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Nostalgie-High Warum wir öfter in alten Fotoalben blättern sollten – gerade jetzt

Nostalgie-High: Fotoalbum
© Andrew Angelov / Shutterstock
Es ist schön, in Erinnerungen zu schwelgen und sich die guten alten Zeiten bewusst vor Augen zu führen. Warum wir von solchen Erinnerungen zehren können, und was das in unserem Gehirn auslöst, zeigt eine neue Studie.

Wenn ich traurig bin, greife ich oft zu meinen alten Fotos. Einige habe ich in Fotoalben geklebt, andere häufen sich in unfassbar vielen Ordnern zu jeglichen Themengebieten auf meinem Laptop: Family time heißt zum Beispiel einer von ihnen und wieder andere sind nach Ländern benannt, die ich bereist habe. Die Erinnerung an das, was wir Schönes erlebt haben, kann uns helfen, uns besser zu fühlen. Wir lachen über bescheuerte Momente, wie das erste Mal, als wir eine Weinflasche mit einem Schuh geöffnet haben oder freuen uns über den Anblick der saftig grünen Tee-Terrassen in Indonesien, die uns damals beruhigt und dafür gesorgt haben, dass wir uns in das Land verlieben. Jetzt kommt heraus: Diese kleinen Momente der Nostalgie, ob nun aus der Kindheit oder dem Erwachsenenleben, können laut einer Studie der Chinese Academy of Sciences sogar Schmerzen lindern. Sie dienen dem Gehirn wie eine natürliche Droge, die in bestimmten Gehirnarealen Wirkung zeigt und beispielsweise gegen leichte Beschwerden wie Kopfschmerzen helfen können.

Nostalgie wirkt in bestimmten Bereichen

Die Forscher:innen nutzten für die Studie Gehirnscans und kamen zu dem folgenden Ergebnis: Positive Erinnerungen reduzieren die Gehirnaktivität in Regionen, die mit dem Schmerzempfinden zusammenhängen. “Die Ergebnisse zeigen, dass das Hervorrufen von Nostalgie die Schmerzwahrnehmung der Teilnehmenden verringert, besonders bei einem niedrigen Schmerzlevel", erklärt Professor Huajin Cai von der Chinese Academy of Sciences. Den Teilnehmenden wurden 26 nostalgische Fotos gezeigt. Dabei wurde ihre Gehirnaktivität mit einer funktionellen Kernspintomografie gemessen. Zusätzlich zu der Auswirkung im Gehirn wurden die Proband:innen mit unterschiedlichen Stufen von Hitzeintensität am Handgelenk konfrontiert.

Fotos müssen nicht persönlich sein

Für ihre Untersuchung nutzten die Forscher:innen in einer Gruppe allgemeingültige Szenen und Gegenstände, die für eine glückliche Kindheitserinnerung stehen: beispielsweise Süßigkeiten, Schulhofspiele oder eine beliebte Zeichentrickserie. In einer zweiten Gruppe wurden Fotos aus dem heutigen Alltag gezeigt. Und tatsächlich: Bei den nostalgischen Bildern zeigten die Teilnehmer:innen auf der gleichen Hitzestufe eine geringere Schmerzempfindlichkeit als bei den moderneren Bildern. Durch die Fotos reduzierten außerdem zwei Areale im Gehirn ihre Aktivität: Der Gyrus Lingualis und der parahippocampale Gyrus. Beide Regionen spielen eine Rolle beim Schmerzempfinden des Menschen. So auch der Thalamus, der für die Übermittlung der Informationen der nostalgischen Bilder verantwortlich ist. “Die Studie zeigt, dass der Thalamus als Gehirnregion für Schmerzregulierung auch mit dem schmerzlindernden Effekt der Nostalgie zusammenhängt“, erklärt Professor Cai. Eine neue Erkenntnis für die Hirnforscher:innen. Weitere Studien hatten ebenfalls eine Linderung von Schmerzen in Zusammenhang mit nostalgischen Erinnerungen festgestellt.

Eine natürliche und schöne Methode, die bei einigen Menschen mit leichten Schmerzen ein wenig Linderung verschaffen kann – und damit ein Schmerzmittel ohne Medikation, dass wir uns öfter selbst verabreichen sollten. Alte Poesiealben sind da aus meiner eigenen Erfahrung übrigens auch sehr zu empfehlen.

Verwendete Quellen: Mirror, SciTechDaily

Guido

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