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Es brodelt im Inneren Wie du passiv-aggressiven Menschen begegnen kannst

Passiv-aggressive Menschen können mit ihrer Art enorm provozieren
Passiv-aggressive Menschen können mit ihrer Art enorm provozieren.
© Prostock-studio / Adobe Stock
Passiv-aggressive Menschen sind ein Graus – doch wie kann man mit ihnen konstruktiv umgehen? Expert:innen geben Tipps.

"Das würde sich nicht jede trauen, so ein Kleid anzuziehen", sagt sie mit einem Lächeln auf den Lippen, und der verbale Dolch bohrt sich in dein kleines, zartes Herz.

Passiv-aggressive Menschen sind wirklich sehr geschickt mit ihren verbalen Angriffen und können zielsicher dort treffen, wo es wehtut. Machen sie das immer mit einer bösen Absicht? Nicht unbedingt. Hilft uns das in dem Moment, in dem wir mit offener Kinnlade vor ihnen stehen? Kaum. Ein halbherzig hinterhergeworfenes "War nur ein Spaß, nimm doch nicht immer alles gleich so ernst" rettet die Situation auch nicht. Aber was können wir sagen und tun, um passiv-aggressiven Menschen in unserem Leben zu begegnen? Hier sind ein paar Tipps von Psycholog:innen.

Passiv-aggressive Muster erkennen

Wir sind alle nur Menschen, wir alle haben unsere schlechten Tage, und nicht immer kommunizieren wir auf eine Weise, die unseren oder den Ansprüchen anderer gerecht wird. Das ist absolut in Ordnung. Doch wenn sich die kleinen verbalen Spitzen zu häufen scheinen, lohnt es sich, genauer hinzuschauen. 

Psychologin Ellen Hendriksen rät dazu, auf Muster zu achten: Gibt es regelmäßig passiv-aggressive Kommentare von der anderen Person, beispielsweise, wenn eine Situation besonders stressig ist? Gibt es vielleicht einen Konflikt, der im Raum steht, aber der einfach nicht ausgesprochen wird?

Ins Gespräch gehen

Wer sich passiv-aggressiv äußert, der:die scheint den offenen Konflikt meiden zu wollen. Auch wenn es schwerfallen mag: In solchen Fällen ist es an dir, in die Konfrontation hineinzugehen. Der einfachste Weg ist dabei, auszusprechen, was in der Situation passiert, raten die Expert:innen.

Ein Beispiel: Auf einer Feier, die du veranstaltest, lädst du eine Freundin ein, aber nicht ihren Partner. Vor Ort sagt die davon genervte Freundin etwas in die Richtung wie: "Jetzt, wo ich die Location sehe, verstehe ich, warum deine Gäst:innenliste begrenzt war – hier hat man ja kaum Luft zum Atmen."

Du könntest an dieser Stelle einhaken und auf das eigentliche Problem eingehen: "Ich mag mich irren, aber ich habe das Gefühl, dass du sauer bist, weil ich deinen Freund nicht eingeladen habe. Wollen wir darüber sprechen?"

Verstehen, warum passiv-aggressive Menschen die Konfrontation meiden – und einen sicheren Ort schaffen

Die wenigsten Menschen dürften Spaß daran haben, passiv-aggressiv zu sein. Schließlich tragen sie Wut in sich, die sie meinen nicht verbalisieren zu dürfen. Oftmals haben sie Angst vor der Reaktion ihres Gegenübers, davor, zurückgewiesen zu werden und fühlen sich nicht gehört oder gesehen.

Dem kannst du entgegenwirken, indem du ihnen klarmachst, dass es in Ordnung ist, das offenbar im Raum stehende Problem anzusprechen. Achte hierbei darauf, dass du nicht so reagierst, wie sie es befürchten: Bleib ruhig und sachlich und versuche, gemeinsam mit der passiv-aggressiven Person eine Lösung zu finden.

Professor Preston Ni, Autor des Buchs "How to Communicate Effectively and Handle Difficult People", rät dazu, dein Gegenüber in die Lösung des Problems einzubeziehen. Du kannst beispielsweise fragen: "Wenn du an meiner Stelle wärst, wie hättest du die Situation gelöst?" Vielleicht kommt die Person mit einer konstruktiven Lösung, vielleicht reicht es ihr in dem Moment aber auch, sich wahrgenommen zu fühlen.

Versuche aber, sollte nur weitere Kritik kommen, dieser nicht zuzustimmen oder sie abzulehnen. "Sag der Person einfach, dass du ihre Punkte im Hinterkopf behalten wirst, und wende dich wieder den eigentlichen Problemen zu", so Professor Ni.

Bleib selbst positiv

Passiv-aggressive Menschen sind eine ziemlich missmutige Gesellschaft – deswegen ist es umso wichtiger, dass du dir davon nicht die eigene Laune verderben lässt. Die Expert:innen raten dazu, nicht Gleiches mit Gleichem zu vergelten. Meint: Sei nicht selbst passiv-aggressiv oder schrei die Person an, versuch ruhig zu bleiben. 

Konzentriere dich in solchen Situationen vor allem auf deine eigenen Handlungen und Äußerungen. Im oben genannten Beispiel mag die Person deinen Kleidungsstil kritisieren. Du kannst beleidigt sein, du kannst sie selbst angreifen. Oder du kannst dir einfach denken: "Mir gefällt's."

Setze klare Grenzen

Passiv-aggressive Menschen haben oftmals nicht gelernt, dass ihr Verhalten Konsequenzen nach sich zieht – und vor allem haben sie ein Konfliktverhalten erlernt, das schwerlich als konstruktiv zu beschreiben ist. Sicherlich ist es nicht deine Aufgabe, einen oftmals erwachsenen Menschen umzuerziehen, allerdings hast du manchmal auch nicht die Möglichkeit, dich der Person zu entziehen. Das kann der Fall sein, wenn du mit einer passiv-aggressiven Person zusammenarbeiten musst.

"Oh, die Aufgabe sollte ich auch noch übernehmen?" So eine Aussage ist kaum hilfreich. Vielleicht will dir die Person damit sagen, dass sie schon zu viele Aufgaben hat, vielleicht auch, dass sie es unfair findet, diese und jene Aufgabe erledigen zu müssen.

Du könntest den ganzen Tag damit verbringen, darüber zu grübeln, was dir dein Gegenüber mit dieser indirekten Kommunikation sagen möchte. Oder du könntest klar formulieren: "Diese Aufgabe muss erledigt werden, und zwar bis dann und dann. Es liegt in deiner Verantwortung, dass das erledigt ist. Andernfalls wird der Kunde uns den Auftrag entziehen."

Im besten Fall kannst du der Person Alternativen aufzeigen, zum Beispiel: "Du kannst die Aufgabe auch morgen erledigen, wenn es heute zu viel wird." So fühlt sie sich der Situation nicht ausgeliefert, was ein möglicher Grund hinter dem passiv-aggressiven Verhalten sein kann.

Sehr wichtig ist, nicht einzuknicken. Passiv-aggressiven Menschen sollten die Konsequenzen ihrer Handlungen vorgeführt werden, auch wenn wir manchmal vielleicht dazu neigen würden, "der Einfachheit halber" lieber selbst die Aufgabe zu erledigen. Doch damit ist niemandem geholfen.

Verwendete Quellen: psychologytoday.com, psychologie-heute.de, wikihow.com

cs Guido

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