VG-Wort Pixel

All You Need Is Love Arten von Liebe, die genauso wertvoll sind wie die romantische

Die Liebe gibt es nicht nur in Beziehungen
Die Liebe gibt es nicht nur in Beziehungen.
© Ivan / Adobe Stock
Die Liebe ist vielfältig und für jede:n etwas ganz Besonderes im Leben. Wir zeigen, dass es dabei um mehr geht als "nur" Romantik.

Inhaltsverzeichnis

Die Liebe – was wäre der Mensch nur ohne sie? Sie inspiriert bis heute die Träumer:innen unter uns zu den schönsten Taten – und sie ist so viel mehr als bloße Zuneigung. Wir spüren sie tief in uns, manchmal überwältigend und fast in den Wahnsinn treibend, manchmal wie ein zartes Echo, das uns im Zweifel zur richtigen Entscheidung führt.

Auch Jahrtausende der Menschheitsgeschichte haben so manches Mysterium noch nicht gänzlich lösen können, wozu auch die Liebe zählt.

Der Duden beschreibt sie als "starkes Gefühl des Hingezogenseins; starke, im Gefühl begründete Zuneigung zu einem [nahestehenden] Menschen" – und kaum überraschend werden diese Worte unseren Emotionen nicht gerecht. Wie auch? Auch Jahrtausende der Menschheitsgeschichte haben so manches Mysterium noch nicht gänzlich lösen können, wozu auch die Liebe zählt. Auch in diesem Artikel haben wir den Anspruch dazu nicht. Wir wollen euch stattdessen die vielen Formen der Liebe zeigen – die weit über das Romantische hinausgehen.

Die Liebe war nicht nur in der Antike "bittersüß"

Liebe ist schrecklich schön
Die Liebe ist schrecklich schön.
© Wirestock Creators / Adobe Stock

In der griechischen Antike hatte Romantik keinen großen Platz, die Ehe war ein Vertrag, der vor Armut schützen und Verpflichtungen auferlegen sollte. Aus Liebe wurde selten geheiratet, wohl auch, weil man sich vor ihr fürchtete: Eros war der griechische Gott der Liebe – und der Sohn des Chaos, wurde mit Attributen wie "bittersüß" und "gliederlösend" beschrieben. Und ja, die Liebe kann genau das sein: schmerzlich und schön zugleich. 

Denn mit der Liebe lassen wir auch Schmerz in unser Leben, denn unsere gemeinsame Zeit ist begrenzt – ob durch Trennung, Krankheit oder Tod, über kurz oder lang müssen wir uns von unseren Liebsten verabschieden. Doch wir trauern um die Dinge, die unser Leben bereichert haben – was wäre das Leben für eine trübselige Qual, wenn wir niemals geliebt hätten?

Die facettenreiche Liebe: Von "Eros" bis "Mania"

Die Liebe kann uns ein Wegweiser sein oder uns in die Irre führen
Die Liebe kann uns ein Wegweiser sein oder uns in die Irre führen.
© grandfailure / Adobe Stock

Liebe ist nicht nur romantisch: Die Liebe zum eigenen Kind, zum Haustier, zur besten Freundin – all das sind Facetten von Liebe, keine Abstufungen. Im Jahr 2018 hat sich der britische Psychologe Tim Lomas daran versucht, die Formen der Liebe herauszuarbeiten, indem er sich die Sprachen der Welt angeschaut hat. Die Frage, die er dabei auf den Grund gehen wollte, war dabei: Wovon reden wir eigentlich, wenn wir davon sprechen, dass wir unsere Partner:innen lieben? Filme? Oder Käse?

Bei seiner Arbeit nutzte er die Analyse von John A. Lee, der in dem Buch "Colours of Love" sechs Formen von Liebe herausgearbeitet hatte:

  • Eros: Die Form von Liebe, die auf Romantik aufbaut und die den meisten Menschen aus Hollywood-Filmen bekannt ist. Die "Liebe auf den ersten Blick" basiert laut Lee auf der "Chemie" zwischen zwei Menschen und einer starken physischen und/oder emotionalen Anziehung.
  • Ludos: Die "erobernde" Form von Liebe, wenn die Emotion mehr als "Spiel" gesehen wird und der Mensch möglichst viele Partner:innen "gewinnen" möchte. Der Fokus liegt darauf, Spaß zu haben und im Moment zu leben – weswegen Partner:innenschaften dieser Art tendenziell nicht lange halten.
  • Storge: Die Liebe, die aus Freund:innenschaften entsteht. Sie entwickelt sich langsam aus einem platonischen Miteinander heraus, durch gemeinsame Interessen und gegenseitigen Engagement füreinander, statt bloßer Leidenschaft für die andere Person.
  • Pragma: Eine Mischung der Formen Ludos und Storge. Die "realistische und praktikable" Liebe. Menschen, die nach dieser Form der Liebe leben, sehen eine Beziehung mehr als ein "Geschäft" – man sucht sich einen Menschen, mit dem man gemeinsame Ziele/Interessen teilt.
  • Mania: Hierbei werden die Formen Eros und Ludos miteinander vermischt. Die "obsessive" Liebe, die oftmals aufgrund eines niedrigen Selbstwertgefühls entsteht und dem Bedürfnis von dem:der Partner:in geliebt zu werden. Menschen dieser Art neigen dazu, possessiv und eifersüchtig zu sein.
  • Agape: Die Mischung aus Eros und Storge, die "selbstlose" Liebe. Diese Form von Liebe meint, dass die eine Person bereit ist, alles für die andere aufzugeben. Sie meint bedingungslose, selbstlose Liebe.

