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Psychologie klärt auf Entlieben passiert nicht einfach so – und man kann es verhindern

Psychologie klärt auf: Entlieben passiert nicht einfach so – und man kann es verhindern
© Olena Yakobchuk / Shutterstock
Das Schmetterlingsgefühl im Bauch ist ausgeflogen? Die Liebe eher Routine als ein aufregendes Abenteuer? Muss das in einer langjährigen Beziehung denn wirklich sein?

Die Psychologie hat dafür eine ganz wunderbare Antwort: Nein! So muss es nämlich nicht in unserem Liebesleben laufen. Das Liebesgefühl lässt bei vielen von uns zwar mit der Zeit nach, aber was wir daraus machen, liegt an uns. Ob die Leidenschaft aus der Wohnungstür heraus spaziert oder wir sie zum Dessert bei uns einladen, hat viel damit zu tun, wie wir die Veränderung von der romantischen Liebe zur eher gemeinschaftlichen Liebe verstehen.

Ist Kuscheln so viel schlimmer?

Viele von uns sehnen sich in unseren Beziehungen vor allem eins zurück: Das Feuer! Wir erinnern uns daran, wie es war, sich damals zu verlieben. Wie aufgeregt wir waren und wie wir uns wortwörtlich nur noch die Kleider vom Leib reißen wollten. In der Psychologie wird die Erfahrung, sich zu verlieben, auch als romantische oder leidenschaftliche Liebe verstanden. Sie zeichnet sich beispielsweise durch intensive sexuelle Leidenschaft, Fantasien und Erregung mit dem oder der neuen Partner:in aus. Doch mit der Zeit schwindet diese Art von roher Lust aufeinander immer mehr. Und vielleicht muss es ja auch nicht gleich ganz so intensiv sein. Denn was wir oft verdrängen, ist auch, dass wir in dieser Phase oft blind vor Lust sind und noch wenig über unseren Partner oder die Partnerin wissen. Doch sexuelle Anziehung ist natürlich nicht alles, was wir in einer glücklichen Beziehung brauchen. 

Der Stoff, aus dem Beziehungen gemacht sind

Eine Herangehensweise an das Problem ist in der Psychologie ein Model von Robert Sternberg. Laut dem Psychologen lassen sich Beziehungen in drei Hauptkomponenten aufteilen: Leidenschaft, Intimität und Commitment. Die Abwesenheit oder Anwesenheit dieser Faktoren kann sich wie folgt äußern:

  1. Leidenschaft: Die physische, sexuelle und emotionale Anziehung, die dein Partner oder deine Partnerin bei dir auslöst. Diese Gefühle können sowohl positiv als auch negativ sein und sich beispielsweise als sexuelles Verlangen oder Eifersucht äußern.
  2. Intimität: Darunter fällt die Wärme, die du fühlst, wenn ihr zusammen seid und die Lust, ihm oder ihr etwas Gutes zu tun und für ihn oder sie zu sorgen. Das beinhaltet auch, dass sich die Partner:innen in der Beziehung öffnen und Dinge miteinander teilen. Die Basis ist hier eine Art freundschaftliche Liebe.
  3. Commitment: Wie bereit bist du, in die Beziehung zu investieren, an ihr zu arbeiten und eure gemeinsame Zeit nicht wegen Streitereien aufs Spiel zu setzen? All solche Dinge haben gerade in Langzeitbeziehungen etwas mit dem Commitment zum Partner oder zur Partnerin zu tun. Anstatt uns was Neues zu suchen, bleiben wir lieber bei der Person, die uns vertraut ist, die wir lieben und mit der wir manchmal eben an uns arbeiten müssen.

Romanze vs. Wohlfühlen

Wenn man sich die Punkte von oben durchliest, merkt man schnell, dass nicht alles direkt mit der romantischen Liebe abgedeckt wird – oder eben mit der gemeinschaftlichen Form der Liebe. Stattdessen bedingt eins das andere beziehungsweise beide Formen ergänzen sich und müssen in Einklang gebracht werden. Romantische Liebe steht zwar für Intimität und Leidenschaft. Das Commitment aber finden wir dort nicht. Dafür brauchen wir eben das Zusammengehörigkeits- und Gemeinschaftsgefühl. Beides nicht außer Acht zu lassen, ist also die wichtigste Eigenschaft, um in unseren Beziehungen glücklich zu sein.

Können wir das steuern oder ist das biologisch?

In der romantischen Phase sind vor allem Kortisol und Adrenalin für unsere beschwingte und leidenschaftliche Zeit mit dem oder der Partner:in verantwortlich. Hormone, die genauso bei Stress eine Rolle spielen und uns bei einer zu hohen Dosis sogar schaden können. Wenn diese Hormone irgendwann abnehmen, erlaubt sich der Körper, sich wieder mit anderen Hormonen zu regulieren. Das macht auch eine angepasstere Form von Leidenschaft möglich. Beispielsweise durch die Hormone Vasopressin und Oxytocin, die eine Rolle bei sexueller Anziehung und dem Verbundenheitsgefühl mit dem oder der Partner:in spielen. Dass es möglich ist, in lang anhaltenden Beziehungen weiterhin leidenschaftlich zu sein, haben Studienergebnisse außerdem bereits gezeigt. Was genau diese Paare richtig machen, kann man allerdings aus der Forschung nicht ableiten. 

Die Psychologie dahinter sorgt für die Chemie

In seiner Theorie geht Robert Sternberg davon aus, dass die Leidenschaft sowohl stark ansteigt als auch schnell wieder abnimmt. Und das in einem Zeitraum, in dem die anderen Faktoren wie Intimität und Commitment sich entwickeln. Denn wir brauchen länger, um Partner oder Partnerin kennenzulernen als dafür, sich von dem oder der anderen angezogen zu fühlen. Die Leidenschaft kann oft eher blind sein und uns zu Fantasien und Vorstellungen über unsere neue Beziehung bewegen, die am Ende gar nicht auf unseren Partner oder die Partnerin zutreffen. Was wiederum zu weniger Leidenschaft führen kann. Wissenschaftler:innen gehen aber davon aus, dass es möglich ist, die romantische Phase weiterzuentwickeln – mit einer Mischung aus romantischer und gemeinschaftlicher beziehungsweise freundschaftlicher Liebe: Ein bunter Mix aus Leidenschaft, Gemeinschaftsgefühl und Zuneigung eben und dazu ein offenes Miteinander reichen vermutlich schon aus.

Quelle: Psychology Today

lkl Guido

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