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Persönlichkeitscoach Stefanie Adam Mehr Mut zum Deep Talk statt Small Talk

Persönlichkeitscoach Stefanie Adam: Mehr Mut zum Deep Talk statt Small Talk
© digitalskillet1 / Adobe Stock
Stefanie Adam ist Coach für Persönlichkeitsentwicklung. Sie rät zu Deep Talk statt Small Talk, damit die Gäst:innen zufrieden nach Hause gehen.

Was genau stört Sie am lockeren Plausch? Small Talk ist doch auf Feiern normalerweise ziemlich beliebt …
Mich strengt er auf Dauer unglaublich an. Ich möchte andere Menschen richtig kennenlernen, Dingen auf den Grund gehen, das steht konträr zum Small Talk. Den wählen Leute gern, weil sie sich dann sicherer fühlen. Dahinter steckt allerdings oft die Angst vor Ablehnung. Alle Gäste haben mehr vom Abend, wenn die Leute am Tisch nicht nur an der Oberfläche entlangscharwenzeln.

Wenn ich mir als Gastgeber Gespräche mit Tiefgang wünsche, was muss ich schon beim Einladen beachten – wer sollte kommen, wer auf keinen Fall?
Dazu fangen Sie bei sich an: Neben wem fühlen Sie sich leicht? Nur danach wählen Sie Ihre Gäste aus. Wenn Sie locker sind, strahlen Sie das auch aus – das führt zu einer Stimmung, in der sich andere wohlfühlen und hoffentlich öffnen.

Und wie geht’s dann weiter: Lasse ich das Gespräch laufen, oder lenke ich es an dem Abend?
Erst mal liegt das nicht in Ihrer Verantwortung, worüber alle reden. Viel wichtiger ist: Schenken Sie Ihren Gästen ein Gefühl von Sicherheit. Das ist die beste Voraussetzung für gute Gespräche.

Und wie gelingt mir das?
Zunächst braucht es Ihre 100-prozentige Präsenz, also sollte man beim Gespräch nicht an den nächsten Kochgang denken oder den gestrigen Streit mit Ihrem Mann. Und vor allem: Gucken Sie nicht auf Ihr Handy! Deutlicher können Sie nicht zeigen, dass Sie Ihr Gegenüber nicht wertschätzen. Dann Augenkontakt halten und durch Nachfragen zeigen, dass Sie zuhören, anstatt nur das Thema aufzugreifen und gleich von eigenen Erfahrungen zu erzählen. Und zuletzt, ganz wichtig, authentisch sein. Wenn der Gastgeber sein Herz öffnet, nimmt der Besuch im Gespräch hoffentlich auch sein Visier hoch. Und genau das möchte ich ja in meinem Wohnzimmer erreichen.

Also denken Sie, dass die meisten Menschen immer eine Rolle spielen?
Es ist eher ein Schutzschild. Wenn Sie als Gastgeber aber über Ihre Gefühle sprechen, ist die Chance groß, dass Sie dies auch zurückzubekommen. Falls das nicht passiert, können Sie auch mal eine tiefergehende Frage stellen. Damit bauen Sie Ihren Gästen eine Brücke zum Deep Talk, aber es liegt an jenen, ob sie über diese Brücke gehen wollen. Ich musste das vor ein paar Jahren für mich auch erst lernen: Früher war ich immer ein fröhlicher Gast, habe lustige Geschichten erzählt, aber meine Freunde haben dabei kaum etwas über mich erfahren. Irgendwann merkte ich, dass ich mich in so einer Runde sehr einsam fühlte, nicht gesehen. Ich wollte das nicht mehr.

Was hat sich verändert, seitdem Sie zum Deep Talker wurden?
Es macht unglaublich frei. Ich habe früher sehr im Außen gelebt, war als Interiordesignerin international erfolgreich, hatte auch zu Hause lauter Designerstücke. Bis ich 2014 merkte: Ich brauche das alles nicht. Ich fragte mich, worum es im Leben wirklich geht – und erfand mich neu, wurde Coach und Mentorin, gründete mit meinem Mann "Heldencamps" für Retreats in der Natur sowie ein Onlinecoaching-Business. Allen Besitz haben wir verkauft und reisen aktuell mit unserem Wohnmobil durch Europa. Unterwegs bringe ich anderen bei, achtsam mit sich zu sein. Wer so lebt, ist mit seinen Gefühlen connected, öffnet sich im Gespräch, aber gibt auch anderen Raum.

Ein Alleinunterhalter am Tisch könnte also gut ihr Klient werden?
Die erzählen natürlich gute Geschichten, aber bleiben unnahbar. Wenn man so jemanden nicht stoppt, nimmt er den ganzen Abend ein. Das ist schade für alle anderen. Es hilft dann, als Gastgeber das Wort zu ergreifen, vielleicht über jemanden zu reden, der Sie beeindruckt hat, und dann in die Runde zu fragen: "Wer war das zuletzt bei euch und warum?" Dann können die anderen auch wieder zu Wort kommen. An sich halte ich nichts davon, das Gespräch kontrollieren zu wollen, aber in der Situation macht das Sinn.

↘ stefanieadam.de

Guido

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