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Seien wir ehrlich 3 beliebte Lügen, die wir uns täglich auftischen – und wie wir sie durchbrechen

Diese Lügen tischen wir uns regelmäßig selbst auf
Diese Lügen tischen wir uns regelmäßig selbst auf
© Michele Paccione / Adobe Stock
Lügen bringen selten etwas Gutes mit sich – ob nun gegenüber anderen oder auch gegenüber dir selbst. 3 Selbstlügen, die wir ab jetzt durchbrechen.

Inhaltsverzeichnis

Sicherlich, es gibt Situationen, in denen lügen okay ist. Aber hierbei handelt es sich oftmals um Notlügen des Alltags, mit denen wir vermeiden wollen, andere Leute vor den Kopf zu stoßen. Dann gibt es aber noch die schwerwiegenderen Lügen – vor allem die, die wir uns selbst auftischen. Damit ist jetzt Schluss, denn ein Psychologe deckt die drei beliebtesten Selbstlügen auf und erklärt, warum sie so schädlich für uns sind.

Eine Entschuldigung macht alles wieder gut

Wir leben in einer Gesellschaft, in der auf sozial unerwünschtes Verhalten sogleich eine Entschuldigung folgen muss. Da ist an und für sich nichts gegen einzuwenden. "Entschuldige, dass ich gerade so fies zu dir war." Darauf folgt bei manchen Menschen fast schon automatisch ein: "Alles okay, schon vergessen." Und manchmal ist das auch wirklich so. Aber was ist denn, wenn es nicht okay ist? 

Eine Entschuldigung ist keine Lösung für das Problem des Verstoßes oder die Grenzübertretung.

Psychologe Seth Meyers sagt hierzu: "Manchmal machen die Menschen den Fehler zu glauben, dass eine Entschuldigung die einmalige, perfekte Lösung ist. Um es ganz klar zu sagen: Eine Entschuldigung ist keine Lösung für das Problem des Verstoßes oder die Grenzübertretung." Wenn dein:e Partner:in in einer Situation deine Grenzen überschreitet, dann mag sie sich dafür entschuldigen – das muss aber in keinem Fall heißen, dass nun alles wieder gut sein muss beziehungsweise zu sein hat. 

Wer meint, eine Entschuldigung mache alles besser, der:die belüge sich selbst über den möglichen längerfristigen Schaden, nämlich den Vertrauensverlust, erklärt der Psychologe. Es mag schwerfallen, schließlich wollen wir nach einem schlimmen Streit oder einem Vertrauensbruch auch meist, dass alles schnell wieder in Ordnung ist.

Doch in so einem Fall müssen wir nicht nur dem:der Partner:in gegenüber ehrlich sein – sondern vor allem uns selbst, wenn wir sagen: "Nein, es ist nicht okay." Das heißt nicht, dass es nie wieder so sein wird, aber manchmal bedarf es einiger gemeinsamer Arbeit, um das Vertrauen wiederherzustellen.

Die Selbstlüge, bei der Wut mit Verletzung verwechselt wird

"Ich bin so wütend, ich könnte platzen!" Es gibt Situationen, in denen macht uns das Verhalten unserer Partner:innen oder Freund:innen unheimlich wütend. Bei vielen Menschen ist die Wut dann auch die instinktive Reaktion: Sie kochen, wüten und toben, denn "wenn man wütend ist, fühlt man sich auch tendenziell stärker und hat mehr Kontrolle", erklärt Meyers. Gerade im Gegensatz zum Gefühl, verletzt zu sein, denn hierbei fühle man sich oftmals hilflos. Wut kann anspornen, treibt voran – mitunter auch in destruktive Richtungen. Trauer liegt schwerer, wie eine Decke, die uns zu Boden drückt.

Aber nicht erst der Pixar-Film "Alles steht Kopf" hat uns gelehrt, dass der Mensch zu mehr als einem Gefühl parallel in der Lage ist. Wenn du dich an Situationen zurückerinnerst, in denen dich das Verhalten oder Aussagen deiner Liebsten wütend gemacht haben – hast du dich da wirklich nur wütend gefühlt? 

"In meiner Arbeit habe ich festgestellt, dass Menschen, die angeben, sich wütend zu fühlen oder in einer Wutspirale stecken zu bleiben, sich in Wirklichkeit oft mehr verletzt als wütend fühlen, obwohl sie sich bemühen, die verletzten Gefühle nicht zuzugeben", so der Psychologe. 

"Wenn ich erst einmal … dann werde ich glücklich sein!"

Es gibt viele Dinge auf der Welt, von der wir uns eine Menge Glück versprechen: ein:e Partner:in, ein Kind, ein neues Haus, ein neuer Job, ein neues Land, in dem wir leben. Eine Selbstlüge, die durch Social Media, in denen die Menschen oftmals so glücklich, so erfolgreich, so perfekt wirken (was sie nicht sind), noch befeuert wird.

"Die Wahrheit ist, dass ein Gefühl von echter Zufriedenheit eher von einem inneren als von einem äußeren Prozess abhängt", erklärt Meyers. "Das heißt: Zufriedenheit entsteht, wenn man das Beste aus den Ressourcen macht, die man gegenwärtig hat und indem man heute schon Maßnahmen ergreift, anstatt sich eine Fantasie zu erträumen, die man in Zukunft haben möchte."

Natürlich ist es gut, wenn wir Ziele und Träume haben. Die spornen uns an, motivieren uns, unser Bestes zu versuchen. Aber es ist nicht gesund, den Blick immer nur gen Zukunft zu richten, denn zu schnell verlieren wir dadurch den Blick für die Dinge, die direkt vor unserer Nase sind: Freund:innen, die uns schätzen, Partner:innen und Familienmitglieder, die uns lieben, die Zeit im Hier und Jetzt.

Genug mit den Lügen

Ehrlichkeit kann schmerzhaft sein, sie kann anstrengend sein und erfordert von uns eine Menge. Täglich sind wir gefordert, unsere eigenen Gedanken, Gefühle und Handlungen zu hinterfragen. Doch je bewusster und ehrlicher wir mit uns selbst umgehen, desto klarer erkennen wir mit der Zeit auch, was wir tun müssen, um zufriedener im Leben sein zu können. 

Dazu kann zählen, dass wir uns eingestehen, dass eine schlimme Situation mit unseren Liebsten Vertrauen zerstört hat, das nur mit Kraft und Einsatz wieder aufgebaut werden kann. Dazu kann aber auch zählen, dass wir uns unsere eigene Verletzlichkeit eingestehen oder eben auch, dass unser Glück vielleicht nicht in den Dingen zu finden ist, denen wir so mühsam hinterherrennen.

Doch dafür erhalten wir auch so viel zurück: Unsere Beziehungen werden ehrlicher und damit enger, wir lernen, all unsere Seiten zu akzeptieren und auszuleben und wir richten unsere Aufmerksamkeit auf die Dinge, die uns bereits jetzt erfüllen – und schon ist Ehrlichkeit zu sich selbst doch schon gar nicht mehr so einschüchternd, oder?

Verwendete Quelle: psychologytoday.com

cs Guido

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