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Guido Maria Kretschmer im Interview "Ich glaube, es gibt eine Frauenenergie, die notwendig ist, damit unser Leben funktioniert"

Guido Maria Kretschmer
© Jeremy Moeller / Kontributor / Getty Images
Guido Maria Kretschmer kämpft für die Rechte von Frauen. Im Interview spricht der Designer darüber, was sich im Zuge der Gleichberechtigung endlich verändern muss. 

Gleichberechtigung. Wir wünschen sie uns. Wir kämpfen für sie. Wir haben sie noch nicht erreicht. Gender Pay, Health und Data Gap begleiten uns nach wie vor, sie sind mehr als abstrakte Begriffe, sie sind für rund 42 Millionen Frauen in Deutschland Realität. Guido Maria Kretschmer ist in seiner Arbeit als Designer ständig vom weiblichen Geschlecht umgeben – und bekommt die Herausforderungen hautnah mit. 

Zur #Voxforwoman-Woche hat Guido in einem Interview mit uns über das Thema Female Empowerment gesprochen – und was alles noch passieren muss, damit in Deutschland tatsächlich Gleichberechtigung herrscht. Darin ermutigt er Frauen nicht nur dazu, auf die Straße zu gehen, sondern auch dazu, zu sich zu stehen, sich zu feiern und nicht verändern zu lassen. Dabei sollten sie aber nicht alleine gelassen werden: 

Ich glaube, dass Frauen Unterstützung brauchen. Und zwar von denen, die gerade die Chance haben und an der Macht sind, Dinge zu verändern.

Ein Fakt, der den Designer besonders besorgt, wurde ganz aktuell sichtbar: die Gender Pay Gap – und die Debatte darum, die nur zu Jahrestagen aufblüht, dann aber wieder ganz schnell verschwindet. "Das größte Manko in der ganzen Wahl jetzt, ist auch, dass ich nie gehört habe, dass eine Partei gesagt hat: Frauen und Männer müssen das gleiche verdienen", beklagt Guido Maria Kretschmer. Denn nur das würde die Türen zu einer echten Chancengleichheit der Geschlechter öffnen. Solange das nicht der Fall ist, wie sollen dann Frauen Dinge allein durchziehen können? Wie soll das gehen, solange sie nicht einmal gleich viel verdienen? Das kann nicht sein. Das ist, würde ich sagen, eine wichtige politische Forderung, für die man auf die Straße gehen sollte", ermutigt er weiter.

Ich glaube, es gibt eine Frauenenergie, die notwendig ist, damit unser Leben funktioniert.

Mut, den wünscht Guido Maria Kretschmer Frauen nicht nur in der Politik, sondern auch im Privaten. Und zwar den Mut, zu sich zu stehen, wie sie sind: "Ansonsten glaube ich, dass man Frauen auch ruhig sagen darf, dass sie sich feiern sollen. Dafür, dass sie manchmal eben anders sind. Einen anderen Blick auf das Leben haben."

Gleichberechtigung bedeute nicht, sich gleich verhalten zu müssen, vielmehr sei es doch "schön zu wissen, dass es einfach Unterschiede gibt, in den Empfindungen, wie man das Leben wahrnimmt", so der Designer, der findet: "Ich glaube, es gibt eine Frauenenergie, die notwendig ist, damit unser Leben funktioniert."

Frauen stehen immer noch so viel mehr unter Druck, besser und schneller zu sein. Es ist auch okay, einfach mal schwach zu sein.

Diese Energie könne sich auf ganz verschiedene Art und Weise zeigen, ohne Zwang, aber mit viel Erlaubnis. "Die femininen Frauen, die, die schnell verletzt sind, die geliebt werden wollen, die vielleicht von Familie träumen, die können bitteschön so weitermachen. Auch sie haben das Recht, genauso zu sein", betont Guido Maria Kretschmer. Gerade in der Berufswelt werden Karrierekompetenzen oft männlich assoziiert, so dass Frauen letztendlich noch immer den Eindruck haben, sich dem anderen Geschlecht anpassen zu müssen – um gleich behandelt zu werden. Dabei muss man sich Gleichberechtigung nicht verdienen. Sie sollte die grundlegende Basis sein, um sich zu entwickeln.

"Auch das gehört zu meinem Traum einer Gesellschaft, dass man die ganzen Dinge, die zum Leben gehören, akzeptiert, dass man nicht denkt, man müsse jetzt anders sein oder als Frauen wie Männer agieren. Nein.", betont Guido Maria Kretschmer. Dadurch würden Frauen nur immer noch mehr unter Druck sein, schneller und besser zu sein, um Erfolg zu haben, und dabei etwas Wesentliches vergessen: "Es ist auch okay, einfach mal schwach zu sein."

Guido

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