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Unter der Maske Warum wir Persönlichkeits-Masken tragen – und sie loswerden müssen

Wir tragen alle Persönlichkeits-Masken, aber nicht alle tun uns gut
Wir tragen alle Persönlichkeits-Masken, aber nicht alle tun uns gut
© Cristina Conti / Adobe Stock
Unsere Persönlichkeits-Masken sollen uns schützen, können uns allerdings auch förmlich aussaugen. Warum wir sie ablegen sollten.

Wir alle tragen Masken, jeden Tag, in jeder Situation. Ob wir mit unserer Familie sprechen, unseren Partner:innen und Freund:innen, mit unseren Vorgesetzen … Diese Masken schützen uns, geben uns Halt und Sicherheit, besonders dann, wenn wir verletzt wurden oder meinen, sie aufsetzen zu müssen, um einer Situation nicht schutzlos ausgeliefert zu sein.

Und damit haben Persönlichkeits-Masken in jedem Fall ihre Berechtigung, aber der Schutz, den wir uns von ihnen versprechen, kann in uns auch Schaden anrichten: Dann nämlich, wenn wir unser wahres Selbst stetig verbergen. Was es für Masken gibt und warum wir uns trauen sollten, sie öfter abzulegen.

Warum wir Persönlichkeits-Masken tragen und wie diese aussehen

Laut einer Studie verstecken über die Hälfte (64 Prozent) der Befragten ihre wahren Gefühle so oft vor anderen Menschen, dass sie manchmal gar nicht sicher sagen können, wer sie eigentlich sind. In einem Interview mit "Express" erklärte Psychologin Kerry Daynes das Phänomen so: 

"Es kann schwer sein, die eigenen Gedanken und Gefühle mit anderen zu teilen und das stetige Wachstum der sozialen Medien zusammen mit einer längeren Zeit der Isolation hat für manche Menschen zweifellos das Gefühl gestärkt, dass sie ihr wahres Ich hinter einer schützenden Persona verbergen müssen." 

Zwar sei es gesund, eine bestimmte Persona bzw. Persönlichkeits-Maske aufzusetzen – insbesondere, wenn man sich durch einen schweren Tag schleppen muss – allerdings können diese Masken auch dafür sorgen, dass wir unserem Gegenüber wichtige Informationen vorenthalten. Zum Beispiel, dass es uns nicht gut geht. Denn zu den Emotionen, die laut der Studie am meisten verborgen werden, gehören vor allem Angst und Traurigkeit. Die Maske, die so tut, als wäre alles in Ordnung, wird von 40 Prozent der Befragten regelmäßig genutzt.

Wir tragen in den unterschiedlichsten Situationen unsere Masken, zum Beispiel auf der Arbeit, wo wir eine "strebsame Maske" aufsetzen und nach Perfektion streben, um Anerkennung und Lob zu erhalten. Oder auch die "Maske der Menschenfreundlichkeit", die wir tragen, weil unser Selbstwertgefühl von der Akzeptanz anderer Menschen abhängt, weswegen wir alles tun, um sicherzustellen, dass unsere Mitmenschen glücklich und zufrieden mit uns sind.

In zwischenmenschlichen Beziehungen neigen manche Menschen dazu, die "Opfer- oder Märtyrermaske" zu tragen, mit der sie in Konflikten keine Schuld auf sich nehmen lassen, um ihr Selbstwertgefühl zu schützen. Stattdessen machen sie andere Menschen oder Dinge der Außenwelt für ihre Misserfolge und Probleme verantwortlich. Träger:innen der "Kontrollmaske" versuchen, ihre Mitmenschen und Außenwelt zu kontrollieren, um ein Gefühl der Sicherheit zu erlangen.

Wer die "Vermeidungsmaske" trägt, neigt dazu, sich aus Angst vor Ablehnung und Verurteilung in sich selbst zurückzuziehen. Solche Menschen vermeiden es unter Umständen, mit anderen in tiefe Gespräche zu gehen und halten andere aus Angst auf Abstand.

Zeigen wir unser wahres Ich unter der Maske

Jede:r von uns kann gute Gründe haben, eine Maske für die Gesellschaft aufzusetzen und oftmals kann sie uns in bestimmten und besonders fordernden Momenten sicherlich eine große Hilfe sein. Schließlich kann uns niemand wirklich ablehnen, der:die unser wahres Selbst nicht kennt.

Doch stetig die wahren Gefühle und Gedanken für sich zu behalten, dauerhaft eine Maske zu tragen, kann ermüdend sein. Es kostet unheimlich viel Energie, unser wahres Ich, die Person, die wir von Grund auf sind, durchgängig oder immer wieder zu unterdrücken, weil wir meinen, das tun zu müssen. Die Last dieser imaginären Maske kann unerträglich groß werden, wenn wir sie allzu lang ignorieren.

Schließlich mag uns zwar niemand wirklich ablehnen können, der:die unser wahres Selbst nicht kennt – aber genauso kann uns auch niemand zu nahe kommen, uns lieben und schätzen für die Person, die wir sind. 

Wir sollten uns fragen, warum wir der Meinung sind, eine Maske tragen zu müssen – und vielleicht kann uns das dabei helfen, die Selbsterkenntnis zu erlangen, die uns dazu bringt, unsere Masken immer mal wieder fallenzulassen, unser wahres Ich (erneut) zu entdecken.

Natürlich kann das unter Umständen dazu führen, dass wir nicht mehr von jedem Menschen gemocht werden, dass wir anecken und Konflikte entstehen. Doch wir werden andere Menschen kennenlernen, die uns um unser Selbst schätzen und aus den Konflikten werden wir gestärkt hervorgehen, wissend darum, wer wir sind, was wir schätzen und was uns wichtig ist.

Es kann sein, dass es dir schwerfällt, deine Masken loszulassen – manche von ihnen tragen wir vielleicht schon seit Jahren und wissen gar nicht mehr, wer darunter zu finden ist. Dann kann es sinnvoll sein, dich mit einer dir nahestehenden Person auszutauschen oder sogar professionelle Hilfe hinzuzuziehen. Eine Therapie kann dir beispielsweise dabei helfen, andere – und gesündere – Bewältigungsstrategien für dich und deine Sorgen und Befürchtungen zu finden.

Verwendete Quellen: express.co.uk, psychcentral.com

cs Guido

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