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Psychologe erklärt: Diese Art zu denken, macht uns in Beziehungen unglücklich

Beziehungsstreit: Paar sitzt uneinig auf einem Bett.
© SHOTPRIME STUDIO / Adobe Stock
Wie sollte eine Beziehung sein? Wie sollte sie aussehen und was sollten wir für sie tun oder lassen? Wer nur in diesen Fragen richtig aufgepasst hat, kann jetzt schon darauf kommen, was uns in Beziehungen unglücklich machen kann.

Unsere Gedanken sind nicht immer ein angenehmes Konstrukt. Gerade in Beziehungen können sie dazu führen, dass wir sie unüberlegt direkt nach außen tragen, weil wir uns vielleicht gerade verletzt fühlen. Das führt dann auf der Seite unseres:unserer Partner:in ebenfalls zu Unmut. Doch was ist es, was wir uns wirklich unbedingt abgewöhnen sollten, damit wir nicht in negative Gedankenspiralen verfallen?

Laut dem US-Psychologen Jeffrey Bernstein ist es vor allem eine Sache, die wir angehen sollten.

Du "solltest" dies und "solltest" das

In Beziehungen neigen wir schnell dazu, uns mit anderen Menschen und den Vorgaben in der Gesellschaft vergleichen zu wollen. Selbst wenn wir eigentlich eine harmonische Beziehung führen, stellt sich meist eine der beiden Personen nach einiger Zeit die Frage: Sollte das wirklich so sein? Sollten wir nicht zusammenziehen, uns verloben oder an die Kinderplanung denken? Oft werden diese Gedanken früher oder später zu Streitthemen und nicht selten wird unser uns eigentich so lieb gewonnener Beziehungsmensch verantwortlich gemacht.

Dabei ignorieren viele Menschen laut Jeffrey Bernstein aber eine ganz grundlegende Sache, "du solltest" ist nie eine Gedanken- oder Gesprächsform, die sich am Ende auszahlt. Denn wenn wir einen Satz mit "du solltest" beginnen, dann klingt das bei unserem Gegenüber vor allem verurteilend und kontrollierend. Teilen wir also das "du solltest" aus oder stecken es selbst ein, dann führt das meistens zu Negativität oder sogar Feindseligkeit gegenüber unseres:unserer Partner:in – und wenn wir daran nichts ändern, kann die Kluft auf Dauer nur größer werden.

Die eigenen Gedanken hinterfragen

Wie kommen wir also zu dem Ziel, bei dem das "sollte" langsam aus unserem Kopf verschwindet? Der US-Psychologe rät, die eigenen Gedanken zu hinterfragen. Hier ein Beispiel, bei dem die inneren Gedanken und die Aussage einfach nicht zusammenpassen: 

  • Partner:in A zu Partner:in B: Kannst du mir bitte helfen, unsere Wohnung zu putzen?
  • Der eigentliche Gedanke: Er:sie sollte nicht einfach alles verwahrlosen lassen und selbst auf die Idee kommen, etwas zu unternehmen.
  • Der bessere Gedanke: Anstatt Urteile über das Gegenüber zu fassen, ist es besser, sich die positiven Dinge vor Augen zu führen, die die Person für uns oder in unserem Leben richtig macht, beispielsweise so:
    Ich habe eine Menge Spaß mit ihm:ihr und er:sie ist immer sehr liebevoll. Das kann ich total an ihm:ihr wertschätzen und ich liebe es, wenn er:sie mich manchmal mit Kleinigkeiten überrascht.

Reflexion im Zuhören, aber auch in sich selbst

Vielen Paaren könne es helfen, sich im reflektierten Zuhören zu üben, so Jeffrey Bernstein. Dabei erzähle eine Person, wie er:sie sich fühlt, während die andere erst einmal nur zuhört. Nachdem der:die sprechende Partner:in fertig ist, muss der:die Zuhörer:in dann wiedergeben, was bei ihm:ihr angekommen ist und sich dann das Feedback des Gegenübers dazu geben lassen, ob die Information so korrekt ist.

Diese Art des Gesprächs könne helfen, aber meist seien die gesprochenen Wörter der Menschen nicht die gleichen wie die in unseren Gedanken, so der Psychologe. Denn oft bilden die bereits aufgegriffenen Verurteilungen eine Art Barrikade, die uns ins bessere Licht stellen wollen und den:die andere zum Sündenbock machen.

Umformulieren und richtig kommunizieren

Wie sprechen wir also richtig darüber, was uns beschäftigt? 

  • Anstatt einem: "Er:sie sollte wissen, wie ich mich fühle", versuche es mit: "Ich möchte, dass du mir in dieser Sache bitte zuhörst".
  • Und anstelle von "du solltest mich darauf nicht ansprechen", sage (und denke) lieber: "Ich möchte darüber nachdenken, was du gesagt hast. Bitte lass mir etwas Zeit, bevor ich dir antworte".

Das Wichtigste sei es laut Jeffrey Bernstein, sich bewusst zu sein, dass unsere negativen Gedanken leider ständig in unserem Unterbewusstsein auftauchen. Deshalb hilft es uns am besten, wenn wir einfach hin und wieder in uns gehen und über unsere Gedanken sowie unser Handeln reflektieren – und diese Verhaltensweisen und daraus resultierenden Gespräche auch mit unserem:unserer Partner:in zu besprechen und an ihnen zu lernen.

Verwendete Quelle: Psychology Today

Guido

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