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Innere Stimme Wann hörst du auf dein Herz, Guido?

Innere Stimme: Guido Maria Kretschmer Porträt
© Christoph Köstlin
Bei wichtigen Entscheidungen hört Guido in sich hinein. Auch wenn ihm das schon ab und zu eine Enttäuschung eingebrockt hat. Egal.

Wenn wir es emotional groß machen wollen, reden wir vom Herzen: Wir wollen es in die Hände des Gegenübers legen, sollen es nicht brechen, möchten es behüten. Die Liebe ist in unseren Sätzen immer eng verbunden mit dem Herzen und eben auch mit dem Herzeleid. Aber gibt es ein gebrochenes Herz? Ist dieses Wunderwerk an Pumpleistung wirklich das Zentrum für unsere Liebe und das grenzenlos Gute? Ja, sogar wissenschaftlich bewiesen. Es gibt das „Broken Heart Syndrom“ – manche Menschen haben so sehr geliebt, dass ein Verlust ihr Leben zum Erlöschen bringen kann. Ist es dann nicht unerlässlich, uns immer wieder dieser großen Energie und Weisheit bewusst zu sein und auf dieses Wunderwerk zu hören? Ja!

Entscheidungen, die wir treffen, sind immer auch Herzensangelegenheiten. Das sollten sie zumindest sein. Wir alle brauchen dazu nur die Fähigkeit, in einem Moment der Stille in uns hineinzuhören. Keine leichte Aufgabe, wenn schon klar ist, dass die jeweilige Veränderung unser Leben kräftig durcheinanderrütteln wird. Erkenntnis ist, wenn einem bewusst wird: „Wie sage ich es jetzt den anderen?“ Wie gibt man seinem Leben einen neuen Impuls, ohne dabei Erwartungen zu enttäuschen?

Nun: Wer springt, der braucht etwas Anschub. Vielleicht ist das „Hör auf dein Herz“ die einzige Energie, die Veränderung überhaupt ermöglicht. Der entscheidende Tritt in den Po. Ich habe in meinem Leben schon sehr häufig ganz auf mein Herz gehört und Entscheidungen getroffen, weil ich es fühlte und vor allem: weil ich das Gefühl kannte. Die nachhaltig besten Entscheidungen meines Lebens waren immer die, wenn ich mit Gewissheit nicht gegen meine innere Stimme entschieden hatte. 

Manche sagen sicher: „Hätte ich mal nicht auf mein Herz gehört, dann wäre mir dieser langweilige Mann, diese eifersüchtige Frau, dieser öde Job, das blöde Haus, diese elendige Karre oder der verhaltensauffällige Kläffer erspart geblieben.“ Aber sein Leben neu auszurichten und ganz nach seinem Herzen zu entscheiden setzt eben auch voraus, dass mitunter die falsche Entscheidung getroffen wird. Also kann es schon mal sein, dass wir denken: „Es war zwar eine Herzensangelegenheit, aber es wurde dadurch nicht besser.“ Doch wer weiß es wirklich? Niemand! So einfach ist das. Sich auf etwas ganz einzulassen setzt eben voraus, es mit völliger Hingabe zu tun und auch die Schattenseiten in Kauf zu nehmen. 

Und selbstverständlich liegen auf dem Weg des Herzens ab und zu auch Enttäuschungen. Auch ich habe mich schon in Menschen geirrt, habe vertraut und bin schmerzlich eines Besseren belehrt worden. Ich kenne diesen Umstand gut. Ich bin schnell verletzt wie aber auch aufgerufen, einfach weiterzumachen. Die einzige Möglichkeit für die Sensiblen unter uns. Wir kommen einfach nicht aus unserer Haut. Wir sind nun einmal der Mensch, der wir sind. Aber in Summe konnte ich aus jedem Schmerz immer etwas gewinnen. 

Daran zu zerbrechen und nichts daraus zu lernen ist die unsinnigste Form von schlechten Erfahrungen. Es ist zwar unerlässlich, auch abzuwägen, sich nicht zu schnell irgendwo reinzustürzen, aber es ist immer fahrlässig, gegen die innere Überzeugung zu handeln. Vor allem sind schlechte Erfahrungen kein Grund, in Zukunft allein den Verstand bestimmen zu lassen. Menschen, die nur danach handeln, sind roh und unempathisch. Wenn sie noch Macht ergattern, ist mit dem Schlimmsten zu rechnen.

Es heißt ja: Alle zehn Minuten verliebt sich ein Single in Deutschland, wenn man den Plakaten Glauben schenken darf. Ob allerdings auch alle zehn Minuten mit dem Herzen entschieden wird, steht auf einem ganz anderen Portal. Unser Herz verliert sich sehr gern, wenn etwas Attraktives um die Ecke kommt. Was schön ist, findet schneller den Weg hinein. Manchmal denke ich, die große Maskenzeit, in der wir gerade leben, birgt die Chance, mal wieder auf die Stimme, die Augen und den Menschen zu achten. Wir könnten doch jetzt ganz auf unser Herz hören, wenn der Rest nur sehr eingeschränkt zu sehen ist. 

Wie hat der kleine Prinz es so treffend formuliert: „Man sieht nur mit dem Herzen gut, das Wesentliche bleibt für die Augen verborgen.“ Wenn ihr die also schließt und auf euren Atem achtet, dann hört ihr den Menschen, dem ihr am meisten vertrauen und den ihr lieben solltet – euch selbst!

Euer Guido

Dieser Artikel erschien ursprünglich im Guido Heft Nr. 04/2021.

Guido

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