Die unterschiedlichen "Geschmäcker" von Liebe

Die Liebe gibt es in verschiedenen "Geschmacksrichtungen"
Die Liebe gibt es in verschiedenen "Geschmacksrichtungen".
© Robert Kneschke / Adobe Stock

In seinem Artikel für das Online-Magazin "The Conversation" beschreibt Lomas die sechs Facetten von Liebe als "guten Start", der aber nicht komplett ist, schließlich beschreiben diese Formen lediglich romantische/sexuelle Beziehungen. In seiner eigenen Studie konzentrierte sich der Psychologe auf die "unübersetzbaren Wörter", um die große Vielfalt an Gefühlen und Bindungen zu verstehen, die im Englischen unter dem Begriff "love" zusammengefasst werden. 

So ergaben sich hunderte Wörter aus etwa 50 Sprachen, die der Wissenschaftler in 14 verschiedene "Geschmacksrichtungen" eingeteilt hat. Warum "Geschmacksrichtungen"? Um die "Implikationen zu vermeiden, dass Beziehungen ausschließlich in eine dieser Sorten eingeteilt werden können", so Lomas. So könne eine "romantische Partner:innenschaft mehrere Geschmacksrichtungen verbinden und damit einen einzigartigen Geschmack kreieren, der sich mit der Zeit auf subtile Weise verändern kann".

  • Die ersten drei betreffen den Menschen für sich überhaupt nicht, sondern beziehen sich auf die Vorliebe und Leidenschaft für bestimmte Tätigkeiten (Meraki), Orte (Chōros) und Gegenstände (Eros). Die Liebe zu Gegenständen meint beispielsweise ästhetische Wertschätzung.
  • Bei der Liebe zwischen Menschen sind die ersten nicht-romantischen Formen bzw. Geschmacksrichtungen, die der Fürsorge, Zuneigung und Loyalität, die wir gegenüber der Familie (Storgē), Freund:innen (Philia) und uns selbst (Philautia) empfinden.
  • In Bezug auf die Romantik nennt der Psychologe die von Lee etablierten Begriffe, also Pragma, Mania und Ludus. Ergänzt wird das Dreiergespann durch das leidenschaftliche Verlangen Epithymia und die Schicksalsgemeinschaft Anánkē.
  • Zuletzt gibt es drei Formen der selbstlosen Liebe, bei der die eigenen Bedürfnisse und Sorgen zurücktreten. Dabei handelt es sich um das Mitgefühl, Agápē, um "flüchtige Funken eines teilnehmenden Bewusstseins" (wenn wir beispielsweise von den Emotionen in einer Gruppendynamik mitgerissen werden), Koinonia, und um ehrfürchtige, religiöse Hingabe, wie Gläubige sie gegenüber einem göttlichen Wesen empfinden können, Sebomai.

Diese Bezeichnungen entnimmt der Psychologe verschiedenen Sprachen, so findet sich zum Beispiel der Sinn von Anánkē in Begriffen wie dem japanischen "koi no yokan" (frei übersetzt: "Vorahnung der Liebe") wieder und meint das Gefühl, dass dich bei der ersten Begegnung mit einer Person einfängt, in die du dich unvermeidlich verlieben wirst. Eben eine Schicksalsgemeinschaft. Hach.

Die Liebe erfüllt uns alle

Die Arbeiten von Lee und Lomas – die, wie Lomas selbst schreibt, noch lange nicht vollendet ist – zeigen die Vielfalt, Komplexität und überwältigende Kraft der Liebe. Sie kann uns von der ersten Begegnung mit einer Person fesseln, kann sich wie eine zarte Knopse über Jahre aus einer Freund:innenschaft heraus entwickeln; sie kann uns zerfressen, in tiefste Trauer stürzen; sie kann uns die Freude an den Dingen bringen – und am Ende erfüllt sie uns alle.

Die Sprache der Liebe ist wahrlich universell, auch wenn uns manches Mal vor lauter Überwältigung die richtigen Worte fehlen mögen. Nun haben wir für das ein oder andere Gefühl zumindest einen schönen Ausdruck.

Verwendete Quellen: duden.de, swr.de, businessinsider.de, theconversation.com, onlinelibrary.wiley.com, psychologycharts.com. 

Guido

Mehr zum Thema

Unsere Lieblings-Nähanleitungen von Guido