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Elternzeit in Italien gehört nicht dazu. 7 Wege, ein feministischer Super-Papa zu werden

Feministischer Vater
© Tanya Yatsenko / Shutterstock
Feminismus für Männer? Na klar. Wer feministischer werden will, fängt am besten bei der Quelle an: und übt sich als feministischer Super-Papa. 

Wieso wird Feminismus eigentlich immer nur Frauen auf die Fahne geschrieben? Der Kampf für die Gleichberechtigung der Geschlechter sollte doch, naja, gerade mal nicht vom Geschlecht abhängig sein. Hinzu kommt: Privilegierte Menschen haben strukturell mehr Macht als diskriminierte. Und die können sie ruhig mal nutzen, um letztere zu unterstützen. Und privilegiert bedeutet in diesem Fall: männlich.

Auch als Mann kann man feministisch handeln und viel bewirken. In einem Zeitraum des Lebens schlägt die Benachteiligung von Frauen besonders zu – die Familiengründung, in der selbst fortschrittlichste Paare schnell in alte Rollenbilder verfallen. Das ist kaum verwunderlich, schließlich haben wir diese meist jahrelang durch unsere eigenen Eltern und Großeltern vorgelebt bekommen. Umso wichtiger ist es aber, sich bewusst gegen das alte und für ein neues Modell zu entscheiden. Wie fängt man damit als Mann am besten an? Indem man als feministischer Papa gleich eine neue Generation kleiner Feminist:innen auf dem Weg ins Leben begleitet. Das ist eine echte Chance, denn wir können alte Rollenverteilungen und Geschlechterklischees durch das Vorleben neuer aktiv durchbrechen. Hier kann man also wirklich etwas verändern! Wie das im Alltag funktioniert, erfährst du hier.

7 Alltagstipps für feministische Papas

Nimm Elternzeit. Und zwar nicht 2 Monate, um nach Italien zu reisen.

In den letzten Jahren ist es irgendwie schick geworden, in der Elternzeit endlich mal zu reisen. Gleichzeitig werden Väter von anderen (und sich selbst) dafür gefeiert, aktiv auch in Elternzeit gegangen zu sein – trotz wichtigem Job! Und das sogar länger als drei Wochen, nämlich ganze zwei Monate! In Anbetracht der Tatsache, dass die Elternzeit aber keine vier, sondern in der Regel 12 oder 14 Monate dauert, wird aber schnell klar: Gerechte Aufgabenteilung sieht anders aus. Sprecht vor der Geburt aktiv darüber, wer in Elternzeit geht. In Still-Zeiten ist die Mutter meist gegebenermaßen im Fokus – aber auch hier lassen sich Lösungen finden, beispielsweise schon nach sechs Monaten wieder stundenweise in den Job einzusteigen – und der Partnerin dafür als Papa den Rücken freizuhalten. Oder ihr reduziert langfristig beide Stunden, statt in die finanzielle Abhängigkeit zu rutschen, dass ein Part Teil-, einer Vollzeit arbeitet. Nur weil eine Mutter Feministin ist, heißt das nicht, dass sie nicht mehr in Elternzeit gehen darf – es heißt lediglich, dass sie die gleiche Wahl haben sollte wie der Vater. Setzt euch an den Tisch und plant gleichberechtigt.

Sprich inklusiv – ganz normal.

Ja, es ist eine Umgewöhnung. Aber wir leben in so turbulenten Zeiten, wir stellen uns doch ständig auf neue Situationen ein! Wer als Papa bereits ganz normal gendert, von Ärztinnen und Feuerwehrfrauen erzählt, lebt dem Kind automatisch eine gleichberechtigte Ausdrucksweise vor. Für das Kleine wird es später ganz normal sein, inklusiv zu sprechen – und zu denken.

Achte auf Care- und Hausarbeit und benenne sie.

Spülmaschine ausräumen: Hausarbeit. Im Kopf den Kindergeburtstag planen: Care-Arbeit. Für Eltern wächst die Liste der Care-Arbeit plötzlich rasant an. Indem wir öfter darüber sprechen, wird sie realer und wir können sie auch gerechter verteilen. Gleichzeitig können wir aktiv dafür kämpfen, dass Care-Arbeit endlich ernstgenommen wird, indem wir sie selbst benennen und ihr einen verdienten Stellenwert geben. Sei nicht der Papa, der nur durchsaugt, weil dein:e Partner:in dich mehrfach darum gebeten hat. Denk selbst daran.

Sei kein Mann. 

So lautet der Titel eines Buchs von JJ Bola, der die Rolle des Mannes kritisch hinterfragt. In der Rolle als Vater kann man mit Klischees von vornherein brechen und so wirklich etwas verändern – indem das Kind damit aufwächst, dass es keine Verhaltensweisen gibt, die es erfüllen muss, um männlich zu sein – sondern Männlichkeit genauso individuell wie die Menschheit ist. Das fängt bei kleinen Dingen an: zum Beispiel, dass man unabhängig des Geschlechts weinen und über Gefühle sprechen kann. 

Sei nicht nur Spaß-Papa

Das geht hier gleich weiter: Denn als Vater bist du nicht nur für das Vergnügen, sondern auch die Pflicht zuständig. Das heißt: Auch du kannst und sollst Verbote aussprechen, Zu-Bett-geh-Zeiten durchsetzen und in allen Bereichen des Lebens ein gleichberechtigter Erzieher sein. So verlockend das Modell "Good Cop, Bad Cop" auch sein mag, so ungerecht ist diese Rolle für deine: Partner:in.

"Gut gemacht!" in gut gemacht 

Für dein Kind bist du der Größte – dein Lob ist der Hauptgewinn, nach dem es sich richtet. Also pass auf, dass du hier nicht in Geschlechterklischees rutschst: Allzu oft werden Mädchen nur für ihr schönes Kleid, ihre süße Frisur und ihr gutes Benehmen gelobt; die Jungs hingegen werden für ihre Taten und ihren Mut gelobt. Mach keine Unterschiede, wer für dich stark, tapfer und mutig sein kann; aber lass ebenso zu, dass alle Kinder schön, brav und freundlich sein dürfen. 

Bescheid wissen statt nur dabei stehen

Neben Haus- und Beziehungs- ist auch etwas Bildungsarbeit angesagt: denn wenn du keine Ahnung hast, kannst du oftmals auch keine Hilfe sein. Dein Blick auf die Welt, dein Erleben, aber auch dein Körper: er unterscheidet sich von dem deiner:s Partner:in. Daher ist es hilfreich, wenn du dazulernst: wie genau funktionieren der weibliche Zyklus und die verschiedenen Verhütungsmittel? Was ist die gläserne Decke und was der Gender Pay Gap? Wie pumpt man Milch ab und was passiert eigentlich im Wochenbett?

mjd Guido

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