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Psychologie 7 Gewohnheiten, mit denen du deinen Gefühlen ausweichst

Horoskop: eine Frau von hinten
© Alexander Deviatka / Shutterstock
Manchmal können unsere Emotionen uns zu viel sein und es ist okay, ihnen gelegentlich auszuweichen. Tun wir das jedoch grundsätzlich, ist das ungesund. Welche Gewohnheiten oftmals der Gefühlsvermeidung dienen, liest du hier.

Meistens bekommen wir gesagt, dass wir uns unseren Gefühlen stellen sollen, zu ihnen stehen, sie aushalten und auf sie eingehen. Doch erstens ist das gar nicht immer so leicht, zweitens manchmal nicht ohne Weiteres möglich und drittens auch nicht unbedingt jederzeit nötig. In bestimmten Situationen kann es sinnvoll und gesund sein, unsere Emotionen zu vermeiden, um uns dadurch beispielsweise zu entlasten oder zu schützen – oder um für einen Moment unser Leben im Griff zu behalten.

Unseren Gefühlen immer und auf Dauer auszuweichen, kann allerdings nicht funktionieren, da sie üblicherweise Botschaften und Handlungsanweisungen enthalten, die uns dabei helfen, möglichst glücklich und authentisch zu werden.

Folgende Gewohnheiten sind laut der Psychologin Alice Boyes typische Strategien, um Emotionen zu vermeiden, und können in Maßen hilfreich und sinnvoll sein – überdosiert jedoch ungesund werden.

7 Gewohnheiten, mit denen du deinen Gefühlen ausweichst

1. Über-fühlen einer dominanten Emotion

Laut Alice Boyes haben viele Menschen eine dominante Emotion wie Wut oder Angst, mithilfe derer sie andere, ihnen weniger vertraute Gefühle vermeiden. Wenn zum Beispiel eine Person verletzt oder enttäuscht wurde und danach eine Mischung aus Trauer, Hilflosigkeit und Wut in sich spürt, mag sie sich auf das Element der Wut konzentrieren, weil sie mit diesem Gefühl am besten umgehen kann und damit möglicherweise am meisten Stärke und Unabhängigkeit verbindet. Speziell Menschen, die sehr oft Angst fühlen (oder mit einer Angststörung leben), könnten einmal darüber nachdenken, ob ihre Angst vielleicht eine Strategie ist, um ihren Gefühlen auszuweichen, rät die Psychologin. 

2. Sich um andere Menschen kümmern

Es spricht nichts dagegen, anderen Menschen zu helfen und für sie da zu sein. Tatsächlich macht es uns glücklich, unsere Mitmenschen zu unterstützen, insofern ist Helfen in der Regel eine Win-Win-Aktion. Es kann allerdings auch eine Strategie sein, um sich von den eigenen Gefühlen abzulenken, so die Psychologin. Und es damit zu übertreiben, ist dann, wie fast alles, das wir übertreiben, nicht mehr gesund.

3. Schlafen

Es ist sehr selten, dass wir mit der gleichen Gefühlslage aufwachen, mit der wir eingeschlafen sind, denn Schlafen befreit uns in der Regel von den Gedanken und Eindrücken, die unsere Emotionen ausgelöst haben. In einigen Fällen kann es eine wirksame und sinnvolle Strategie sein, die Verarbeitung unserer Gefühle schlafend unserem Unterbewusstsein zu überlassen. Doch natürlich können wir uns nicht bei jedem kleinen Gefühlschaos schlafen legen – ohne dafür in ein anderes Chaos zu geraten.

4. Prokrastinieren

Wenn wir prokrastinieren, weichen wir damit den unangenehmen Gefühlen aus, die eine Aufgabe in uns auslöst – zum Beispiel Langeweile, Stress, Überforderung oder ähnliches. Es gibt zwar eine Form des produktiven Prokrastinierens, bei der wir anstatt einer Aufgabe, die uns keinen Spaß macht (beispielsweise Wäsche aufhängen), etwas tun, das uns positive Gefühle vermittelt (Spanisch lernen). In solchen Fällen hat das Vermeiden der ungewollten Gefühle, das Prokrastinieren, durchaus etwas Gutes, da es uns zu einer anderen Tätigkeit motiviert. Dennoch sei es laut Alice Boyce wichtig, dass wir lernen, uns trotz Langeweile oder Stress einer Herausforderung zu stellen und unangenehme To Dos zu erledigen. 

5. Nostalgie

Indem wir uns in die Vergangenheit versetzen, zum Beispiel Filme anschauen, die wir als Kind gesehen haben, oder alte Fotoalben durchblättern, können wir wunderbar abtauchen und unserer aktuellen Gefühlslage entfliehen. Wir rufen damit alte Emotionen in uns wach, die die neuen für eine Weile in den Hintergrund drängen. So einen Trip in die Vergangenheit gelegentlich zu unternehmen, kann uns entlasten und eine sinnvolle Strategie sein, um aus einer emotional überwältigenden Gegenwart auszubrechen. Doch er lässt die Ursachen unserer eigentlichen, gegenwärtigen Gefühlslage nicht verschwinden. Somit ist auch Nostalgie keine Standard- beziehungsweise Dauerlösung für den Umgang mit Emotionen.

6. Andere beschuldigen

Uns selbst zu enttäuschen oder eine frustrierende Situation zu erleben, deren Sinn wir nicht erkennen, kann sehr schwer auszuhalten sein. Abmildern kann solche Gefühle, einen Schuldigen zu haben, auf den wir unseren Frust abschieben können. Für viele Menschen ist es nämlich leichter zu ertragen, von anderen Personen enttäuscht zu sein als von sich selbst, und einige entlastet es, eine:n vermeintliche:n Verantwortliche:n für ihr Unglück benennen zu können. Der Haken an der Sache: Wenn wir unsere Liebsten für etwas beschuldigen, für das sie eigentlich gar nichts können, um damit unseren Gefühlen auszuweichen, treibt sie das von uns weg und wir stehen irgendwann alleine da. Und immer Armin Laschet oder sonst jemand Beliebigen und Fremden verantwortlich zu machen, schürt auf Dauer Hass und bringt uns nicht weiter. Insofern ist diese Art der Gefühlsvermeidung nur in kleinen und selten eingenommenen Dosen verträglich.

7. Selbstoptimierung

Grundsätzlich spricht nichts dagegen, wenn wir danach streben, uns weiterzuentwickeln – sei es beruflich, gesundheitlich oder in Bezug auf unsere Hobbys und Leidenschaften. Ein maßvoller Wunsch und Drang nach Selbstoptimierung ist natürlich und wichtig, da er uns im Leben voranbringt, uns Ziele und Richtung weist und Selbstbewusstsein und Zufriedenheit schenkt. Wer sich aber ständig und in nahezu jeder Hinsicht versucht zu verbessern, weicht damit oftmals dem Gefühl aus, nicht gut genug zu sein – oder der Angst davor. Und das ist auf Dauer keine Lösung, da ein Minderwertigkeitsgefühl (oder die Angst davor) in der Regel nicht dadurch verschwindet, dass wir etwas an uns optimieren. Schließlich wird es nicht davon ausgelöst, dass wir nicht gut genug sind – weil wir es ja immer sind. Ganz egal, wie wir sind. Doch das zu fühlen, lernen wir nicht, indem wir uns verbessern, sondern indem wir erleben, dass es okay ist, uns auch mal nicht zu verbessern.

Verwendete Quelle: Psychologytoday.com

sus Guido

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