese und ähnliche Sätze bekannt vor?

Online-Singlebörsen haben nicht erst seit Corona und Kontaktbeschränkungen einen Boom: Laut Statista soll es weltweit bis 2024 über 276 Millionen Nutzer:innen von Dating-Apps und anderen Plattformen geben. Bereits jetzt liegt der Anteil von 30- bis 49-Jährigen Menschen, die Online-Dating nutzen, bei 39 Prozent. Davon hat allein Tinder monatlich über die Android-App über 478.000 User:innen. 

Online-Dating ist also schon längst kein Randphänomen mehr, sondern für viele Menschen bereits Teil ihres alltäglichen Lebens – im Guten wie im Schlechten.

Dating-App: Das zweischneidige Schwert

Dating-Apps haben einen zweischneidigen Ruf: Auf der einen Seite bieten sie vielbeschäftigten Menschen, die nicht ständig in Bars, bei Veranstaltungen oder in Vereinen unterwegs sind, die Möglichkeit, zumindest zwischendurch die große Liebe (oder andere Begegnungen) zu suchen. Auf der anderen Seite wird solchen Apps unterstellt, sie wären oberflächlich und würden etwas so Menschliches wie die Liebe und Beziehungen in Codes und Algorithmen verschachteln. 

Wie so oft, gibt es nicht nur die eine oder andere Seite im Leben: Dating-Apps können dir dabei helfen, die große Liebe zu finden, wie du es vielleicht aus deinem eigenen Freund:innenkreis schon kennst. Aber sie haben auch ihre Fallstricke, die du zumindest im Hinterkopf behalten solltest. Welche das sind – und wie du sie umgehen kannst – haben wir in diesem Artikel für dich zusammengefasst.

1. Dating-App-Falle: die Anonymität

Wir wissen bei Dating-Apps gar nicht wirklich, wer am anderen Ende ist
Wir wissen bei Dating-Apps gar nicht wirklich, wer am anderen Ende ist
© Mykyta / Adobe Stock

Es fängt schon beim Online-Profil an: Die meisten Menschen würden wohl dazu tendieren, nur Angaben über sich zu machen, die sie als interessant, charmant, vielleicht gar sexy bewerten würden. Genauso wie viele wohl nur die Fotos online stellen, die sie in den schönsten Posen, den fernsten Ländern und bei den beeindruckendsten Hobbys zeigen. Und doch: Am Ende aller Tage ist ein Profil nur ein kleiner Ausschnitt einer insgesamt komplexen Person mit Ecken und Kanten.

Dating-Apps bieten sehr einfache Wege, sich aus einem Miteinander zurückzuziehen.

Diese Oberflächlichkeit und Distanz zeigt sich auch im Umgang mit dem Beenden von Beziehungen: Ob man nun Tage, Wochen oder gar Monate miteinander Kontakt hatte, sich bereits einmal oder mehrfach getroffen hat – Dating-Apps bieten sehr einfache (und menschlich überaus respektlose) Wege, sich aus einem Miteinander zurückzuziehen. Psychologe Mark Travers nennt in einem Beitrag auf "Psychology Today" drei besonders verbreitete:

  • Ghosting: Das Verschwinden einer Person aus dem eigenen Leben ohne Erklärung und Vorwarnung
  • Fading: Damit sind Menschen gemeint, die zu Beginn auf Gepräche reagierten oder sie einleiteten, sich mit der Zeit aber körperlich wie psychisch immer mehr zurückzogen, sodass sich die andere Person fragen muss, wie groß das Interesse überhaupt war
  • Orbiting: Das meint den Zustand, wenn eine Person der anderen auf Social Media folgt, ohne, dass es wirkliche Interaktion zwischen den beiden gibt

Gerade Ghosting hat starke negative Konsequenzen für die Psyche, wie mehrereStudien unterstrichen. So litten Betroffene vor allem kurz nachdem sie geghostet wurden unter Verwirrung und fühlten eine "überwältigende Ablehnung", worunter auch ihr Selbstwertgefühl stark und nachhaltig zu leiden hatte.

