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Du kannst nicht mehr? 5 Wege, wie du ein Burnout behandelst, bevor es entsteht

Psychologie: Unglückliche Frau sitzt auf dem Boden
© fizkes / Shutterstock
"Wenn wir unsere Energiereserven nicht rechtzeitig auftanken, führt das auf kurz oder lang zu körperlicher und seelischer Belastung, daraus kann ein Burnout resultieren", erklärt die Sozialpädagogin Sonja Sidoroff im Interview mit GUIDO.

Der Begriff "Burnout" wurde in den letzten Jahren ziemlich inflationär benutzt. Im Fernsehen, in den Zeitungen, überall hörte man davon. Aber so richtig etwas darunter vorstellen können sich die meisten gar nicht. In vielen Köpfen ist Burnout als die Krankheit der Workaholics abgespeichert. Derjenigen, die für ihren Job leben. Die 60-Stunden-Wochen rocken und stets einen prall gefüllten Terminkalender mit sich herumschleppen. Aber stimmt das so?

Unsere Expertin, Sozialpädagogin Sonja Sidoroff, verneint die Annahme. Eigentlich ist nämlich das Gegenteil der Fall. "Viele Menschen assoziieren mit dem Begriff Burnout ein Ausgebrannt-Sein in Bezug auf den Job. Dabei geht es genauso um das Privatleben. Wenn man im Job und im Privatleben aus der Balance gerät, kann es zum Burnout kommen." Denn der Druck, der einem von der Gesellschaft auferlegt wird, den man sich selbst auferlegt, kann irgendwann ganz einfach zum Zusammenbruch führen.

Auch Frauen oder Männer, die Zuhause sind und keine Vorgesetzten haben, die Druck machen, können von Burnout betroffen sein – sie machen sich den Druck selbst

Nach der offiziellen Klassifikation hat eine Person, die unter Burnout leidet, Schwierigkeiten bei der Lebensbewältigung – und das bezieht sich eben nicht nur auf einen Lebensbereich, sondern gilt allumfassend. Glücklicherweise entsteht ein Burnout aber nicht über Nacht, weiß Sonja Sidoroff. Daher ist es so wichtig, dass wir auf mögliche Warnzeichen unseres Körpers frühzeitig reagieren. Niedergeschlagenheit, Antriebslosigkeit, reduzierte Leistungsfähigkeit und psychosomatische Beschwerden wie Kopfschmerzen und Verspannungen, aber auch Magenschmerzen können solche Signale sein.

"Solange ich mein Auto regelmäßig tanke, bringt es mich sehr lange Zeit von A nach B. Irgendwann leuchtet meine Tankreserve an, wenn ich dann nicht in der Lage bin aufzutanken, bleibe ich ziemlich schnell stehen." So wie wir unser Auto nachtanken, sollten wir das auch mit unseren Energiereserven handhaben.

Psychologie: 5 Wege wie du ein Burnout behandelst, bevor es entsteht

1. Plane kleine Auszeiten ein

Wichtig ist es, dass du dir täglich etwas Zeit einräumst, die eigenen Akkus wiederaufzuladen und wenn es nur fünf Minuten sind, in denen du in Ruhe eine Tasse Tee trinkst. Im hektischen Alltag gehen solche kleinen Energiebringer oft verloren. Und wenn wir uns doch die Zeit nehmen, rattert das Gedankenkarussell in unserem Kopf die To-Do-Listen fleißig durch oder wir werden vom schlechten Gewissen geplagt, weil wir in den fünf Minuten doch auch eine Ladung Wäsche hätten anschmeißen können. In solchen Momenten rät unsere Expertin, drei Mal tief durchzuatmen oder an die frische Luft zu gehen, um den Kopf freizubekommen.

2. Finde deine Energiequellen

Den meisten Menschen fällt es leichter aufzuzählen, was sie stresst, als zu definieren, was ihnen Energie liefert. "Leider gibt es dafür kein Patentrezept. Jeder muss seine Energiequellen für sich selbst herausfinden." In einer Welt, in der wir von Achtsamkeitstrends überflutet werden, gar nicht so einfach. Denn was bringt dir Yoga, wenn du dich dabei nicht entspannen kannst oder eine Meditationsübung, auf die du echt keine Lust hast. Frage dich: Was sind meine Interessen? Was bereitet mir Freude? Was tut mir gut? Sobald die Sache zum MUSS wird, lieber sein lassen.

"Wenn Achtsamkeitstrends, Yoga und Co. zu Stressfaktoren werden, weil sie uns von außen aufgedrückt werden, bewirken sie das Gegenteil"

3. Gespräche wirken Wunder

Zwischenmenschlicher Austausch ist super wichtig. Wenn im Büro mal wieder alle nerven oder sich in der Küche die dreckigen Teller stapeln, hilft es, sich den Frust von der Seele zu reden. Danach sieht die Welt oft schon viel besser aus. Also in Krisenmomenten zum Telefon greifen und die beste Freundin anrufen. Fall du gerade niemanden zum Reden hast oder dich aus diversen Gründen Familie oder Freund:innen nicht anvertrauen magst, gibt es Beratungsstellen, an die du dich wenden kannst. Unsere Expertin rät sogar in einigen Fällen dazu: "Eine unvoreingenommene Meinung einer professionell ausgebildeten Person weitet den Blick für neue Perspektiven!"

4. Achte bewusst auf deinen Umgang mit Social Media 

Sonja Sidoroff merkt an, dass Instagram und Co. zwar einen Teil dazu beitragen, dass Menschen sich zunehmend gestresst und unzufrieden fühlen, es kommt aber immer darauf an, wie die Medien genutzt werden. Bist du hauptsächlich auf sozialen Medien unterwegs, um mit deinen Freund:innen in Kontakt zu sein, bist du weniger von äußeren Einflüssen beeinträchtigt. Nämlich, dass Makellosigkeit und Erfolg die anzustrebenden Ziele sind. Ein bewusster und gesunder Umgang ist wichtig, dann kann man sich auch Inspiration und Mehrwert holen.

"Wenn du am Tag mit tausenden Menschen konfrontiert wirst, die augenscheinlich schöner, erfolgreicher und einfach BESSER als du sind, dann glaubst du das irgendwann selbst!"

5. Gestalte To Dos zu deinen Gunsten um

Wer kennt sie nicht, die ätzend langen To-Do-Listen, vor denen es uns schon vor dem Aufstehen graut. Da hilft nur noch, kleine Schmankerl einzubauen. Vielleicht hast du die Möglichkeit, deine täglichen To Dos so umzugestalten, dass du einen Mehrwert für dich daraus ziehst. Ganz klassische Beispiele wären beim Wäschefalten Musik zu hören oder einen Podcast, während das Mittagessen auf dem Herd vor sich hin köchelt.

Quellen: Interview mit Sozialpädagogin Sonja Sidoroff

Guido

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