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Langzeitbeziehung Wie geht ewige Liebe, Guido?

Langzeitbeziehung: Frank Mutter und Guido Maria Kretschmer
© Tristar Media / Getty Images
Natürlich knirscht es auch bei Guido und Frank mal, aber nie kernerschütternd. Guido verrät uns, warum.

Ich weiß, ich bin ein Glückspilz, weil ich Frank so früh in meinem Leben getroffen habe und wir uns immer noch lieben. 38 Jahre sind wir schon zusammen. Das finde ich selbst manchmal ein bisschen beeindruckend. Freunde fragen uns oft: Wie habt ihr das nur geschafft? Ein paar Tipps habe ich wirklich. Die sind jetzt vielleicht nicht allgemeingültig, aber bei uns hat’s funktioniert. Vielleicht helfen sie euch ja auch. Denn ich wünsche euch von Herzen, dass ihr eine genauso glückliche und große Liebe erlebt wie die unsere.

Am Anfang braucht es den ganz großen Knall

Ich glaube fest daran, dass große Lieben mit geradezu magischen Momenten starten, bei denen man sofort weiß, dass etwas im Anmarsch ist. Das Elend der Liebe ist nur, dass für beide die Erde wackeln muss – nicht nur für einen. Liebe lebt durchs Highsein, das Begeistertsein. Das brauchen wir, um dranzubleiben. Alles andere ist leider nicht abendfüllend. 

Sich nie unter Wert verkaufen

Wenn du in den ersten ein, zwei Jahren merkst, dass du immer mehr geben musst, damit das Feuer warm bleibt, läuft etwas falsch. Ich glaube, du musst in der Liebe das Maximale wollen und solltest diesen Anspruch nie runterschrauben. Natürlich verändert man sich mit der Zeit. Und auch die Liebe ändert sich. Aber nach all den Jahren liebe ich an Frank immer noch das Gleiche wie am Anfang. Das ist seine Essenz. Die Spanier nennen es das »Ser«, und das hat sich nie verändert. 

Liebe braucht keinen Abstand

Frank und ich sind am besten, wenn wir zusammen sind. Er ist der einzige Mensch, mit dem ich immer sein kann. Es hat keine Sekunde in meinem Leben gegeben, wo ich dachte: Jetzt bin ich aber froh, dass er nicht da ist. Wenn wir uns nicht sehen, vermisse ich ihn. Dann telefonieren wir, manchmal mehrmals täglich, weil ich die schönen Momente mit ihm teilen will, kleine wie große.

Der größte Fan des anderen sein

Ich habe Frank nie so zusammengesetzt, wie ich es gern hätte. Er soll bitte genauso bleiben, wie er ist: eigensinnig, unvoreingenommen, grenzenlos tolerant, frei und ein ewiges Kind. Ich bin sein größter Fan und finde ihn auch ein Stückchen besser als mich selbst. Ich glaube, das ist das eigentliche Geheimnis. 

Seine Eigenständigkeit nicht verlieren

Auch in einer Beziehung muss jeder seine eigenen Wege gehen dürfen. Frank und ich hocken viel aufeinander, aber trotzdem hat beispielsweise jeder seinen Freundeskreis. Wenn man stets in Symbiose lebt, es gar kein Außen mehr gibt, ist man hoffnungslos miteinander verbunden. Viele Menschen glauben, dass man in der Liebe irgendwann gleichgeschaltet sein muss. Das ist aber für mich keine Liebe. Manche Bereiche des Lebens müssen dein Eigen bleiben. Genauso wie manche Gedanken. Beziehung braucht keine Kontrolle. Sie braucht Vertrauen.

Die Marotten des anderen weglächeln

Immer die gleichen Sachen am anderen zu kritisieren tut der Beziehung nicht gut. Das verhärtet nur die Fronten. Ich weiß genau: Wenn Frank Frühstück macht, fehlt immer irgendwas. Aber anstatt mich aufzuregen, stehe ich doch lieber gleich mit dem Salzstreuer in der Hand parat. Das macht’s viel entspannter.

Sich nach einem Streit immer wieder versöhnen

Ich bin ein sehr guter Unruhestifter. Ich bin mir sicher: Wir hätten uns noch nie gestritten, wenn ich das nicht angezettelt hätte. Aber genauso wie ich den Streit beginne, löse ich ihn wieder auf. Wir haben uns da nie verloren. 

Vom anderen lernen und ihn wertschätzen

Frank hat mir viele Türen aufgestoßen, von deren Existenz ich gar nichts wusste. Dafür bin ich ihm ewig dankbar. Er hat mir beigebracht, gelassener zu sein, zur Ruhe zu kommen, fokussiert zu sein. Er hat mir Kunst nahegebracht und gezeigt, wie man richtig sieht. Frank ist ein totaler Jetzt-Mensch. In unseren Ehering hat er eingravieren lassen: »Hoy para siempre«, heute für immer. So ist Frank. Ich habe ihm dafür ein Zuhause geschenkt. Ich bin ein Nestbauer und muss es immer schön haben. Und von mir hat er gelernt, mutig zu sein. Einfach zu machen und nicht zu warten. Frank ist Holländer. Der würde immer alles ewig abwägen. 

Den anderen unterstützen

Man kann nicht immer stark sein. Dann braucht man einen Partner, der das für einen ist. Als Franks Eltern starben, habe ich die Trauerreden geschrieben und gehalten, weil ich wusste, wie schwer ihm das fallen würde. »Tiefer kann mich keiner berühren«, hat er damals gesagt. 

Den anderen beschützen

Frank ist wie meine Löwenmutter. Der würde alles tun, um mich zu schützen. Selbst wenn ich mal etwas falsch mache, würde er sich immer vor mich stellen. Und mich nie bloßstellen. Frank ist der einzige Mensch, bei dem ich schutzlos bin. Da gibt es keine Mauern. Aber ich weiß, dass er immer auf mich aufpasst. Und das kann ich sehr genießen.

Liebe lebt von Kleinigkeiten 

Wir haben ganz viele Rituale. Eines ist, dass Frank mir morgens vorliest. Das genieße ich sehr, weil ich jede Geschichte dadurch ganz anders empfinde. In der Liebe geht es nicht darum, immer alles aufzurechnen. Es geht darum, dem anderen etwas Gutes tun zu wollen und sich daran zu erfreuen, dass es ihn glücklich macht. 

Mehr als nur Worte sprechen lassen 

Ich finde es ganz wichtig, dass man dem anderen die Zuneigung zeigt, die man für ihn empfindet: Körperlich sein, den anderen in den Arm nehmen, sich berühren. Das ist essenziell.

Guido

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