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Happy, holy, confident Laura Seiler, wieso jagen uns Veränderungen eigentlich solche Angst ein?

Psychologie: Frau fasst sich an den Kopf
© Mark Nazh / Shutterstock
Veränderungen gehören zum Leben dazu. Trotzdem jagen sie uns oft Angst ein. Wieso eigentlich? Ein Gespräch mit Laura Seiler, Autorin und Podcasthost von "Happy, holy & confident" bringt Licht ins Dunkel.

Du hast dir einen Plan gemacht, die Route notiert, das Navi eingestellt. Vor dir siehst du nur Meer und einen Horizont an Möglichkeiten, die du ansteuern kannst. Du bist bereit. Dann ist da plötzlich diese leichte Brise, die zu Wind wird und dir die Haare ins Gesicht bläst. Das Wasser reagiert sofort, es ist, als würden sie miteinander kommunizieren, das Wasser und der Wind, ein geheimes Bündnis eingehen.

Du spürst jetzt nicht nur die Kraft der Luft auf der Haut, sondern auch die Wildnis des Wassers, das Bewegung in dich und dein Boot bringt. Das Ziel am Horizont ist mittlerweile gekippt und je mehr du versuchst, gegen die Wellen zu paddeln, desto mehr gerätst auch du in Schieflage. Der Sturm ist in deinem Inneren angekommen.

Unser Gehirn hasst Veränderungen
Laura Malina Seiler
© Farina Deutschmann / Pressestelle

So oder ähnlich fühlen sich für viele Menschen Veränderungen an. Sie kommen und gehen, wie Wellen auf dem Meer. Doch sie bringen dabei unsere Pläne durcheinander, lassen uns aufgewühlt und seekrank zurück. Dabei steckt in ihnen eigentlich eine ungeheure Energie, wie im Wasser und Wind, nur dass uns diese eben oft ungeheuer ist. 

Das ist eigentlich sogar ganz logisch, wie Laura Seiler, Autorin und Host des Podcasts "happy, holy & confident" mir in unserem Interview erzählt: "Unser Gehirn hasst Veränderungen", klärt sie mich auf und zwar aus einem Grund, der vielen bekannt vorkommen dürfte. Es ist laut Laura nämlich faul: "Es will Energie sparen, das heißt, dass alles so bleiben soll, wie es ist. Du bist also biologisch schon so vernetzt, dass du Veränderungen vermeiden sollst, denn sie bedeuten immer auch Gefahr."

Aha. Es ist also eine Art Beschützerinstinkt, der uns mal vorsorglich eine Portion Angst schickt. Das klingt doch eigentlich ganz gesund, oder Laura? "Die Frage, die sich jeder stellen muss, ist: Möchte ich mein Leben damit verbringen, immer nur Gefahr zu vermeiden? Oder möchte ich in Vertrauen und Fülle und Leichtigkeit leben?", erwidert sie und macht damit einen Punkt. Denn wirklich angenehm ist diese Angst ja nun nicht. Umgehen lässt sie sich aber auch nicht unbedingt, wenn man vorankommen will. Also müssen wir uns irgendwie mit ihr anfreunden.

Es gibt nichts, das so konstant ist, wie die Veränderung

"Die Sache ist: Alles verändert sich die ganze Zeit. Man kann sich nicht nicht verändern. Das geht nicht. In der Zeit, in der wir gesprochen haben, hat sich alles um uns herum verändert. Es gibt nichts, das so konstant ist, wie die Veränderung", sagt Laura und regt mich damit tatsächlich zum Nachdenken an. Der Gesprächsverlauf riecht nun kräftig nach einem Wort, mit dem sich die Menschheit ebenfalls schwer tut: Akzeptanz. 

Laura Malina Seiler: Zurück zu mir
© rowohlt polaris / Pressestelle

Zunächst einmal würde gegen die Angst vor Veränderung aber helfen, nicht mehr dagegen anzukämpfen. Das merken wir schon auf unserem Boot im Meer – je mehr wir störrisch gegen die Wellen arbeiten, desto mehr Wasser spritzt uns entgegen. Wir werden langsamer, müde und frustriert. Der ewige Kampf ist anstrengend.

Unsere größten Qualitäten werden in dem Moment geboren, in dem wir nicht weiter wissen.

Hier hakt Laura wieder ein. Denn sie hat einen besseren Einsatzort für die Energie: "Das viel Kraftvollere wäre doch, die Veränderung aktiv zu erschaffen. Sich zu denken: Na, wenn sich doch eh alles die ganze Zeit ändert, dann spring ich doch rein und verändere proaktiv mal mit. Wie will ich es denn gerne haben?"

Reinspringen, das klingt verlockend, aber auch kräftezehrend. Was, wenn wir nicht schwimmen können? Oder uns gar nicht so stark fühlen? "Guck mal, wo du heute bist. Das waren alles ganz viele Veränderungen. Das hast du geschafft. Du bist doch voller Ressourcen", weiß Laura mir die Angst ein weiteres Mal zu nehmen, "ich sage auch immer: Unsere größten Qualitäten werden in dem Moment geboren, in dem wir nicht weiter wissen. Dann entwickeln wir Fähigkeiten, von denen wir gar nicht wussten, dass sie in uns existieren."

Wenn wir nächstes Mal mit unserem Paddel gegen Wind und Wellen kämpfen, ändern wir einfach mal den Blickwinkel. Und vielleicht finden wir über uns ja einen Mast und ein Segel, mit dem wir uns der Witterung einfach annehmen.

Guido

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