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Kein Kummerkasten mehr Wie du Beschwerden anderer eindämmst

Beschwerden sind nicht immer so befriedigend, wie viele meinen
Beschwerden sind nicht immer so befriedigend, wie viele meinen
© PR Image Factory / Adobe Stock
Wir beschweren uns über alles: das Wetter, die Arbeit, andere Menschen. Wie du konstruktiv mit Dauernörgler:innen umgehen kannst.

"Warum ist das denn schon wieder so heiß/kalt/nass?", "Es war heute schon wieder so anstrengend/langweilig/unerträglich auf der Arbeit!", "Der Typ gerade war wirklich unhöflich/nervig/anhänglich/übergriffig" – diese drei Beispiele sollen vor allem eines verdeutlichen: Wir beschweren uns. Sehr gerne. So genervt wir von den unterschiedlichsten Dingen sein mögen – sei es das Wetter, unsere Arbeitssituation oder unsere Mitmenschen – so gerne scheinen wir unserem Unmut Luft zu machen. Einfach mal "Dampfablassen", das soll ja auch helfen – oder?

Tatsächlich ist es nicht sonderlich hilfreich für die Person, wenn sie ihren Frust verbalisiert – und für die zuhörende Person, die auch bekannt ist als der "Kummerkasten", genauso wenig. Warum haben Menschen dann trotzdem das dringende Bedürfnis, Dampf abzulassen? Was ist der eigentliche Sinn davon? Und vor allem: Wie können wir – die Dampfablassenden genauso wie die Dampfabbekommenden – konstruktiv damit umgehen?

Warum Beschwerden nicht besonders hilfreich sind

Warum beschweren wir uns über so viele Dinge und was ist das Ziel dahinter? Dieser Frage ging eine Studie nach, bei der Studierende Tagebuch führten über die Dinge, über die sie sich gegenüber anderen aufregten. Das Ergebnis: 75 Prozent der Beschwerden waren nicht zielgerichtet. Das heißt, dass sie nicht darauf abzielten, einen Umstand zu ändern, sondern eher dazu genutzt wurden, um den eigenen Frust abzubauen oder um Sympathie von anderen zu erhalten. Im Durchschnitt beschwerten sich die Teilnehmer:innen viermal am Tag und die häufigste Reaktion des Gegenübers auf ihr Herummeckern war Zustimmung.

Den Frust rauslassen, negative Emotionen verbalisieren – eigentlich dürfte man meinen, dass das den Menschen guttut. Heißt es nicht, dass man Emotionen nicht in sich hineinfressen soll? Tatsächlich sind Beschwerden über Umstände, auf die wir keinen Einfluss nehmen – oder nehmen wollen/können – nicht besonders hilfreich, wie unterschiedlicheStudien bereits festgestellt haben. Trotzdem ist das Dampfablassen sehr verbreitet und das letzte, was eine Person wohl hören möchte, die sich bei dir auslässt, sind Sätze wie: "Du weißt aber schon, dass du weder mir noch dir mit deiner Meckerei hilfst?" Allerdings: Was möchte eine Person denn hören bzw. was sollte sie hören? Wie kann man gut mit Beschwerden umgehen?

Der:die "herausfordernde Zuhörer:in"

In einer Studie, die sich mit Beschwerden zum Thema Arbeit auseinandersetzt, wurde festgestellt, dass die Person, die Gedanken und Gefühle der Person, die sich beschwert, hinterfragt, am hilfreichsten für die Lösung des Problems ist. Hierbei ging es nicht unbedingt darum, für das Problem der sich beschwerenden Person direkt eine Lösung zu finden, sondern vielmehr, diesem Menschen dabei zu helfen, die eigene Reaktion zu überdenken.

Ein Beispiel: Dein Kollege beschwert sich über einen anderen Menschen. "Ständig kommt Tom zu spät, es ist so respektlos!" Nun könntest du einsteigen und sagen: "Da hast du absolut recht, Tom geht mir mit seiner Art richtig auf die Nerven!" Und schon regen sich beide über jemanden auf. Oder du könntest ein:e herausfordernde:r Zuhörer:in sein und die Ansicht deines Kollegen hinterfragen: "Ich kann verstehen, dass du das respektlos findest, schließlich bist du jeden Tag pünktlich und vielleicht kommst du dir veralbert vor, wenn andere es damit augenscheinlich nicht so ernst meinen. Aber denkst du wirklich, dass er so oft zu spät kommt? Vielleicht hat Tom ja irgendwelche Probleme und traut sich nicht, das anzusprechen." 

Auf der einen Seite nimmst du mit dieser Aussage die negativen Emotionen deines Gegenübers ernst – aber du hilfst der Person auch dabei, die eigene Wahrnehmung zu hinterfragen und das ganze aus einer anderen Perspektive zu betrachten. Mit diesem konstruktiven Umgang bist du als zuhörende Person mehr als ein bloßer Kummerkasten – und die meckernde Person erhält vielleicht den notwendigen Ansporn, sich genauer mit der ihr unangenehmen Situation auseinanderzusetzen und bestenfalls daran etwas zu ändern.

Verwendete Quellen: psychologytoday.com, journals.sagepub.com, pubmed.ncbi.nlm.nih.gov, slate.com, journals.aom.org, psycnet.apa.org

cs Guido

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