Doch wie kannst du damit gesund umgehen? Zunächst kann es hilfreich sein, sich darüber klar zu werden, dass nicht "du" das Problem bist. Schließlich passierte und passiert das so vielen Menschen, die diese Apps nutzen, dass es zu jedem der Phänomene gleich mehrere Studien gibt. Versuche es also nicht persönlich zu nehmen. Und wenn du selbst das Bedürfnis hast, den Kontakt mit einer anderen Person abzubrechen: Bitte, schreib ihr eine Nachricht und sag ihr, dass du kein Interesse mehr hast. Das tut dir nicht weh und sorgt dafür, dass die Online-Dating-Welt weniger toxisch wird.

2. Wir haben zu viele Möglichkeiten

"Dieser Mensch ist echt toll, sieht gut aus und ich habe eine Menge Spaß mit ihm. Aber gibt es vielleicht noch einen Menschen da draußen, der noch toller ist, besser aussieht und mit dem ich noch mehr Spaß habe?" Solche und ähnliche Gedanken scheinen viele Menschen zu haben, die den schier unendlichen Möglichkeiten der Dating-Welt ausgesetzt sind.

Es geht immer besser, es geht immer mehr – und am Ende können wir uns für keine der Möglichkeiten entscheiden. Das zeigt ein Experiment von Dr. Sheena Iyengar sehr deutlich: Theoretisch lieben wir es, mehrere Entscheidungsmöglichkeiten zu haben. Doch als Dr. Iyengar den Teilnehmer:innen eines Experiments 24 Gläser Marmelade zum Probieren hinstellte, konnten sie sich viel schlechter zum Kauf eines Glases animieren als die Proband:innen, die nur eine Auswahl aus sechs Gläsern hatten.

Die schier unendliche Auswahl, die uns Dating-Apps präsentieren, wird gerne als Vorteil dieser Apps verkauft – vor allem in der Werbung. "Fast eine halbe Millionen User:innen, da muss doch jemand für mich dabei sein, oder? Und sicherlich ist es der:die Eine!", mag man denken. 

Aber es ist so: Wir schreiben nicht mit Marmelade, sondern mit Menschen. Also sollten wir sie auch so behandeln und echtes Interesse an ihnen zeigen (und haben). Es kann so viel Spaß machen, einen neuen Menschen kennenzulernen, ihre Geschichte, ihre Macken, die Gemeinsamkeiten, die wir mit ihnen teilen. Deswegen ist es wichtig, sie nicht als bloße Nummer zu sehen.

3. Es liegt nicht an dir, es liegt an der App

"It's your 1.958th Match!" Schreibst du wohl mit dieser Person?
"It's your 1.958th Match!" Schreibst du wohl mit dieser Person?
© Mykyta / Adobe Stock

Dating-Apps und ihre Nutzer:innen haben einen Interessenskonflikt: Die Unternehmen hinter den Apps wollen natürlich, dass möglichst viele Menschen ihr Produkt nutzen. Und möglichst lange am Stück. Du selbst willst die App nicht unbedingt fünf Jahre auf deinem Handy haben, sondern möglichst schnell einen tollen Menschen kennenlernen, mit dem du vielleicht sogar alt werden wirst. Und genau hier liegt das Problem: Die App muss so gut sein, dass sie dir einigermaßen passende Menschen vorschlägt, aber nicht so gut, dass du sie nach einer Woche wieder löschen kannst, weil du dein perfektes Match gefunden hast.

Apps wie Tinder und Co. funktionieren, weil sie aus dem Prozess des Kennenlernens ein Spiel machen – wir sind verleitet, Matches zu sammeln und zu horten wie einen Schatz, ohne mit den meisten von ihnen in Kontakt zu treten. Frag dich: Warum möchte ich diese App nutzen? Geht es mir darum, einen Menschen für einen One-Night-Stand zu finden? Für eine lockere Sache? Oder für eine romantische Beziehung? Versuche dein Nutzungsverhalten entsprechend anzupassen und dann kann eine Dating-App dir tatsächlich bei der Suche nach dem:der "Eine:n" eine Hilfe sein – wie auch immer du das definierst. 

Verwendete Quelle: Psychology Today, Cal Poly, APA PsycNet, YouTube, Statista

cs Guido

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