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Clubkinder Feiern und spenden zugleich

Clubkinder: Freunde feiern gemeinsam
© oneinchpunch / Shutterstock
Abfeiern und dabei die Welt ein bisschen besser machen? Gute Idee! Der Hamburger Verein "Clubkinder" sammelt Spenden mit allem, was Spaß macht.

Manchmal sind die einfachsten Ideen doch die besten: Zwei Jungs aus Oldenburg, Jannes Vahl und Joko Weykopf, die es wegen Jobs in der Medienbranche an die Elbe gezogen hatte, wollten ursprünglich ein Magazin machen, das zeigen sollte, wie cool man sich in Hamburg ehrenamtlich engagieren kann. 2011 hatten sie dafür schon ein Netzwerk aus Gastromenschen, Werbern und Künstlern aufgebaut. Und dann wurde plötzlich mehr draus: Sie starteten mit einem Festivalwochenende – mit 72 Locations, 181 Acts und 38 Partys. Ein Riesenevent, bei dem sie ganz nebenbei Geld für die Stiftung Mittagskinder sammelten, die Kinder in sozialen Brennpunkten mit gesunden Mahlzeiten versorgt und bei den Hausaufgaben hilft.

Im folgenden Jahr wurde es dann noch ein bisschen größer: Mit einem 66-Stunden-Spendenfestival für den Verein GWA St. Pauli, der sich auf dem Hamburger Kiez für Kinder, Familien und Obdachlose einsetzt. Und weil dort, wo viele kreative Köpfe zusammenkommen, auch viele kreative Ideen entstehen, entwickelten die "Clubkinder", wie sie sich inzwischen nannten, weitere Events, die schnell Kultcharakter erlangten: die Tagebuchlesung, bei der Menschen live und unzensiert ihre Aufzeichnungen aus den wildesten Zeiten ihres Lebens vortragen; eine Kohlfahrt um die Hamburger Alster; Abende, an denen sie Videos der Livekonzerte von Pearl Jam oder Metallica auf die Leinwand werfen, und die Konzertreihe Klanglabor, die junge Hamburger Musiker fördert und auf die Bühne bringt.

Und dazu gründeten sie noch einen eigenen Club, der nichts mit Rotary zu tun hat, sondern mit coolen Drinks, Kiezfeeling und Herzensprojekten. "Unterm Strich" heißt der Laden, und auch hier sind schon Tausende Euro an Spenden bei Halloween- und anderen Partys zusammengekommen.

Feiern gehen und Gutes tun, das ist das ausgeschriebene Motto bei den "Clubkindern". Smarter geht’s eigentlich gar nicht. Endlich ist da mal ein Verein, der Ehrenamt anders interpretiert: ohne Mitgliedsbeitrag und Verpflichtungen. Genau das spricht die jungen Leute an – und so treten mittlerweile etwa 500 Aktive zwischen 25 und 35 Jahren regelmäßig an, um ihre Stadt menschlicher zu machen.

"Wir holen junge Leute da ab, wo sie am Wochenende sind", sagt Eloise Bossen, 36, einzige Hauptamtliche bei "Clubkinder e. V.", Vorstandsmitglied und Cheforganisatorin. "Die Idee ist, das, was sie machen, mit einem guten Zweck zu verbinden." Also durch die Clubs ziehen, Konzerte, Ausstellungen oder Festivals besuchen, Leute kennenlernen – und dabei automatisch Spenden generieren. Etwa durch den Eintritt für Events, den Kauf von Getränken oder von Merchandise.

Rund 280 000 Euro hat der Verein seit der Gründung bis Ende 2020 erfeiert, erlacht, ertrunken, ertanzt. Ein ziemlicher Batzen Geld, der an soziale Einrichtungen der Stadt weitergeleitet werden konnte. Die "Clubkinder" unterstützen einen bunten Blumenstrauß an Projekten. Von Jugend- und Altenhilfe über Kunst und Kultur bis zur Flüchtlingshilfe oder auch Umwelt- und Tierschutzangelegenheiten. Das alles klappt nur mit einem funktionierenden Freiwilligenmanagement – und mit Engagement. "Das geht bei uns von 'Ich stell mal einen Stuhl hin' bis zur eigenen E-Mail-Adresse mit einem eigenen Bereich", erklärt Eloise Bossen.

Doch dann kam die Pandemie. Corona markierte eine Zäsur, weil plötz-lich nichts mehr möglich war, was die "Clubkinder" attraktiv gemacht hatte. Clubs, Gastro, Kultur: Alles hatte dicht. Was das für die Arbeit bedeutete? "Wir müssen und mussten uns strukturell und inhaltlich neu erfinden", sagt Eloise. "Das heißt: Mehr eigene Projekte kreieren."

Also fingen die "Clubkinder" wieder von vorn an. Sie steckten ihre Köpfe zusammen und dachten sich neue Aktionen aus, die sich sehen lassen können: Da gab es die "sk8_Art", eine Ausstellung, für die knapp 50 Streetart-Künstler und -Künstlerinnen alte Boards neu gestalteten, um sie an die 500 Besucher zu versteigern. Mit den Erlösen wurde ein Kunst- und Trainingsworkshop für benachteiligte Kids finanziert, damit diese bald selbst ein eigenes Skateboard besitzen und damit durch die Gegend ziehen können. Oder etwa die "KlangVisite" für Senioren und Seniorinnen: 157 Lockdown-Konzerte in 27 Einrichtungen, die mit Musik und Freude die Einsamkeit vertrieben haben.

Die Wirkung solcher Projekte ist enorm. Sie machen einen Unterschied. Für die, denen geholfen wird, genauso wie für die, die sich engagieren. "Zu wissen, dass wir das als Verein initiiert haben, lässt mich innerlich eine Konfettikanone zünden!", sagt Anka, eine der vielen Freiwilligen.

Herz, Konfetti und Leidenschaft: Genau das ist die geheime Superkraft der "Clubkinder", weil sie es schaffen, damit immer wieder zukunftsweisende Initiativen auf die Beine zu stellen. "Was wir jetzt brauchen, um weiter als sozialer Inkubator für die Stadt und als Netzwerkplattform agieren zu können, ist ein stabiles Team in Kommunikation und Fundraising mit einer vollen Stelle für ein Jahr, um Kontinuität zu gewährleisten", sagt "Clubkinder"-Chefin Eloise. "Aber manchmal habe ich das Gefühl, dass wir für die meisten Stiftungen zu abgefahren sind. Wir arbeiten modern und on the fly. Einfach hands-on." Aus dem Grund wollen so viele ein Teil dieser Gemeinschaft werden. Weil sie sehen: Helfen ist einfach. Und es macht Spaß! Wo, wenn nicht bei den "Clubkindern", kann man auf so grandiose Art der Welt etwas zurückgeben?

Dieser Artikel erschien ursprünglich im Guido Heft Nr. 11/2021.

Guido

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