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Schlechtes-Gewissen-Alarm? 11 Dinge, für die du dich nicht mehr schuldig fühlen solltest

Psychologie: Frau schaut aufs Meer
© Fabio Principe / Shutterstock
Ständig sind wir von schlechtem Gewissen geplagt – und zwar wegen Dingen, für die wir uns definitiv nicht schuldig fühlen sollten. Wie kommen wir da wieder heraus?

Es ist eines der unangenehmsten Gefühle und doch tragen viele Menschen es tagtäglich mit sich herum. Das schlechte Gewissen wabert wie eine neblige Wolke durch unseren Alltag, trübt die Sicht auf Entscheidungen und Beziehungen. 

Insbesondere Frauen scheint die aufopfernde Rolle zuzufallen, in der die Erfüllung von Bedürfnissen an erster Stelle steht – solange es nicht die eigenen sind. Wir kümmern und planen, sagen ja und natürlich und streben danach, es ständig allen Recht zu machen. Und trotzdem plagt uns am Ende des Tages, wenn wir ausgelaugt im Bett liegen, das schlechte Gewissen. Wieso? Weil diese Anspruchshaltung so gut wie unmöglich zu erreichen ist. Denn wenn wir immer nur die Bedürfnisse aller anderen erfüllen, bleiben die eigenen zwangsläufig auf der Strecke.

Trotzdem hat es sich in den letzten Jahren auf geheimnisvolle Art eingebürgert, dass ein solches Verhalten erstrebenswert sei. Für andere da zu sein, ist durchaus etwas Positives. Doch heimlich hat sich ein kleines Wort in dieses Vorhaben geschlichen – immer. Wir wollen immer verfügbar, immer stark, immer verlässlich, immer zu 100 Prozent da sein. Was wir dabei vergessen: Zu dieser Dynamik gehören eben immer zwei. Wenn wir sehr viel geben, scheinen andere durchaus in der Lage zu sein, viel zu nehmen. Und zwar ohne dabei ein schlechtes Gewissen zu haben.

Nun müssen wir ja nicht zu kalten Egomanen werden, um das Zusammenspiel zwischen fremden und eigenen Bedürfnissen wieder etwas ins Gleichgewicht zu rücken. Es kann aber nicht schaden, seine eigenen Schuldgefühle mal zu hinterfragen. Je länger wir nach dem Erst-die-anderen-dann-ich-Grundsatz gelebt haben, desto mehr ist unser Gewissen in Mitleidenschaft gezogen worden. Das Resultat: Wir fühlen uns für Dinge schuldig, die völlig, wirklich völlig normal sind. 

Wie kommen wir also aus der Schieflage heraus? In dem wir wieder etwas objektiver auf Situationen schauen, raus aus der 100-Prozent-Anspruchshaltung kommen und aufhören, uns dafür schuldig zu fühlen, mal an sich zu denken. Für den Anfang haben wir da eine Übungsliste für dich: Diese 11 Momente werden von der schlechtes-Gewissen-Liste ab sofort bitte gestrichen.

11 Dinge, für die wir uns ab sofort nicht mehr schuldig fühlen wollen

Gefühle zu haben.

Wir sind keine Maschinen, wir haben Gefühle. Und es ist auch vollkommen legitim, sie zu zeigen. Damit signalisieren wir keine Schwäche, sondern Stärke – und stellen im besten Fall sogar eine ganz neue Empathiebrücke zu unserem Gegenüber her, das uns besser verstehen kann. 

Keine Gefühle zu haben.

Ohje, das funktioniert natürlich auch andersherum. Man kann sich unglaublich schlecht fühlen, wenn sich eine Beziehung einseitig entwickelt und man, egal ob freundschaftlicher oder romantischer Natur, einfach nicht dasselbe füreinander empfindet. Gefühle lassen sich nicht steuern und wir können nichts für sie.

Nachrichten zu ignorieren.

Seit der Existenz von Smartphones hat sich die Erwartungshaltung etabliert, immer und überall erreichbar zu sein. Geht gar nicht – sonst wären wir ja mit nichts anderem beschäftigt. Es ist völlig okay, nicht direkt auf Nachrichten zu antworten. Sie zu ignorieren und sich zu melden, wenn es einem passt. Früher war man ja auch nicht ständig zu Hause und hat auf den Anrufbeantworter gestarrt.

Termine abzulehnen.

Kommt es dir auch immer so vor, als hätten andere Menschen irgendwie mehr Zeit als du? Vielleicht, weil sie sich von vornherein gar nicht so verplanen. Es ist okay, keine Zeit (oder Lust) zu haben, und zwar egal aus welchem Grund. Wir müssen uns nicht dafür rechtfertigen, nicht immer verfügbar zu sein.

Um Hilfe zu bitten.

Kein Mensch kann alles. Und wie oft eilen wir selbst anderen zu Hilfe – und tun dies völlig selbstlos? Es ist okay, Hilfe einzufordern und anzunehmen, dafür müssen wir uns auch nicht schuldig fühlen.

Deine Bedürfnisse zu äußern.

Klingt gruselig? Nur weil wir zu lange ausschließlich nach den Bedürfnissen anderer gelebt haben. Es ist nicht egoistisch und auch nichts, was ein schlechtes Gewissen hervorrufen sollte, wenn man klar kommuniziert, was man braucht.

Etwas nicht zu können.

Da klopft doch die Leistungsgesellschaft an und vermittelt uns, in allem immer perfekt zu sein. Schluss damit – es kann gar nicht jede:r alles können. Und es ist viel sympathischer, das offen zuzugeben, als sich darüber die ganze Zeit das Gewissen zu zerbrechen.

Für das Verhalten eines anderen.

Haben wir lange genug gemacht – und für andere entschuldigt. Egal in welcher Verbindung wir zu jemandem stehen, wir sind eigenständige Menschen und müssen uns nie für das Verhalten eines anderen Erwachsenen schuldig fühlen.

Ehrlich zu sein.

Man sollte nie ein schlechtes Gewissen haben, weil man die Wahrheit sagt, höchstens dafür, wie man sie verpackt. Menschen haben unterschiedliche Meinungen und es lohnt sich, sie auszusprechen. Das fängt bei der simplen Frage "steht mir das?" an und gilt genauso im Arbeits-, Freundschafts- oder Beziehungskontext. 

Krank zu sein.

Es könnte eine der wenigen positiven Entwicklungen der aktuellen Situation sein: Wir gehen endlich nicht mehr krank zur Arbeit. Diese Kultur hat nichts mit Engagement zu tun, sondern Gesundheit geht immer vor. Jetzt müssen wir uns nur noch von dem schlechten Gewissen verabschieden, wenn wir uns krank melden.

Auf deinen Körper zu hören.

Apropos Gesundheit: Jeder Körper ist so unterschiedlich. Nur weil andere Menschen andere Grenzen haben als du, heißt es nicht, dass du deine dafür überschreiten musst. Wenn wir uns nicht gut fühlen, sollten wir uns nie dafür schuldig fühlen, sondern vielmehr wieder lernen, unseren Körper zu schützen und schätzen, so wie er ist.

mjd Guido

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